Deutsche Waldtage im Wildnisgebiet Solling – Ein Blick in den Urwald von morgen
Vom 19. bis 21. September lud spätsommerliches Wetter zu den Deutschen Waldtagen v ein. Auch im Solling beteiligte sich das Forstamt Dassel mit geführten Touren durch das Wildnisgebiet Solling.
Den ganzen Samstag über fanden sich zahlreiche Besucherinnen und Besucher am Treffpunkt in der Sandkuhle bei Delliehausen ein, um an einer der drei Touren teilzunehmen. Revierförster Peter Martensen, Lars Niemeier und Julian Nagel führten rund 80 Interessierte durch das Gebiet und gaben spannende Einblicke in dessen Entwicklung.
Das 2021 geschaffene Wildnisgebiet umfasst rund 1.000 Hektar, die künftig ohne forstliche Nutzung bleiben – natürliche Prozesse dürfen sich hier ungestört entfalten. Dass ein Urwald jedoch nicht von heute auf morgen entsteht, wurde schnell deutlich. Gleich zu Beginn stellte Peter Martensen die Frage: „Auf dieser Seite des Weges haben wir Wirtschaftswald – und hier Wildnis. Sehen Sie den Unterschied?“
Im Wald ticken die Uhren langsamer: Für die über 100-jährigen Buchen, die von früheren Förstergenerationen gepflegt wurden, sind die letzten vier Jahre in der Wildnis kaum mehr als ein Wimpernschlag. Nun dürfen diese Bäume so lange weiterwachsen, bis sie eines Tages – in 100 oder 200 Jahren vielleicht – auf natürliche Weise absterben. Welche Auswirkungen dies auf das Waldbild, auf nachwachsende Bäume und die Mischung anderer Baumarten hat, konnten die Besucherinnen und Besucher an verschiedenen Punkten entlang der Tour anhand der Ausführungen von Lars Niemeier und seinen Kollegen nachvollziehen.
„Wie der Wald einmal aussieht, wenn er sich zum Urwald entwickelt hat – dafür müssen wir uns hier in 200 Jahren wieder treffen“, scherzte Martensen. Ganz so lange mussten die Teilnehmenden aber nicht warten: Schon heute ließen sich in einem Waldbereich, der seit Jahrzehnten aus der Nutzung genommen ist, spannende Entwicklungen erkennen – ein Ausblick darauf, wie sich auch die übrigen Flächen im Wildnisgebiet künftig entwickeln könnten.
Besondere Einblicke bot zudem die Tierwelt: Per Audioeinspielung konnten Rufe von Schwarzspecht, Schwarzstorch und Sperlingskauz erraten werden – Arten, die im Gebiet bereits vorkommen. Mit modernen, KI-gestützten Monitoringverfahren lassen sich ihre Vorkommen nun noch präziser erfassen. Über die laufenden Untersuchungen der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt berichtete Lars Niemeier und hatte einige Originalaufnahmen im Gepäck.
Doch nicht nur auf den Touren gab es Spannendes zu entdecken: Am Treffpunkt in der Sandkuhle hatten die zertifizierten Waldpädagogen Andrea Kamrowski und Marc Hinterthaner mit Unterstützung des Waldpädagogikzentrums Weserbergland ihren Stand aufgebaut. Dort konnten Waldbesucherinnen und -besucher an einem Quiz zu Tieren und Pflanzen teilnehmen, Taschen und Karten bedrucken, schnitzen und vieles über den Wald sowie die Arbeit der Niedersächsischen Landesforsten erfahren. So gingen nicht nur die jüngsten Gäste mit frisch gewonnenen Eindrücken und bunt bedruckten Mitbringseln nach Hause.
„Sehr schön war es – nur ein bisschen länger könnte die nächste Tour sein“, hieß es am Ende. Wir freuen uns schon jetzt auf das nächste Mal!
