Fynn-Ole Lucas fertigt sein Meisterstück im friesischen Wald

 In Forstamt Neuenburg, Regionale Presseregion West

Aus- und Weiterbildung im Forstberuf

(Neuenburg/Münchehof/Magdeburgerforth) Wie in vielen Ausbildungsberufen können auch Forstwirt*innen einen Meistertitel erwerben. Fynn-Ole Lucas, gelernter Forstwirt aus Neuenburg, befindet sich jetzt mitten in den Prüfungen. Eine von zwei Projektarbeiten, quasi seine Meisterstücke, führt er im Forstamt Neuenburg der Niedersächsischen Landesforsten aus.

Naturschutzprojekte selten

Fynn-Ole Lucas macht seine Motorsäge aus. Über den Helmfunk verständigt er sich mit seinen Kolleg*innen. Der Rückerschlepper ist gerade eingetroffen, welcher die abgesägten Birken, Kiefern und Traubenkirschen an den Rand des Biotops im Schweinebrücker Fuhrenkamp räumen soll. Vorsicht ist auf dem weichen Hochmoorboden der Pingo-Ruine geboten, die nächsten Arbeitsschritte sollen gemeinsam besprochen werden. „Naturschutzfachliche Projekte sind im Rahmen der Meisterprüfung eher selten. Meist werden Holzerntemaßnahmen, Pflanzungen oder Läuterungsarbeiten gewählt. Aus diesem Grund soll auch alles gut klappen“, erklärt der junge Forstwirt.

Umfangreiches Prüfungsprojekt

Das Prüfungsprojekt stellt eine Arbeitsprobe dar. In Lucas‘ Händen liegen die Planung der Maßnahmen mit Wahl des geeigneten Arbeitsverfahrens und Kostenkalkulation, die Organisation von Arbeitskräften, Geräten und Maschinen sowie die praktische Durchführung mit anschließender Qualitätskontrolle. Lucas: „Es gilt vieles zu bedenken. Und, weil es sich um ‚echtes‘ Arbeitsprojekt handelt, welches das Forstamt ohnehin geplant hat, können auch, wie im echten Leben, unvorhergesehene Dinge passieren.“

Aus Leidenschaft für die Natur

Aus Liebe zur Natur hat sich Lucas für den grünen Beruf des Fortwirtes entschieden. Seine dreijährige Ausbildung machte er seinerzeit im Forstamt Neuenburg. Dann ging er für fünf Jahre in das Forstamt Rotenburg, um Berufserfahrung zu sammeln. „Als die Stelle für die Ausbildung junger Forstwirt*innen in Neuenburg ausgeschrieben wurde, habe ich mich beworben und wurde angenommen. Dann meldete ich mich zum Vorbereitungslehrgang für die Meisterprüfung an und startete Anfang 2022“, so der angehende Forstwirtschaftsmeister.

Arbeitssicherheit im Wald

Langsam und umsichtig bewegt sich der Rückeschlepper am Rand der Pingo-Ruine entlang. Hier ist der Boden fest. Mit seinem langen Greifarm packt er die abgeschnittenen Bäumchen und legt sie in Haufen an den Rand des Hochmoores. Fynn-Ole Lucas achtet darauf, dass alle Kolleg*innen genug Abstand zum Schwenkbereich der Maschine haben. Die Aufsicht über die Arbeitssicherheit ist auch sein Job.

Ab kommendem Jahr übernimmt Lucas die Ausbildung der angehenden Forstwirt*innen. Im Forstamt Neuenburg. „Es ist eine wunderbare Aufgabe, junge Menschen in diesem tollen Beruf auszubilden. Dass ich selbst noch so jung bin, ist dabei Herausforderung und Chance zugleich“, resümiert er.

Ausbildung bei den Niedersächsischen Landesforsten

Die Weiterbildungsmaßnahme zum/zur Forstwirtschaftsmeister*in wird von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Kooperation mit den forstlichen Bildungszentren der Länder Sachsen-Anhalt und Niedersachsen angeboten. Sie dauert 20 Wochen und läuft berufsbegleitend im Blockunterricht.

