Schwarzstörche in den Landesforsten
Spezial

SCHWARZSTÖRCHE

Im Frühjahr 2020 startete das Gemeinschaftsprojekt der Niedersächsischen Landesforsten und der Staatlichen Vogelschutzwarte (NLWKN) bei dem wir zehn Schwarzstorchhorste mit Wildtierkameras beobachten. So können wir Erkenntnisse über Brutabbrüche oder Brutplatzaufgaben gewinnen und Ursachen analysieren. Von März bis August werden wir auf dieser Homepage regelmäßig von dem Brutgeschehen berichten und Fotos von den Horsten einstellen.

INTERAKTIVER STECKBRIEF

Schwarzstorch

Fortpflanzung und Aufzucht
Fortpflanzung und Aufzucht
Fortpflanzung und Aufzucht

Sozialstruktur:

Brutsaison mit einem Partner

Legebeginn:

Anfang April

Brutzeit:

ca. 32-40 Tage

Gelegegröße:

3-5 Eier

Nestlingszeit:

ca. 63-71 Tage
Merkmale
Merkmale
Merkmale

Größe:

ca. 95 cm bei bis zu 1,85m Spannweite

Gewicht:

2,4 bis 3,0 kg

Alter:

in Ausnahmen bis zu 30 Jahre, häufig unter 5 Jahren

Nahrung:

Fische, Frösche, Molche, Wasserinsekten und ihre Larven

Lebensraum:

größere störungsarme Wälder mit eingeschlossenen Feuchtwiesen, naturnahen Bächen, Sümpfen
und anderen Gewässern

Überwinterung:

Afrika (auch Indien und China)
Gefährdung
Gefährdung
Gefährdung
Störung im Bereich der Horstzone während der Brutsaison etwa durch Freizeitnutzung, Jagdausübung oder unangepasste forstwirtschaftliche Nutzung; fehlende Horstbäume; Zerstörung und Rückgang der Nahrungsbiotope; Kollisionen mit Freileitungen, Windenergieanlagen und an Straßen; Prädation.

Das Schwarzstorch-Tagebuch

Kurzfristig aber noch rechtzeitig vor der Ankunft der Schwarzstörche im Frühjahr 2020 haben wir die Kameras an den Horsten angebracht.

In diesem Jahr haben wir das erste Schwarzstorchpaar am 8. März in der Südheide fotografiert (Südheide 3).

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Der erste Einzelstorch war schon am 29. Februar auf demselben Horst. Einen großen Schub gab es vom 15. bis zum 18. März. Da trafen an fünf Horsten die Störche ein (Göttingen, Südheide 1, Elbe-Weser-Dreieck 1, Wendland 1 und 2).

Als Nachzügler kamen die Störche beim Horst Südheide 2 erst am 28.03.2020 an.

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Zu dieser Zeit waren schon zwei letztjährige Schwarzstorch-Horste im Weserbergland und im Elbe-Weser-Dreieck 2 von Uhus besetzt. Bei beiden Standorten vermuten wir, dass sich die Störche in der näheren Umgebung Ausweich-Horste bauen, da in beiden Revieren Schwarzstörche beobachtet werden konnten.

Das Gleiche gilt für den letzten Horst im Solling. Hier konnten wir bis zum heutigen Tag lediglich in einer Nacht ein Schwarzstorch ablichten, es gibt aber Sichtbeobachtungen aus diesem Frühjahr. Daher gehen wir davon aus, dass das Paar ebenfalls umgezogen ist.

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Alle besetzten Horste besserten die Störche umgehend aus und wir haben mehrfach Paarungen auf den Horsten dokumentiert. Die ersten Eier wurden dann am 29.03.2020 sowohl beim Vorkommen Wendland 1 und Elbe-Weser-Dreieck 2 abgelichtet.

Die Störche im Elbe-Weser-Dreieck brüteten aber schon ab dem 25.03.2020. Beim Vorkommen Göttingen konnten wir morgens am 10.04.2020 das erste Ei bestaunen. Wir warten noch auf das erste Ei beim Vorkommen Südheide 1, dem Paar das als letztes wieder eintrudelte.

