Wo wachsen die besten Roteichen im ganzen Land?

 In Forstamt Harsefeld, Forstamt Seesen, Forstamt Wolfenbüttel, Harz, NFBZ Münchehof, Regionale Presseregion Süd

Baumkletterer ernten Reiser – Wissenschaftler sichern hochwertiges Gen-Material aus den Landesforsten

Hann. Münden In Niedersachsen und weiteren Bundesländern sind aktuell Baumkletterteams unterwegs und ernten Roteichen-Reiser aus den Baumkronen. Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA) sucht in Niedersachsen, Hessen, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt die besten Roteichenbäume, um deren Gen-Material zu untersuchen und langfristig Saatgut zu gewinnen. Ziel ist die Auswahl und Vermehrung von Roteichen, die für die Wiederbewaldung dringend benötigt werden. Forstwissenschaftler halten gezielt nach solchen Eichen Ausschau, die besonders trockenresistent sind und sich im Klimawandel bewähren.

In den Niedersächsischen Landesforsten waren die Teams in den Forstämtern Neuhaus, Seesen, Wolfenbüttel und Harsefeld unterwegs. Martha Töppe ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der NW-FVA und vor Ort mit dem Kletterteam im Einsatz. Mit einer speziellen Seiltechnik klettert Lars Herzog-Hawelka von der Firma „Herzog-Seilklettertechnik“ in 35 Meter hohe und 60 Jahre alte Eichen-Baumkronen.

Dort schneidet er Reiser und sichert die Zweige nebst Knospen in beschrifteten Folienbeuteln für die wissenschaftliche Untersuchung im Labor. In der Baumschule der NW-FVA werden die Reiser wie im Obstbau auf Roteichenunterlagen gepfropft und Knospenproben für genetische Untersuchungen genommen. Die Pfropflinge werden später in ein Klonarchiv ausgepflanzt, um das genetische Material der ausgewählten Roteichen zu sichern und neue Samenplantagen aufzubauen. „Unser Ziel ist es, den Markt mit höherwertigem Forstvermehrungsgut unter sich ändernden klimatischen Bedingungen nachhaltig zu versorgen“, sagt Martha Töppe über das Verbundprojekt mit Namen RubraSelect.

Im Verbund mit der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt forschen auch die Universität Göttingen, das Thünen-Institut, das Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde, der Staatsbetrieb Sachsenforst und die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg an dem umfangreichen Vorhaben.

Martha Töppe ist in der Abteilung Waldgenressourcen der Forschungseinrichtung in Hann. Münden für das Projekt zuständig. „Hochwertiges und leistungsfähiges Forstvermehrungsgut ist enorm wichtig für die Schaffung klimastabiler und ertragreicher Wälder“, erklärt sie die Bedeutung des Projekts mit dem Ziel, den Wald auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten.

Schließlich soll er auch unter geänderten Klimabedingungen weiterhin alle Funktionen erfüllen, begründet die Wissenschaftlerin. Hierzu gehöre auch, den wachsenden Bedarf an Holz zu decken. Denn die Holznutzung diene durch die Bindung klimarelevanten Kohlenstoffdioxids (CO₂) auch dem Klimaschutz, bestätigt Martha Töppe.

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