Die Niedersächsischen Landesforsten bilden in 14 Ausbildungsrevieren jährlich rund 30 Auszubildende für den Forstwirt*innen-Beruf aus. Im Nordwesten gibt es gut ausgestattete Ausbildungsreviere mit abwechslungsreichen Wäldern im Forstamt Ankum, im Forstamt Neuenburg und im Forstamt Nienburg.

Die Berufsaussichten bei den Landesforsten sind gut. Beliebte Weiterbildungsmöglichkeiten sind, neben jener zum/r Forstwirtschaftsmeister*in, die Fortbildung zum/r Forstmaschinenführer*in. Darüber hinaus kann man sich in der Baumpflege und im Baumklettern beruflich weiterentwickeln. Auch als praktische Grundlage für ein anschließendes Forststudium wird die Forstwirt-Ausbildung genutzt.

Weitere Informationen zur Meister*innenprüfung im Forstwirtberuf und zur Forstwirt*innenausbildung unter Meisterfortbildungskurse im Beruf Forstwirt/in: Landwirtschaftskammer Niedersachsen (lwk-niedersachsen.de) und Forstwirtinnen und Forstwirte – Niedersächsische Landesforsten

 

Hintergrund

Weiterbildung zum/zur Forstwirtschaftsmeister*in

Ziel der Weiterbildung ist die Befähigung, im Forstwirt*innenberuf als Fach- und Führungskraft zu arbeiten. Eine Zulassung zur Meisterprüfung erfolgt in der Regel nach einer Forstwirt*innenausbildung und einer zweijährigen Berufspraxis. Die Prüfung besteht aus drei Fachteilen: „Produktion und Dienstleistungen“, „Betriebs- und Unternehmensführung“ und „Berufsausbildung und Mitarbeiterführung“

Die Weiterbildungsmaßnahme wird in Niedersachsen zentral über die Landwirtschaftskammer Niedersachsen organisiert. Es besteht eine Kooperation mit den forstlichen Bildungszentren der Länder Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Die Zulassung-  und Prüfungskosten belaufen sich auf rund 1450,- €. Es bestehen Förderungsmöglichkeiten nach dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz und dem Bundesausbildungsförderungsgesetz. Die Meisterprüfung ist im Deutschen und europäischen Qualifikationsrahmen dem Niveau 6 zugeordnet und damit auf einer Ebene z. B. mit dem Bachelor und dem Fachwirt.

Pingo-Ruine

Im westlichen Zipfel des Fuhrenkamps befindet sich eine fast kreisförmige Moorfläche von etwa 130 m Durchmesser. Es handelt sich um die Überreste eines sogenannten Pingos, eine Pingo-Ruine. Die Bezeichnung Pingo stammt aus dem Inuit und bedeutet „Hügel“ oder „schwangere Frau“. Das Schmelzen des Eiskerns führt dazu, dass sich der zuvor gegenüber der Umgebung erhöht liegende Pingo zu einer kreisrunden bis leicht ovalen Bodenvertiefung umformt. In dieser Vertiefung lagern sich organische Stoffe und durch Wind oder Grundwasser eingetragene mineralische Stoffe ab. Abhängig vom weiter steigenden Grundwasserspiegel bildet sich dann in der Hohlform ein Moor. (Wikipedia, 2022)

Die Vegetation der trockeneren Randbereiche der Pingo-Ruine im Schweinebrücker Fuhrenkamp ist von den Horsten des Pfeifengrases bestimmt. In Richtung der Mitte der Pingo-Ruine treten Torfmoosdecken hervor und mit ihnen die typischen Vertreter der nordwestdeutschen Hochmoorvegetation, wie z. B. Scheidiges und Schmalblättriges Wollgras, Glockenheide, Andromedaheide, Krähenbeere, Moosbeere und Gagelstrauch.

Diese Pingo-Ruine, auch das „Schweinebrücker Schlatt“ genannt, zählt zu den gesetzlich geschützten Biotopen nach § 30 Bundesnaturschutzgesetz, die ohne extra Schutzgebietsausweisung zu erhalten sind. (Wolters: Wald- und Forstgeschichte der Schweinebrücker Fuhrenkämpe, aus: Nachrichten des Marschenrates 55, 2018)

Bilder (Landesforsten/Schmidt) zu kostenlosen Download finden Sie hier.

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