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Dagegen muss das frühe Paar Südheide 3 noch kurzfristig umgezogen sein. Bis zum 19. März lief alles nach „Plan“, Kopula und Horst-Ausbesserungen wurden mehrfach festgehalten. Danach war abrupt Schluss. Es wurde kein Storch mehr auf dem Horst gesichtet. Es ist aber bekannt, dass die Störche noch im Revier sind. Den neuen Horst müssen wir zu späterer Zeit suchen.

Bei zwei Vorkommen haben wir innerartliche Auseinandersetzungen dokumentiert. Das Paar im Wendland 2 hat vermutlich deshalb seinen angestammten Horst aufgegeben. Das Paar ist aber noch im Revier. Die beiden letztjährigen Horste Südheide 1 und 2 liegen nur 3 km voneinander entfernt.

Beim älteren Horst Südheide 1 war bisher nur ein Storch zu sehen. Als unerwarteten Gast haben wir jedoch einen Seeadler nachgewiesen. Das Paar Südheide 2 kam verspätet und zusammen an.

Seit einer Woche haben sie regelmäßig Besuch von einem dritten – vermutlich dem einsamen Storch vom Standort Südheide 1.

Teilweise attackieren sich die Störche, teilweise stehen sie ruhig zu dritt nebeneinander. Es bleibt spannend wie das ausgeht. Das Paar hat noch kein Ei gelegt.

Bei den Horsten Südheide 1 und 2 wurden wir nach der Rückkehr und dem Häusle-Bau unerwartet überrascht. Wie bei dem früh zurückgekehrten Paar Südheide 3, dass kurz vor der Eiablage noch umzog, waren auch die Spätheimkehrer des Horstes Südheide 2 plötzlich weg. Täglich konnten wir das Paar mit Kopula und Nestbau beobachten. Auch zwei nächtliche Besuche eines Störenfrieds konnten die Störche nicht wirklich beeindrucken.

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Wir warteten also beim Horst Südheide 2 auf das erste Ei, aber am 27. April war auf einmal Schluss. Nur sporadisch tauchte noch ein Einzelstorch auf. Zu der Zeit wurde uns ca. 7 km südwestlich ein am Ständer (Bein) verletzter Altstorch gemeldet. Er hatte eine sehr geringe Fluchtdistanz. Der Storch konnte aber noch fliegen, sodass er nicht eingefangen werden konnte. Ob er zu diesem Paar gehört, kann nur spekuliert werden.

Nach 1 ½ Wochen Pause sind die Störche beim Horst Südheide 2 jedoch wieder zu zweit. Ob sie noch zur Brut schreiten, müssen wir abwarten.

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Dagegen gab es beim Horst Südheide 1 eine positive Überraschung. An dem Horst konnten wir bisher lediglich sporadisch einen Storch fotografieren. Plötzlich lag am 30. April ein Ei auf dem Horst und mittlerweile ist ein zweites Ei dazugekommen. Da die Eiablage sehr spät erfolgte, könnte es ein „Notgelege“ sein und das Paar ist kurzfristig auf diesen Horst umgezogen.
Als Erkenntnis bleibt, dass es viel mehr Bewegungen und kurzfristige Veränderungen bei den Brutpaaren gibt, als wir bisher annahmen.

Bei den drei weiteren besetzten Horsten lief dagegen alles nach Plan. Nach einer fünfwöchigen Brutperiode sind am 28. April beim Horst Elbe-Weser-Dreieck 1 die ersten vier Jungstörche geschlüpft. Sie wachsen seitdem wie im Bilderbuch heran.

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Eine knappe Woche später schlüpften auch auf dem Horst Wendland 1 am 4. Mai zwei Jungstörche. Die beiden weiteren Eier scheinen unbefruchtet zu sein.

Dieser Horst wird regelmäßig von Kolkraben besucht. Spannend und gefährlich wird hier der Zeitpunkt werden, wenn die Altstörche die Horst-Bewachung aufgeben. In der Umgebung brütet außerdem ein Seeadler. Wir hoffen, dass alles gut geht.

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In Göttingen lag der Schlupftermin in der Nacht vom 12. auf den 13. Mai. Die Brut verläuft reibungslos.

Beim nicht besetzten Horst im Solling kommt sporadisch ein „Besucherstorch“ vorbei. Durch Zufall wurde in ca. 1 ½ km Entfernung der neue Horst gefunden. Das Revier ist, wie schon vermutet, weiter besetzt.

