Ministerin Staudte besichtigt Forschungsflächen im Sollingmoor Wildenkiel
Was tun, wenn Birken wiedervernässte Moore bedrängen?
Neuhaus (Solling). Das Forschungsprojekt ist abgeschlossen, doch die Birken sind noch da: Wissenschaftler und Moor-Fachleute wollten wissen, wie das Birkenwachstum in wiedervernässten Sollingmooren verlangsamt werden kann. Das Waldmoor Wildenkiel diente als Experimentierfläche und Freilandlabor. Das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz förderte mit rund 400.000 Euro die Untersuchung. Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte besuchte das Waldmoor und sprach mit Wissenschaftlern und Forstleuten über die Ergebnisse.
„Dank der Monitoringflächen erhalten wir künftig belastbare Ergebnisse, wie sich die Vernässung und die Reduktion des Birkenaufwuches auf den Wasserhaushalt und die Vegetation von Waldmooren auswirken. Gleichzeitig haben wir es mithilfe der Wiedervernässung erreicht, die typische Artenvielfalt zu fördern und die Voraussetzungen für eine langfristige Kohlenstoffspeicherung zu schaffen.“ So fasste die Ministerin das Ergebnis zusammen. Beim Moorbegang Mitte April stellten die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA) und die Niedersächsischen Landesforsten ihr gemeinsames Forschungs- und Umsetzungsprojekt BiMoWa (Birken-Monitoring in Waldmooren nach Wiedervernässungsmaßnahmen) vor. Seit Dezember 2024 hatten sie im größten Niedermoorkomplex des Sollings geforscht, ob und wie sich natürlich aussamende Birkenbäume reduzieren lassen.
Moore brauchen viel Zeit und übergangsweise menschliche Pflege gegen Verbuschung
Nachdem die jahrhundertelange Entwässerung des Moores die Torfeigenschaften im Oberboden verschlechtert hat, benötigt es selbst bei ausreichender Wasserversorgung viel Zeit, um sich dem ursprünglichen Wasserhaushalt, der moortypischen Artenzusammensetzung sowie den natürlichen Auf- und Abbauprozessen anzunähern. Ziel des Forschungsvorhaben war die Suche nach einer geeigneten Pflege gegen die Verbuschung während dieser Übergangsphase. In der befindet sich momentan der südliche Teil des Waldmoorkomplex Wildenkiel. Dort hatte das Forstamt Neuhaus zuvor alle Fichten beseitigt und die Flächen aufwändig wiedervernässt.
„Auf den Freiflächen hat inzwischen eine natürliche Wiederbewaldung mit Moorbirken eingesetzt. Zwar entspricht dies der natürlichen Vegetation, ein zu dichter Gehölzbewuchs wirkt sich jedoch nachteilig auf lichtliebende moortypische Pflanzenarten und den Wasserhaushalt des Moores aus“, berichtete Maria Aljes, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Sachgebiet Arten- und Biotopschutz der NW-FVA in Hann. Münden. Die Birken entzögen dem Boden viel Wasser, so dass für das Torfmooswachstum und die Moorentwicklung die notwendige Feuchtigkeit in den oberen Bodenschichten fehle, so Aljes. Die Wissenschaftlerin und ihr Team erprobten in diesem Projekt insgesamt vier verschiedene Pflegevarianten mit unterschiedlichen technischen Verfahren sowie die Beweidung mit Schafen.
Rund 2.600 Meter Entwässerungsgräben mit Mineralboden und Sägespänen verfüllt
Einen weiteren wichtigen Projektbaustein legten die Niedersächsischen Landesforsten im benachbarten Naturschutzgebiet Kleines Bruch. „Hier haben wir die Arbeiten zur Wiedervernässung vorangetrieben. Rund 2.600 laufende Meter Entwässerungsgräben sind gesäubert, verfüllt und mit dem ausgehobenen Material wieder verdeckt worden. Dabei kamen 5.000 Tonnen Mineralboden und 890 Kubikmeter Sägemehl als Füllmaterial zum Einsatz“, berichtete Anne Wittenberg. Die Försterin für Waldökologie beim Forstamt Neuhaus betreut als Projektleiterin die Großbaustellen im Wald. Bereits jetzt seien erste Erfolge sichtbar. Viel mehr Wasser als zuvor verbleibe im Moor. Das sichere den Kohlenstoffvorrat im Moor und trage langfristig dazu bei, wieder Kohlenstoff zu binden, fasste die Waldökologin zusammen.
Hintergrund:
Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA)
Die NW-FVA ist eine gemeinsame Einrichtung für die Waldforschung der Bundesländer Niedersachsen, Hessen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein. In ihrem Zuständigkeitsbereich befinden sich 2,7 Mio. Hektar Wald, nahezu ein Viertel der Waldfläche Deutschlands. Ihre Kernkompetenzen sind: die angewandte Waldforschung, das langfristige Monitoring und der Transfer von Wissen. Seit fast 20 Jahren beschäftigt sich die Abteilung Waldnaturschutz mit der Renaturierung von Waldmooren, zuletzt verstärkt im Rahmen der Vorhaben „Moorberatung“ (https://waldmoore.de/) und „Birken-Monitoring in Waldmooren“ (https://www.nw-fva.de/forschen/projekte/suchergebnis/bimowa).
Die Niedersächsischen Landesforsten
Das Waldmoor Wildenkiel ist ein wichtiger Baustein in der Gesamtstrategie zum Schutz der Moore im Solling. Der Solling hatte ursprünglich eine Moorfläche von über 1.000 Hektar, verteilt auf etwa 30 Moore, die in früheren Jahrhunderten fast alle entwässert wurden. Die Forstämter Dassel und Neuhaus arbeiten seit circa 20 Jahren systematisch daran, die wertvollsten Flächen zu renaturieren und haben dafür unter Nutzung von Förderprogrammen bereits mehrere Millionen Euro im Solling investiert. 40 % der potenziellen Renaturierungsflächen wurden damit bereits instand gesetzt.
Die Niedersächsischen Landesforsten verfolgen mit der Renaturierung der Solling-Moore fünf Ziele:
*Klimaschutz durch Minderung von Kohlendioxid-Emissionen
*Hochwasserschutz: Zurückhalten von Hochwasserspitzen, da das intakte Moor wie ein Schwamm wirkt *Grundwasserbildung und Trinkwasserschutz: Verstetigter Wasserabfluss von sauberem Wasser aus einem intakten Moor hat positive Auswirkungen auf Grundwasserbildung und damit langfristig Trinkwassersicherung *Verbesserung der Biodiversität: Moore sind sehr seltene und wertvolle Lebensräume und ein intakter Gebietswasserhaushalt kommt auch Bächen und Quellen zugute Auswirkungen des Waldmoors Wildenkiel auf den Klimaschutz Der weiterhin entwässerte und bewirtschaftete Restbereich emittiert 1.125 t CO2 pro Jahr. Das entspricht den jährlichen Emissionen von rund 26 Vier-Personen-Haushalten. Bei fortschreitender Entwässerung droht der Torfkörper bis zum Jahr 2060 vollständig zu verschwinden.
Fotos zum kostenlosen Download frei mit dieser Presseinformation
Quelle: Landesforsten
