Forstleute erkunden die “Oberharzer Wasserwirtschaft“

 In Forstamt Clausthal, Forstamt Lauterberg, Forstamt Riefensbeek, Forstamt Seesen, Harz, NFBZ Münchehof, Regionale Presseregion Süd

Auf bundesweiter Forsttagung das UNESCO-Welterbe erwandert

(Clausthal-Zellerfeld) Forstleute aus mehreren Bundesländern waren am Freitag (20.5.) zu Gast im Forstamt Clausthal und erkundeten die “Oberharzer Wasserwirtschaft“. Die Wanderung rund um Teiche und Wasserläufe des UNESCO-Welterbes war Teil eines umfangreichen Programms der 70. Forstvereinstagung. Karsten Peiffer, Forstdirektor im Ruhestand und langjähriger Leiter des Forstamtes Clausthal, führt die 25 Exkursions-Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf malerischen Pfaden vorbei an dem einzigartigen System aus Gräben, Teichen, unterirdischen Gräben, sogenannten Wasserläufen und Wasserlösungsstollen. Karsten Peiffer beschrieb die Bauweise der Anlagen, die vor mehr als 400 Jahren in Handarbeit entstanden waren. Wie wertvoll die Ressource Wasser für den Bergbau war, verdeutlichte er an verschiedenen Stellen. Das Wasser war als Energiequelle unentbehrlich, um die im Harz reichhaltigen Silberschätze bergen zu können. Die Teiche wurden kaskadenförmig angelegt und das knappe Gut Wasser so lange wie möglich gespeichert.

Ingenieurskunst mit einfachsten Hilfsmitteln

Ohne komplizierte Messtechnik oder die Hilfe von Maschinen entstand ein Meisterwerk der Ingenieurskunst. „Was mit dem damaligen Wissen von meist einfachen Leuten geschaffen wurde, war eine beachtliche Leistung. Und nach dem Grundsatz „learning by doing“ brachten Harzer Bergleute Spitzentechnik in die abgelegenen Ecken der Welt“, betonte Peiffer. Die bekanntesten Innovationen waren die Fahrkunst, mit der Bergleute in 600 Meter Tiefe einfahren konnten und das Drahtseil. Welche Wertschöpfung der Silberbergbau abwarf, beschrieb Karsten Peiffer anhand der Grube Dorothea: Rund 50 Jahre dauerte die Erschließung als Zuschussgeschäft, 150 Jahre konnte abgebaut werden und am Ende warf die Grube in 200 Jahren geschätzte zwei Milliarden Euro Gewinn ab.

Anschaulich und mit profundem Geschichtswissen nahm der Forstmann seine Gäste mit auf die Spuren der historischen Bergbaulandschaft. Anhand von Archiv-Zeichnungen vom Aufbau der Dämme und der Ablaufvorrichtungen der Teiche begab sich die Gruppe auf eine Zeitreise in das entbehrungsreiche und gefährliche Leben um 1640. Die Exkursion endete nahe dem Werk Tanne an der Gedenkstelle der Zwangsarbeiter-Schicksale. Die kurzweilige und kulturgeschichtlich spannende Wanderung machte deutlich, wie eng die Geschichte des Oberharzes mit dem Bergbau und der Forstwirtschaft bis heute verbunden ist.

 

Hintergrund

Die 70. Jahrestagung des Deutschen Forstvereins (DFV) fand vom 18. bis 22. Mai in Braunschweig satt. Das Treffen von über 800 Forstleuten aus ganz Deutschland stand ganz im Zeichen der aktuellen Situation in den Wäldern, in denen der Klimawandel unübersehbare Spuren hinterlassen hat. Der Deutschen Forstverein tagt im zweijährigen Turnus in wechselnden Städten Deutschlands.

Neben Seminaren bot ein umfangreiches Exkursionsprogramm Einblick in die vielfältigen Wälder Niedersachsens und eröffnete reichlich Gelegenheit für fachlichen Austausch. Allein neun Exkursionen führten in den Harz. Die vier Forstämter Clausthal, Lauterberg, Riefensbeek und Seesen boten halbtägige, ganztägige und zweitägige Veranstaltungen in ihren Waldrevieren an. Das Niedersächsische Forstliche Bildungszentrum präsentierte Forstmaschinen und widmete sich dem Thema Sicherheit im Wald.

Der Deutsche Forstverein

Der Deutsche Forstverein möchte gemeinsam mit seinen 11 Länderforstvereinen durch forstpolitische Initiativen, Öffentlichkeitsarbeit und Fort- und Weiterbildungsangebote die Rahmenbedingungen für Wald und Forstwirtschaft in Deutschland verbessern. Mit der Erfahrung und dem Wissen seiner über 6.000 Mitglieder ist der DFV als gemeinnütziger und unabhängiger Verein seit 1899 der erste Ansprechpartner, wenn es um den Wald geht. www.forstverein.de

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