Saatguternte bei der Buche

 In Forstamt Rotenburg, Regionale Presseregion Nordost

Im Benzer Sunder beginnen die Vorbereitung für die Ernte der dringend benötigten Bucheckern

 (Walsrode / Rotenburg) Nicht jede Buche ist als Saatgutlieferant für die Forstpflanzenanzucht geeignet. Nur entsprechend gut gewachsene Buchenwaldbestände durchlaufen ein gesetzlich vorgegebenes Anerkennungsverfahren, bevor ihr Saatgut gesammelt und in Baumschulen ausgesät werden darf. Ein solch anerkannter Saatgutbestand befindet sich im südlich von Walsrode gelegenen Forstort „Benzer Sunder“.

Auf einer Fläche von 6,5 Hektar Größe wächst der 130 Jahre alte als Saatgutbestand zugelassene Buchenwald. Der Bestand zeichnet sich durch besonders schöne, gerade gewachsene Buchen von bester Qualität aus. Selbst die sonst häufig vorkommende Rotholz-Kernbildung bei der Buche ist hier sehr selten zu finden. Das Holz ist schneeweiß und bei den Holzkäufern äußerst begehrt. Ein Grund für diese gute Ausgangssituation liegt im Untergrund verborgen. Die Bäume wachsen auf einem sehr fruchtbaren Lehmboden mit einer guten Nährstoffversorgung. Die Wasserhaltekraft dieser Böden gepaart mit einer sehr guten Humusform ist hoch und kann den Temperaturextremen -wie wir sie jetzt erfahren-trotzen. Die Kronen, als Weiser für den Gesundheitszustand der Altbuchen, sehen selbst nach dieser langen Dürreperiode immer noch vital aus.

Die für die Saatguternte und –aufbereitung in den Niedersächsischen Landesforsten zuständige Forstsaatgut-Beratungsstelle (FSB) in Oerrel hat im Benzer Sunder in diesem Jahr 50 Bäume mit zur Beerntung lohnendem Samenanhang ausgesucht. Unter diesen Bäumen werden in Kürze große Netze ausgelegt, um die herabfallenden Bucheckern aufzufangen. Damit die Netze gut ausgebreitet und vor allem wieder eingeholt werden können, muss bei 20 der ausgewählten Bäume noch der Bodenbewuchs mit Hilfe eines Mulchgerätes entfernt werden. Gerd Jülke, Leiter der für den Benzer Sunder zuständigen Revierförsterei Ahlden betont: „Diese Maßnahme machen wir hier nur, um das für uns so knappe und daher so wertvolle Saatgut gewinnen zu können“.

In sogenannten Vollmastjahren, das sind Jahre, in denen die Buchen sehr viele Samen produzieren, sind im Kronenbereich teilweise mehr als 2000 Bucheckern je Quadratmeter Kronenfläche zu finden.  Eine große, gut ausgebildete Krone kann theoretisch so bis zu 100 Kilogramm Samen im Jahr produzieren, rechnerisch könnten das bis zu 5 Tonnen Bucheckern pro Hektar werden. Gerd Jülke ergänzt: „Leider macht das Klima uns einen Strich durch diese allzu optimistische Prognose. Früher fand eine Vollmast vielleicht alle 3–6 Jahr statt. Heute haben wir unter geänderten Klimabedingungen fast alle 1–2 Jahre eine sogenannte Notmast mit wesentlich geringeren Erträgen. Im letzten Jahr betrug die Erntemenge in diesem Bestand von 25 Bäumen gerade mal 320 kg. Auch in diesem Jahr rechnet die FSB mit ähnlich geringen Zahlen. Trotzdem muss aufgrund der Saatgutknappheit so viel wie möglich geerntet werden, schließlich werden für die Wiederaufforstung der entwaldeten Flächen in Niedersachsen besonders viele Jungbäume passender Herkunft benötigt“.

Für die Niedersächsischen Landesforsten ist die diesjährige Bucheckern-Ausbeute ein wichtiger Baustein für die klimaangepasste Entwicklung des Waldes. Zwar sei die Buche auf den in den beiden letzten Jahren entstandenen Freiflächen nicht überall die vorrangige Baumart – leiden die kleinen Buchen hier doch oft unter Hitze und Frost. Doch: „Außer auf trockenen und staunassen Waldböden ist die Buche in den meisten Waldflächen zusammen mit anderen Baumarten die Grundlage für den zukünftig zu entwickelnden Mischwald“, erläutert Jülke die Strategie einer klimaangepassten Baumartenwahl.

Nach der erfolgten Ernte wird die Forstsaatgut-Beratungsstelle das Saatgut reinigen, die Qualität und Keimfähigkeit der Samen testen, bevor sie im Frühjahr zur Aussaat an Baumschulen weitergegeben werden.  Aus einem Kilogramm Bucheckern können dann etwa 1000 junge Bäume entstehen.

Beitragsbild:  Die Netze fangen alles auf, was von den Bäumen fällt. Um die Buchecken als wertvolles Saatgut zu gewinnen, müssen in weiteren Arbeitsgängen Blätter, leere Samenkapseln und alles andere aussortiert werden. (Fotos: Landesforsten)

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