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Buchensaatgut für den Wald von morgen

Forstsaatgutberatungsstelle Oerrel erntet Saatgut für Wiederbewaldung und Waldumbau – gute Erntejahre werden durch den Klimawandel unberechenbarer

(Oerrel) Wenn im Herbst die ersten Bucheckern auf den Waldboden fallen, beginnt für die Forstsaatgutberatungsstelle (FSB) der Niedersächsischen Landesforsten in Oerrel eine arbeitsintensive Zeit. In diesem Jahr werden in Niedersachsen rund 1.300 einzelne Buchen mit Netzen unterlegt, um das Saatgut für die kommenden Jahre zu gewinnen. Es wird dringend gebraucht: Die Niedersächsischen Landesforsten pflanzen jährlich rund 1,5 bis 2 Millionen Buchen, unter anderem für den Waldumbau hin zu stabilen und artenreichen Mischwäldern.

Gute Buchenmastjahre gibt es allerdings nur alle paar Jahre. Wann ausreichend Bucheckern ausreifen und geerntet werden können, lässt sich durch die zunehmend wechselhafte Witterung immer schlechter vorhersagen. „Wir sind bei der Saatgutversorgung auf die wenigen guten Erntejahre angewiesen. Gleichzeitig wird es durch den Klimawandel schwieriger, diese Jahre zuverlässig vorherzusagen. Deshalb ist es wichtig, die guten Erntemöglichkeiten konsequent zu nutzen“, sagt Kerstin Kiefer von der Forstsaatgutberatungsstelle in Oerrel.

Geerntet werden darf das Saatgut zudem nicht überall. Die Buchen müssen aus dafür zugelassenen Saatgutbeständen stammen, deren Herkunft und Eigenschaften festgelegt sind. In Niedersachsen gibt es rund 100 solcher Bestände, etwa 60 davon liegen im Wald der Niedersächsischen Landesforsten. In diesem Jahr werden landesweit 20 Bestände beerntet, darunter zwei im Privatwald. Insgesamt werden dafür rund 19,5 Hektar Netzfläche ausgelegt.

1.300 Bäume werden für die Ernte vorbereitet

Bevor die Netze ausgelegt werden können, muss in den Beständen teilweise zunächst der Unterwuchs entfernt werden. Die Netze fangen die herabfallenden Bucheckern auf und ermöglichen eine möglichst saubere und effiziente Ernte.

Die eigentliche Ernte beginnt im Oktober. Dann sind die Bucheckern in der Regel auf die Netze gefallen, während ein großer Teil des Laubes noch an den Bäumen hängt. Die Netze werden zusammengeklappt und das geerntete Material anschließend direkt vor Ort mit einer Siebreinigungsmaschine vorgereinigt. Innerhalb von drei bis vier Wochen wird so das Saatgut aus den verschiedenen Beständen täglich zur FSB nach Oerrel gebracht.

Dort wird das empfindliche Saatgut professionell weiter aufbereitet und für die Lagerung vorbereitet. Viel Zeit bleibt dabei nicht, denn das Saatgut kann schnell verderben. Buchensaatgut ist unter geeigneten Bedingungen etwa drei Jahre lagerfähig. Das Saatgutlager der FSB ist derzeit leer. „Das macht die diesjährige Ernte für uns besonders wichtig. Wir möchten mit der diesjährigen Saison eine Menge einlagern, die möglichst für die nächsten drei Jahre reicht“, erklärt Kiefer.

Im Durchschnitt werden in diesem Jahr etwa 15 Kilogramm Saatgut pro Baum erwartet. Am Ende sollen rund 20 Tonnen reine Bucheckern zusammenkommen. Aus einem Kilogramm reinem Saatgut können unter günstigen Bedingungen etwa 1.000 junge Buchenpflanzen entstehen. Rein rechnerisch könnte die diesjährige Ernte damit die Grundlage für rund 20 Millionen Pflanzen bilden. Bei einer Pflanzzahl von 2.500 Bäumen pro Hektar entspräche das theoretisch einer Aufforstungsfläche von rund 8.000 Hektar.

Von der Buchecker zur Pflanze im Wald

Bis aus einer Buchecker ein junger Baum für den Wald geworden ist, vergehen allerdings mehrere Jahre. Die für die Niedersächsischen Landesforsten und andere Waldbesitzer bestimmten Pflanzen, werden in privaten Baumschulen in sogenannten kontrollierten Lohnanzuchten herangezogen. Während der rund zweijährigen Anzuchtzeit kontrolliert die FSB die Produktion. Damit wird sichergestellt, dass das Saatgut entsprechend seiner Herkunft verwendet wird und die daraus entstandenen Pflanzen später an Standorten eingesetzt werden, für die diese Herkunft geeignet ist.

Auch die Anzucht in den Baumschulen wird durch die Folgen des Klimawandels zunehmend anspruchsvoller. Trockenheit und Frost können dort zwar beispielsweise durch Beregnung abgemildert werden, gegen extreme Hitze sind die Möglichkeiten jedoch begrenzt. Schattierungen können die Sonneneinstrahlung reduzieren, trotzdem können längere Hitzeperioden zu erheblichen Ausfällen führen.

Sind die kleinen Bäume schließlich im Wald gepflanzt, beginnt die nächste Herausforderung. Vor allem extreme Frühjahrstrockenheit setzt den jungen Pflanzen zu. Anders als in der Baumschule können die Bäume im Wald nicht einfach bewässert werden.

Die Buche spielt beim Waldumbau eine besondere Rolle. Buchenwaldgesellschaften gehörten ursprünglich zu den am weitesten verbreiteten natürlichen Waldgesellschaften Niedersachsens. Gleichzeitig ist die Buche eine wichtige Baumart für den Aufbau standortgerechter Mischwälder. „Wir brauchen eine breite Palette an Baumarten und Herkünften, damit unsere Wälder auch unter den Bedingungen des Klimawandels möglichst vielfältig und anpassungsfähig bleiben. Die Buche ist dabei ein wichtiger Baustein – aber eben nicht der einzige“, sagt Kerstin Kiefer.

Saatgutsaison hat gerade erst begonnen

Die Buchenernte ist nur ein Teil der Arbeit der Forstsaatgutberatungsstelle in Oerrel. In dieser Saison werden noch zahlreiche weitere Baum- und Straucharten beerntet. Bereits eingebracht wurden unter anderem Bergahorn, Douglasie, Eberesche, Faulbaum, Flatterulme, Vogelkirsche, Küstentanne, Schneeball und Wildbirne. Viele weitere Arten werden in den kommenden Wochen noch folgen.

Ziel ist eine möglichst breite Palette an geeignetem Saatgut. Denn die Wälder der Zukunft sollen nicht nur aus einer einzigen Baumart bestehen. Unterschiedliche Baumarten und Sträucher sollen gemeinsam dafür sorgen, dass die Wälder ihre vielfältigen Funktionen erfüllen können – als Lebensraum für Tiere und Pflanzen, für den Wasser- und Bodenschutz, als Erholungsraum und nicht zuletzt als Lieferant des nachwachsenden Rohstoffs Holz.

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