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Sowohl im Weserbergland als auch auf dem Horst Elbe-Weser-Dreieck 2 wächst je ein Jung-Uhu auf. Sie werden inzwischen vermehrt von den Elterntieren unbewacht gelassen.

Zu den Hausbesetzern:

Auf beiden Horsten sind die Jung-Uhus frühzeitig ausgeflogen. Im Weserbergland hat der Nachwuchs den Horst nach 56 Tagen verlassen und prompt hat ein Mäusebussard wenige Tage später den Brutplatz erkundet. Die Alt-Uhus schauen ebenfalls noch vorbei.

Durch eine Ortsbegehung haben wir festgestellt, dass der Jung-Uhu am Boden weiter versorgt wird. Vom Schwarzstorch haben wir bisher keine Spur im Umfeld des alten Nestes gefunden.

Beim Standort im Elbe-Weser-Dreieck 2 hat der Jung-Uhu noch früher den Horst verlassen. Was aus ihm geworden ist, ist uns nicht bekannt. Den freigewordenen Horst besuchte erstmals ein einzelner Schwarzstorch und in der Nacht ein Waschbär.

Auch dieses Schwarzstorchrevier ist also besetzt und wir haben in der Nähe Versorgungsflüge beobachtet. Jetzt müssen wir den neuen Brutplatz (nur noch) finden.

Bei dem Horst Wendland 2 schaute nach langer Zeit mal wieder ein Storch vorbei. Wo der neue Horst ist, ist uns leider unbekannt. Dagegen ist der Horst Wendland 1 weiterhin erfolgreich.

Nachdem die Horstwache der Altstörche beendet wurde, wachsen die beiden unterschiedlich alten Jung-Störche prächtig heran. Obwohl die Kolkraben das Geschehen weiterhin beobachten, bleiben Zwischenfälle bislang aus.

Die Brut auf dem Horst Südheide 1 war leider nicht erfolgreich, aber sehr spannend. Kurz nach dem Brutabbruch hat sich erneut ein alter Seeadler auf dem Nest gezeigt und danach wieder ein Schwarzstorch.

Den Grund des Abbruchs werden wir erst beim Auslesen der Speicherkarte der Kamera erfahren, denn leider wurde dieser spannende Augenblick nicht übermittelt.

Beim Nachbar-Horst Südheide 2 konnten wir bis Mitte Mai immer wieder 3 Störche am Horst beobachten. Das Paar hält weiterhin an dem Nest fest, baut gelegentlich und paart sich.

Die beiden vergessen nur das Wesentliche, Eier zu legen.

Im Süden Niedersachsens ist dagegen alles in Ordnung. Das Paar im Raum Göttingen hat die Horstwache Anfang Juni beendet. Die 3 Jungen wachsen weiter ohne Vorfälle auf.

Im Solling steht jetzt fest, dass das Paar umgezogen ist. Wir haben es in der Umgebung gefunden und konnten drei Jungstörche beobachten!

Der Spitzenreiter bleibt der Horst im Elbe-Weser-Dreieck 1. Hier haben die Störche als Erste und mit der größten Anzahl Nachkommen begonnen.

Die vier Jungvögel sind schon fast flügge, sie beginnen mit Flugübungen und dürften in ein paar Wochen ausfliegen.

Das erfolgreichste Paar bleibt der Horst im Elbe-Weser-Dreieck 1. Hier sind alle vier Jungvögel ausgeflogen. Der erste Storch startete mit seinen Erkundungsflügen am 2. Juli. Am 8. Juli war das Nest erstmalig komplett leer. Letztmalig waren am 14. Juli alle Jungvögel auf dem Horst versammelt.

Am Abend gab es die letzte Fütterung und die letzten Bilder mit Jungvögeln wurden um 21.47 Uhr übermittelt. Danach war der Horst leer.

Bei den beiden anderen erfolgreichen Paaren (Göttingen und Wendland 1) hat am 8. Juli, kurz vor dem Ausfliegen der Jungstörche, die Bildübertragung der Kameras aufgehört. Die Akkus waren leer.

Wir waren sehr froh, dass sie so lange gehalten haben – einen Monat länger als der Hersteller angab. Auf den drei Fotos sind die jungen Schwarzstörche auf dem Horst Göttingen bei der Körperpflege, entspanntem Warten und Schietwetter zu sehen.

