Denkmalpflege im Wald

 In Forstamt Göhrde, Regionale Presseregion Nordost

Niedersächsische Landesforsten betreiben aktive Kulturdenkmalpflege

(Göhrde / Wietzetze) In den Wäldern der Niedersächsischen Landesforsten befinden sich viele Kulturdenkmale. Grundsätzlich bietet ihnen der Wald einen sehr guten Schutz über Jahrhunderte, aber hin und wieder muss auch eine aktive Pflege betrieben werden. Weil zum Beispiel Bewuchs und starke Bäume mit ihren Wurzeln Schäden anrichten können, insbesondere dann, wenn große Bäume durch Stürme geworfen werden. Das Forstamt Göhrde kümmert sich zurzeit um die Unterhaltung von insgesamt 31 bronzezeitlichen Hügelgräbern und 3 steinzeitlichen Großsteingräbern.

Uwe Neupert, pensionierter Förster und ehrenamtlicher Denkmalpfleger, begleitet die Pflegearbeiten, er erklärt: „Als Förster bin ich bei meiner Arbeit oft auf Kulturdenkmale aller Art in den Wäldern gestoßen. Deren Pflege und Erhalt war mir immer ein wichtiges Anliegen. Daher arbeite ich schon lange eng mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege zusammen. Mit meinem jetzigen Einsatz möchte ich meine Berufskollegen für dieses wichtige Thema sensibilisieren, denn Kulturdenkmale sind ein Stück konservierter Heimatgeschichte mit hohem kulturgeschichtlichem Wert. Sie gehören zur Schutzfunktion des Waldes.“

Gemäß dem Niedersächsischen Denkmalschutzgesetz sind Kulturdenkmale zu erhalten, zu pflegen und zu schützen. Dr. Uwe Barge, Leiter des Niedersächsischen Forstamtes Göhrde, ist sich seiner besonderen Verantwortung für dieses kulturelle Erbe bewusst. Daher entfernen jetzt in einem ersten Schritt von zwei Mitarbeiterinnen des Forstamtes unter Mithilfe von Uwe Neupert den Bewuchs an jungen Bäumen, Sträuchern und Brombeeren von den Hügel- und Großsteingräbern. In einem zweiten Schritt werden später noch einzelne große Bäume im Zuge regulärer forstlicher Maßnahmen entnommen. Barge erläutert: „Wir möchten die Kulturdenkmale durch diese Maßnahmen pflegen, auf Dauer erhalten und sichtbar machen. Bei allen unseren forstlichen Arbeiten müssen wir nicht nur forstliche und waldbauliche Belange im Blick haben, sondern unter anderem auch auf den Schutz der Natur und der Kulturgüter achten. Wir sind es gewohnt, in sehr langen Zeiträumen zu denken. Im Wald geht es um Jahre, Jahrzehnte und Jahrhunderte, bei den Steinzeitgräbern sogar um Jahrtausende.“

Hintergrund:

Großsteingräber, im Volksmund auch Hünengräber oder Hünenbetten, sind Anlagen aus großen Steinen („Megalithen“) in doppelten Steinreihen, die in Norddeutschland meist in der Jungsteinzeit vor 7.000-4.000 Jahren angelegt wurden. Sie sind keine Gräber, enthalten jedoch oft kleinere Steinkammern mit Bestattungen. Die Großsteingräber sind meist auf Sonnenwendpunkte oder die vier Haupthimmelsrichtungen ausgerichtet.

Die meisten Hügelgräber Norddeutschlands stammen aus der Bronzezeit (vor etwa 4.000 – 2.800 Jahren). Allerdings errichtete man auch schon vor über 7.000 Jahren, also zur Jungsteinzeit, Grabhügel. Diese Sitte hielt sich bis ins Mittelalter. Die runden Grabhügel besitzen meistens einen Durchmesser von etwa 10 Metern und Höhen von einem Meter. Ein typisches Hügelgrab der Bronzezeit wurde außen von einem Steinkreis umgrenzt. In der Mitte barg ein Baumsarg den Leichnam samt Beigaben. Der Hügel wurde aus dem umgebenden Erdreich aufgeschüttet und mit Heidekraut abgedeckt. Später setzte man oberflächennah Urnen bei, sog. Nachbestattungen. Bestattungsbräuche zeigen die kulturellen Einstellungen zu Tod und Leben. Die aufwendig errichteten Hügelgräber bezeugen sicherlich eine Verehrung der Toten und Verbindung über Generationen. Begräbnisstätten bildeten für unsere Vorfahren wohl heilige Orte.

Die meisten Hügelgräber enthalten Beigaben, die auf den Glauben an ein Leben im Jenseits hindeuten, wie Nahrung in Tongefäßen, Gebrauchsgegenstände oder Schmuck bei Frauen und Waffen bei Männern. Urnen bergen dagegen eher spärliche Beigaben, vielfach nur Bruchstücke oder geschmolzenes Metall.

Die Gräber wurden leider vielfach ausgeraubt, erkennbar an kleinen Trichtern in der Hügelkuppe. Große Schätze enthalten die Grabhügel nicht, sie besitzen aber großen kulturgeschichtlichen und wissenschaftlichen Wert. Hügelgräber sind als Kulturdenkmale gesetzlich geschützt.

Für Niedersachsen verzeichnet der digitale Denkmalatlas des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege alle obertägigen Kulturdenkmale.

Link: Denkmalatlas denkmal.viewer (niedersachsen.de)

Beitragsbild: Uwe Neupert und die beiden Forstwirtinnen Betti Buchholtz und Gundula Pfeffer bei den Pflegearbeiten auf dem Großsteingrab in der Revierförsterei Leitstade. Nicht jedes Kulturdenkmal ist mit einem Schild versehen, das ist eher die Ausnahme.  Aber: Das Langbett Leitstade Nord beeindruckt durch die besonders großen Steine, deren Vollständigkeit und die Höhe des Erddammes. (Fotos: Sierk / Niedersächsische Landesforsten)

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