Nach 43 Dienstjahren: Förster Michael Müller im Ruhestand – Auflösung der Försterei Diensthop markiert Strukturwandel
(Verden/Rotenburg) Mit dem Eintritt in den Ruhestand von Revierförster Michael Müller zum 31. Oktober 2025 endete nicht nur eine außergewöhnlich lange forstliche Laufbahn, sondern zugleich ein Kapitel regionaler Forstgeschichte. Die Försterei Diensthop, die Müller über mehr als drei Jahrzehnte geprägt hat, wurde im Zuge struktureller Veränderungen aufgelöst. Die Landeswaldflächen wurden den Förstereien Spange und Ahlden im Forstamt Rotenburg zugeordnet, während der Genossenschaftswald künftig von der neu geschaffenen Betreuungswaldsförsterei Eystrup im Forstamt Nienburg betreut wird.
Die ehemaligen Diensthop-Flächen erstrecken sich über die Landkreise Verden und Nienburg. Sie sind geprägt von historischen Kiefernwäldern, die über Jahrzehnte mit vielfältigen Mischbaumarten weiterentwickelt wurden. Mit der Neuorganisation endet auch eine langjährige Tradition, darunter der bekannte Weihnachtsbaumverkauf „Weihnachtsbaum vom Förster“, der weit über die Region hinaus Besuchende anzog.
Frühe Begeisterung für Wald und Natur
Michael Müller wurde 1960 in Wilhelmshaven geboren. Bereits im Alter von sechs Jahren zog er mit seiner Familie nach Walsrode, wo seine Verbundenheit zur Natur früh entstand. Mit zwölf Jahren stellte er seinem Vater die entscheidende Frage nach Berufen, „bei denen man mit Natur und Wald zu tun hat und gleichzeitig praktisch sowie gestalterisch arbeiten kann“. Müller erinnert sich: „Da war für mich schnell klar, dass der Försterberuf genau das verbindet.“
Mit 13 Jahren absolvierte er ein erstes Praktikum in der Försterei Düshorn der Landwirtschaftskammer – eine prägende Erfahrung. „Spätestens dort stand für mich fest: Förster soll es wirklich werden“, berichtet Müller rückblickend.
Ausbildung und prägende Berufsjahre
Nach dem Realschulabschluss in Walsrode führte ihn sein Weg 1977 an die Georgsanstalt in Ebstorf. Ein weiteres Praktikum in der Bezirksförsterei Eimke vertiefte seine Begeisterung insbesondere für die Privatwaldbetreuung. Nach dem Wehrdienst in Munster, den Müller bewusst zur persönlichen Weiterentwicklung nutzte, überbrückte er die Wartezeit auf einen Studienplatz mit praktischen Tätigkeiten in einer Baumschule, einem Sägewerk sowie zwei Jahren Arbeit im Vogelpark Walsrode.
1984 begann Müller schließlich das Studium der Forstwirtschaft in Göttingen und legte hier schon seinen Schwerpunkt auf die Privatwaldbetreuung. Exkursionen in verschiedene Bundesländer mit unterschiedlichen Organisationsformen festigten seinen beruflichen Wunsch, später als Förster auch in der Privatwaldbetreuung tätig zu sein.
Nach der Anwärterzeit im damaligen Forstamt Ebstorf wechselte er 1988 für drei Jahre zur Bezirksregierung Hannover. Dort betreute er den Prüfungsausschuss für den gehobenen Forstdienst sowie Aufgaben im Personaldezernat. „Die Verwaltungstätigkeit hat mir einen umfassenden Einblick in die forstliche Organisation Niedersachsens gegeben“, sagt Müller.
Mehr als drei Jahrzehnte Revierförster in Diensthop
1991 setzte sich Müller unter 16 Bewerbern durch und übernahm die Försterei Diensthop im alten staatlichen Forstamt Syke, mit damals rund 1.300 Hektar Fläche. In den folgenden Jahren wurde die Försterei organisatorisch verschiedenen Forstämtern – unter anderem, Erdmannshausen und schließlich Rotenburg – zugeordnet.
Seine Anfangsjahre waren geprägt von umfangreichen Pflegearbeiten in rund 30 Jahre alten Waldbeständen, die nach den Sturmereignissen der 1970er Jahre entwickelt werden mussten. Wegeerschließungen, erste Durchforstungen und Waldumbauten bestimmten den Arbeitsalltag. Gleichzeitig stellte ein schwacher Holzmarkt die Waldbewirtschaftung vor wirtschaftliche Herausforderungen. Hohe Wildbestände machten zudem großflächige Schutzmaßnahmen für junge Kulturen erforderlich.
„Die Zusammenarbeit mit den Waldbesitzenden war immer besonders bereichernd. Jeder Tag brachte neue Aufgaben und Begegnungen“, beschreibt Müller seine Motivation.
Waldwirtschaft, Naturschutz und Öffentlichkeitsarbeit Hand in Hand
Während seiner Dienstzeit gestaltete Müller den Waldumbau aktiv mit. Die Einführung moderner Forstmaschinen begleitete er ebenso wie zahlreiche Naturschutzprojekte. Dazu gehörten unter anderem der Schutz von Schwarzstorch-Brutplätzen, Fledermauskartierungen mit Nachweisen der seltenen Bechsteinfledermaus sowie Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen auf Heideflächen, die teilweise durch Schafbeweidung erhalten werden.
Auch die Betreuung des Naturschutzgebietes Alhuser Ahe mit bedeutenden Vorkommen des Hohlen Lerchensporns gehörte zu seinen Aufgaben. Darüber hinaus wurden mehr als 30 Hektar Ackerflächen erfolgreich aufgeforstet. Bereits Mitte der 1990er Jahre entwickelte sich die Försterei Diensthop zudem zu einem Lieferanten hochwertigen Erlenholzes.
Ein besonderes Anliegen war Müller stets die Umweltbildung. Neben regelmäßigen Ferienpassaktionen für Grundschulkinder engagierte er sich intensiv für Waldpädagogik. Mit den Waldkindergärten „Diensthoper Rudel“ und „Lintler Buschkinners“ pflegte er eine enge Zusammenarbeit. Insgesamt lagen zeitweise vier Kindergärten im Zuständigkeitsbereich der Försterei.
Waldspaziergänge mit anschließendem regionalem Waldmenü, Waldrallyes sowie Schulprojekte – etwa zur Anlage von Streuobstwiesen mit über 100 gepflanzten Obstbäumen – gehörten fest zu seinem Engagement für die Verbindung von Wald, Gesellschaft und regionaler Identität.
Abschied und Ausblick
Mit dem Eintritt in den Ruhestand freut sich der Pensionär künftig auf mehr Zeit mit seiner Familie sowie Haus und Garten. Darüber hinaus bleibt er als Landschaftswart aktiv und engagiert sich weiterhin als Ortsvorsteher.
Auf sein Berufsleben blickt er mit großer Zufriedenheit zurück:
„Ich würde immer wieder Förster werden. Die Flexibilität, die gestalterischen Möglichkeiten und vor allem der Kontakt zwischen Wald und Menschen waren für mich eine große Erfüllung.“
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