Bis zum Ende ist der deutliche Größenunterschied der beiden Jungstörche beim Paar Wendland 1 zu erkennen.

Ein mögliches Indiz für eine angespannte Nahrungssituation in diesem Jahr. Am 7. Juli wurde die letzte Fütterung übermittelt.

Noch eine Überraschung: Völlig unerwartet tauchte Ende Juli für knapp eine Woche wieder das Paar beim Horst Südheide 3 auf! Eigentlich war alles wie am Anfang des Jahres (Balz, Kopula). Warum das Paar im Frühjahr kurz vor der Eiablage verschwunden ist, werden wir vermutlich nicht ergründen können.

Es wurden aber in der Nähe von dem Horststandort zwei Jungstörche beobachtet. Es ist also in dem Brutrevier zu einer erfolgreichen Brut gekommen. Das Revier war 2020 besetzt und der Horststandort wurde nicht aufgegeben.

Auch auf dem Horst Wendland 2 tauchte ein weiteres Mal ein Schwarzstorch im Sommer auf. Ebenfalls ein Indiz dafür, dass auch dieses Revier weiterhin besetzt ist.

Hier zeigen wir ein paar Bilder von dem frühzeitig verlassenen Uhu-Horst im Weserbergland.

Es zeigen sich ganz verschiedene Tiere vor der Kamera. Ein junger Grünspecht, ein Waschbär in der Nacht, ein Eichhörnchen und immer mal wieder ein Uhu haben den Horst besucht.

Seit Anfang August sind wir dabei die ersten Kameras abzunehmen und werten diese in den kommenden Wochen und Monaten aus. Wir sind gespannt auf die nicht übermittelten Bilder.

Wir erhoffen uns, dass noch die eine oder andere Frage beantwortet wird. Was geschah bei den beiden benachbarten Südheide-Paaren (Südheide 1 und 2)?

Woran scheiterte die Brut auf dem Horst Südheide 2? Waren es wirklich zwei Paare und was hat es mit dem dritten Storch bei dem Standort Südheide 1 auf sich? Die Antworten werden überraschen und folgen hier ab November.

Unser vorläufiges Fazit:

  • Auf jeder der 10 Landesforsten-Kameras wurden Schwarzstörche aufgenommen.
  • Drei erfolgreiche Bruten mit insgesamt neun Jungvögeln wurden begleitet.
  • Eine Brut wurde abgebrochen.
  • Ein Paar bzw. Trio hat übersommert aber nicht gebrütet.
  • Zwei Paare haben kurz vor dem Brutbeginn die Nester noch verlassen und sind vermutlich umgezogen.
  • Ein Paar ist bekanntermaßen umgezogen.
  • Bei einem Nest schaute nur gelegentlich mal ein Einzelstorch vorbei.
  • Zwei Nester wurden vom Uhu besetzt.

Nachdem nun einige tausend Fotos von den Speicherkarten der Kameras gesichtet und ausgewertet wurden, konnten folgende Erkenntnisse aus der diesjährigen Brutsaison gezogen werden:

Auf allen zehn Landesforsten-Kameras wurden Schwarzstörche aufgenommen. Somit wurden die Standorte vor der Brutsaison gut ausgewählt.

An einem Nest (Wendland 2) hielt sich gelegentlich das Revierpaar, zumeist aber nur ein Einzelstorch auf. Eine Brut fand auf dem Horst nicht statt.

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Der Nest-Standort Solling war vor zwei Jahren noch besetzt. Auch in diesem Frühjahr gab es vereinzelte Besuche eines Einzelstorches. Die Brut selbst fand aber auf einem neuen Horst statt, der uns mittlerweile bekannt ist.

Ein weiteres Paar (Südheide 3) hat sich kurz vor dem Brutbeginn noch umentschieden und hat vermutlich einen neuen Horst bezogen. Bis Ende März stand das Paar gemeinsam auf dem Horst, baute ihn aus und paarte sich. Kurz vor der Eiablage waren sie auf einmal weg und zur Brut kam es auf dem Horst nicht.

