Baggereinsatz zum Erhalt der Heide

 In Forstamt Rotenburg, Regionale Presseregion Nordost

Verjüngungskur für die Heideflächen des Naturschutzgebietes „Hügelgräber – Heide bei Kirchlinteln“

(Kirchlinteln) Das Naturschutzgebiet „Hügelgräber-Heide bei Kirchlinteln“ liegt südlich der Ortschaft Kirchlinteln im Landkreis Verden. Es bildet den westlichsten Ausläufer der Lüneburger Heide. Das neun Hektar umfassende Naturschutzgebiet ist eine typische Kulturlandschaft der Region. In dem Gebiet befinden sich inmitten der erhaltenswerten Heideflächen bronzezeitliche Hügelgräber und Hohlwegspuren, bei denen es sich um Zeugnisse alter Handelswege aus früheren Jahrhunderten handelt. Das Gebiet wurde bereits im Jahr 1935 unter Naturschutz gestellt.

Der Erhalt solcher Schutzgebiete erfordert manchmal auch den Einsatz schweren Gerätes. Seit dem 30.11.21 ist ein Bagger der Firma Josef Haschke aus Weyhe im Einsatz, um die Heide zu pflegen. Insgesamt soll etwa 1,0 Hektar Heide abgeplaggt werden.

Plaggen heißt das Verfahren, bei dem die gesamte Vegetationsschicht und die Rohhumusauflage, inklusive eines dünnen Anteils der obersten Schicht des Mineralbodenhorizontes abgetragen wird. Das Plaggen ist ein Verfahren zum Erhalt ökologisch wertvoller Heidelandschaften. Was früher mühsam per Hand gemacht wurde, wird heute durch Maschinen erledigt.

Michael Müller, Leiter der Revierförsterei Diensthop erklärt: „Voraussetzung für den Maschineneinsatz ist, dass der Maschinenführer sehr vorsichtig arbeitet, nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Material entnimmt, um die Geländestruktur zu schonen. Die Arbeiten finden in enger Abstimmung mit der Naturschutzbehörde des Landkreises Verden und dem in den Forstämtern Rotenburg und Harsefeld für Naturschutz zuständigen Waldökologen Hauke Klattenberg statt. Wir gehen hier kleinflächig vor, die bearbeiteten Flächen wurden von mir genau abgesteckt. So entsteht ein Mosaik geplaggter und unbearbeiteter Flächen. Vor drei Jahren habe ich mit diesem Verfahren bereits eine andere Parzelle bearbeitet, dort hat sich die Heide üppig verjüngt“.

Heide ist eine Kulturlandschaft, die zu Zeiten der Heidebauernwirtschaft bis etwa Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden ist. Heidelandschaften können nur durch Menschenhand erhalten werden. Wenn die Heide nicht gepflegt wird und sich ungehindert entwickeln darf, wächst die Humusschicht, außerdem steigt auch durch Stickstoffeinträge aus der Luft der Nährstoffgehalt im Boden. Darunter leidet die Besenheide, aber es profitieren insbesondere Gräser, wie die Drahtschmiele und das Pfeifengras, die Heidelandschaft vergrast. Ferner finden sich auf den Heideflächen bald Gehölze ein, sodass letztendlich in Kürze wieder ein Wald entstehen würde. Zur Zeit der Heidebauernwirtschaft wurde der Ansammlung von Humusstoffen durch die Form der Bewirtschaftung ständig entgegengewirkt. Die Heidepflanzen wurden mit samt der Rohhumusauflage und einem durchwurzelten Mineralbodenanteil mit der Plaggenhacke abgeschält. Die dabei gewonnenen Heideplaggen wurden in den Viehställen ausgelegt, um dann wieder als Dünger auf die Äcker gebracht zu werden. Um kleine Ackerflächen fruchtbar zu machen, mussten riesige Heideflächen abgeplaggt werden.

„Auf den kleinen Flächen, auf denen wir den Mineralboden freilegen, findet die Heidepflanze nun wieder ideale Wuchsbedingungen, um sich zu entwickeln. Die Samen der Besenheide bleiben im Boden über Jahrzehnte keimfähig, vegetationsfreie Bereiche werden so schnell, ohne weiteres Zutun, neu besiedelt“, freut sich Michael Müller über die Verjüngungskur der Heidefläche.

Beitragsbild: Michael Müller (Mitte), Leiter der Revierförsterei Diensthop im Gespräch mit Walter Hartmann (links), dem Baggerfahrer und Christian Becker (rechts), landwirtschaftlicher Lohnunternehmer aus Weyhe. Auf der abgeplaggten Fläche wird im nächsten Frühjahr frische Heide keimen und die freigelegte Fläche wird sich schnell wieder begrünen. So entsteht an der Hügelgräber-Heide ein Mosaik aus jungen und alten Heidepflanzen. (Foto: Sierk / Niedersächsische Landesforsten)

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