Ende Juli tauchten beide Störche wieder auf und paarten sich gleich wieder, als ob keine Zeit vergangen wäre. In dem Revier wurden im Sommer aber ein Jungvogel beobachtet, sodass wir davon ausgehen, dass das Paar erfolgreich auf einem noch unbekannten Ausweichnest gebrütet hat.

Die Schwarzstorchhorste Elbe-Weser-Dreieck 2 und Weserbergland wurden vor der Rückkehr der Störche von Uhus besetzt. In beiden Revieren wurden aber Brutzeitbeobachtungen von Schwarzstörchen gemacht.

Beim Standort Elbe-Weser-Dreieck 2 taucht auch ein Einzelstorch am Horst auf, nachdem der Jung-Uhu das Nest verlassen hatte. Die Reviere waren also besetzt, ob es zu erfolgreichen Brut kam ist uns nicht bekannt.

Das Horst-Paar Südheide 2 übersommerte – leider nicht allein. Ein zweites Weibchen stand lange Zeit mit am Horst und störte das Paar so sehr, dass es nicht zur Brut kam. Nach der Auswertung der Bilder von der Speicherkarte gehen wir davon aus, dass es ein zusätzliches Weibchen war und nicht das Weibchen vom Paar Südheide 1.

Das Paar brütete in nur 3 km Entfernung zum Paar Südheide 2. Zumindest standen am 29.03.2020 gegen 13.00 Uhr auf beiden Horsten zeitgleich die vollständigen Paare.

Drei Paare waren erfolgreich:

Göttingen mit drei ausgeflogenen Jungvögeln  – nach sehr vielen Bildern, gaben die Akkus dieser Kamera kurz vor dem Ausfliegen der Jungstörche auf. Die Vögel flogen aber erfolgreich Mitte Juli aus.

Wendland 1 mit zwei Jungvögeln – auch hier hielten die Akkus nicht ganz bis zum Ausfliegen der zwei Jungstörche Mitte Juli.

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Elbe-Weser-Dreieck 1 mit vier Jungvögeln – der letzte Jungvogel ist am 8.7.2020 ausgeflogen.

Bleibt noch der Horst-Standort Südheide 1. Hier konnten wir nach der Sichtung der Speicherkarten eindeutig den Seeadler als Verursacher des Brutabbruchs nachweisen.

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Am 9. Mai war das Paar noch zusammen auf dem Horst und die beiden Eier sind gut zu sehen. Nach dem Seeadler-Besuch am 14. Mai um die Mittagszeit war der Horst leer und die Brut aufgegeben. Eine Stunde vorher hat das Weibchen noch fest gebrütet.

Das Fazit des ersten Beobachtungsjahres:

Besetzt ein Uhu einen Schwarzstorch-Brutplatz, hat der Storch wenig Chancen diesen zurückzuerobern. Ob es zu Umsiedlungen in der Nachbarschaft gekommen ist und ob die Störche die alten Brutplätze 2021 wieder annehmen, falls sie nicht vom Uhu besetzt sein sollten, werden weiteren Beobachtungsjahre zeigen.

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Der Seeadler wurde eindeutiger als Grund für einen Brutabbruch nachgewiesen.

Schwarzstörche behindern sich teilweise selbst. Unverpaarte Einzelvögel (evtl. von abgebrochenen Bruten) stören z.T. vehement andere Brutpaare, sodass es nicht zur Brut kommt.

Mitunter kommt es kurz vor Legebeginn noch zu einem Horstwechsel. Wechselnester werden im Frühjahr aktiv genutzt!

Brutplätze werden im späteren Sommer (Juli) nochmals von einzelnen Paaren aufgesucht.

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Im ersten Jahr konnten keine Übergriffe oder Brutabbrüche aufgrund von Störungen durch Waschbären dokumentiert werden. Nur auf den beiden Uhu-Brutplätzen wurden nach der Brutzeit Waschbären fotografiert. Mit dem Baummarder hingegen hat der Schwarzstorch scheinbar keine Probleme und verließ den Brutplatz bei Annäherung durch diesen nicht.

Ausblick für die Saison 2021:

Seit Anfang August sind wir dabei die ersten Kameras abzunehmen und werten diese in den kommenden Wochen und Monaten aus. Wir sind gespannt auf die nicht übermittelten Bilder.

Wir erhoffen uns, dass noch die eine oder andere Frage beantwortet wird. Was geschah bei den beiden benachbarten Südheide-Paaren (Südheide 1 und 2)?

Woran scheiterte die Brut auf dem Horst Südheide 2? Waren es wirklich zwei Paare und was hat es mit dem dritten Storch bei dem Standort Südheide 1 auf sich? Die Antworten werden überraschen und folgen hier ab November.

Bis zum Frühjahr 2021 bleiben Sie gesund!

Das Schwarzstorch-Horst-Beobachtungsprojekt der Staatlichen Vogelschutzwarte (NLWKN)
und der Niedersächsischen Landesforsten (2020 bis 2022)

Die Niedersächsischen Landesforsten arbeiten gemeinsam mit der Staatlichen Vogelschutzwarte an einem Projekt bei dem wir Schwarzstorchhorste beobachten. Für das Projekt haben wir zehn Horste mit Brutabbrüchen in den Vorjahren ausgewählt.

Hier werden die Bruterfolge in diesem Jahr über Wildtierkameras beobachtet, um die Gründe für Brutabbrüche zu klären. So soll der Schutz der stark gefährdeten Vogelart in Niedersachsen in den nächsten Jahren verbessert werden.

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Nachdem es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Niedersachsen fast keine Schwarzstörche mehr gab, haben sich die Brutbestände seit den 1970ern kontinuierlich erholt. Hierzu haben strenge Horstschutzmaßnahmen, der Bau von Kunsthorsten und die Renaturierung von Nahrungsbiotopen sowie eine generelle Verbreitungstendenz aus dem Osten beigetragen. Die Wiederbesiedlung begann im niedersächsischen Flachland und bereitete sich später bis ins Bergland aus. Von 15 Brutpaaren im Jahr 1971 wuchs der Bestand auf 50 Brutpaare im Jahr 2008 an. Diese Entwicklung stagniert jedoch und die Brutzahlen für Niedersachsen sind sogar leicht rückläufig. Die Rückgänge sind vornehmlich im Flachland zu verzeichnen. So verschiebt sich die westliche Ausbreitungsgrenze langsam nach Osten. In einigen Gegenden wie dem Elbe-Weser-Dreieck gibt es nur wenige besetzte Horste.

Die Gründe für die Brutabbrüche sind nicht abschließend bekannt. Witterungsextreme und die Zunahme und Ausbreitung von Prädatoren wie Uhu, Seeadler und Waschbär wirken sich vermutlich negativ auf den Bruterfolg aus. Erste Versuche mit dem Anbringen von Wildkameras ergaben erstaunliche Erkenntnisse. So konnte 2016 in der Südheide die Prädation durch einen jungen Seeadler nachgewiesen werden. In Schleswig-Holstein wurde 2019 die Prädation durch mehrere Kolkraben dokumentiert. Möglicherweise spielen auch innerartliche Auseinandersetzungen eine Rolle.

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Die Beobachtung über Wildtierkameras bietet viele Vorteile. Bisher wurden die Horste durch die Schwarzstorchbetreuer nur jeweils einmal zum Brutbeginn und zur Dokumentation des Bruterfolges aufgesucht. So werden die scheuen Waldvögel in der Brutzeit nicht gestört. Bei Brutabbrüchen konnte später nur über die Gründe spekuliert werden. Mit den Wildtierkameras können wir jetzt das Brutgeschehen zeitnah und störungsfrei beobachtet. Das Projekt ist auf drei Jahre angesetzt. In ganz Niedersachsen verteilt haben wir die zehn Kameras vor dem Eintreffen der Störche angebracht. In der Brutsaison 2020 beobachten wir zwei Horste im Elbe-Weser-Dreieck, zwei im Wendland, drei in der Südheide und jeweils ein Horst im Weserbergland, im Solling und im Raum Göttingen.

Die Elternvögel kommen Anfang bis Mitte März aus den Überwinterungsgebieten zurück und beginnen Anfang April mit dem Legen der Eier. Im Juli bis August verlassen die Jungvögel dann endgültig das Nest.

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Schwarzstorch

Horststandorte:

  • Weserbergland
  • Südheide 1
  • Südheide 2
  • Südheide 3
  • Wendland 1
  • Wendland 2
  • Göttingen
  • Solling
  • Elbe-Weser-Dreieck 1
  • Elbe-Weser-Dreieck 2

Überschrift

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