Eine letzte Tasse Tee mit Förster Gerd Dählmann

 In Allgemein, Forstamt Neuenburg

Langjähriger Revierleiter der Försterei Kloster-Barthe geht in den Ruhestand

(Hesel/Neuenburg) Eigentlich ist er noch gar nicht fertig. Mit Leidenschaft und dem Wunsch zu gestalten und zu vermitteln hat Gerd Dählmann 35 Jahre lang die Försterei Kloster-Barthe der Niedersächsischen Landesforsten geleitet. Wirtschaftliche und ökologische Interessen dabei gleichermaßen zu berücksichtigen, den Wald für Menschen offenzuhalten und über seine Arbeit zu informieren, ist ihm bis heute ein Anliegen. Jetzt wechselt er in den Ruhestand.

Geprägt in der Umweltbewegung der 1970er Jahre

Geboren und aufgewachsen ist Gerd Dählmann in Wittmund. Früh entwickelt er ein Interesse, sich für die Belange der Natur einzusetzen. „Mein Vater war Jäger und hat mir die Liebe zur Natur vermittelt. In der damaligen Umweltbewegung fand ich einen Raum, mich gesellschaftlich mit dem Naturschutz zu beschäftigen“, erzählt der 67-Jährige.

Nach dem Fachabitur in Wilhelmshaven will Dählmann beruflich zunächst in Richtung Wasserbau. Doch die Umweltdebatte der späten 1970er Jahre bringt ihn zum Wunsch, etwas verändern zu wollen: „Ich dachte mir damals: Wenn ich etwas bewegen will, dann muss ich Landschaft mitgestalten können. Das geht in der Land- und Forstwirtschaft. So entschied ich mich, Förster zu werden.“

„Nicht reden, sondern machen!“

„Nicht reden, sondern machen“ ist Gerd Dählmanns Devise bis heute. Also studiert er, nach einem Vorpraktikum im Privatwald, von 1979 bis 1982 Forstwirtschaft an der Fachhochschule in Göttingen. Den Anwärterdienst absolviert er im damaligen Forstamt Aurich und freut sich, nach der langen Studiumstheorie, endlich praktisch im Wald arbeiten zu können.

Nach der Übernahme in die damalige Landesforstverwaltung geht es für Dählmann zunächst ins damalige Forstamt Bersenbrück. Als „Förster o.R.“, also „ohne Revier“, ist er Springer und Krankheitsvertreter. 1987 unterbricht er den Forstdienst, um den Zivildienst abzuleisten. Danach wechselt er zurück auf die Ostfriesische Halbinsel ins damalige Forstamt Aurich. Auch hier vertritt und unterstützt Dählmann in allen Revieren.

1990 Übernahme des Reviers Kloster-Barthe

1989 wird dann die Försterei Kloster-Barthe ausgeschrieben. Gerd Dählmann bewirbt sich und erhält den Zuschlag. Ende 1990 zieht er nach Sanierungsarbeiten ins Forsthaus in Hesel ein. „Damals war Kloster-Barthe flächenmäßig eines der größten Reviere, um die 1.000 Hektar. Das störte mich aber nicht. Mittlerweile sind es etwa 2.000 Hektar“, berichtet Dählmann weiter.

Gerd Dählmann ist es wichtig, die Belange der Natur und des Waldes mit jenen des Wirtschaftsbetriebes zu harmonisieren. Das Prinzip der Nachhaltigkeit, wie es Carl von Carlowitz geprägt hat, ist für ihn oberstes Gebot. „Es hatte für mich immer einen hohen Reiz, Nutzen und Schützen in Einklang zu bringen. Beim Auszeichnen von Waldbeständen für die Holzernte hatte ich dabei den größten Gestaltungsspielraum. Durch die Entscheidung, welche Bäume entnommen und welche weiterwachsen sollen, prägte ich die Waldbilder der Försterei.“ Das Konzept der Langfristigen, ökologischen Waldentwicklung, kurz LÖWE, ist für Dählmann gelebte Nachhaltigkeit.

Forstwirtschaft sichert Ökosystem Wald

Für ihn ist daher die Ausweisung der Wälder im Reviergebiet, wie beispielsweise der Ihlower Wald, als Fauna-Flora-Habitatgebiet und Naturschutzgebiet eine Auszeichnung: „Wenn der Naturschutz unsere Wälder als so wertvoll erachtet, dass sie im Sinne des Naturschutzes einen besonderen Status verdienen, dann empfinde ich das als höchstes Lob für eine gelungene Arbeit im Wald. Und, die Waldarbeit sichert diesen Status für die Zukunft.“

Förster Dählmann ist nicht nur die Arbeit im Wald wichtig. Auch die Vermittlung seines Tuns der Öffentlichkeit gegenüber ist Teil seines beruflichen Selbstverständnisses. Lange Jahre machen 20 % seiner Stelle deswegen Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit aus: „Die Bürgerinnen und Bürger interessiert, was im Wald passiert. Das habe ich ihnen immer gern gezeigt. Sei es bei Waldführungen oder spielerisch mit Schulklassen.“

Personalvertreter und Ausbilder

Gerd Dählmann ist Förster mit Leib und Seele. Er engagiert sich viele Jahre in der Personalvertretung. Die Ernennung zum Ausbilder 2012 empfindet er als Auszeichnung. Er gibt sein Wissen nun an die junge Forstgeneration weiter. Und selbstverständlich geht er für mehrere Wochen in den Harz, als dort wegen der Borkenkäferkrise jede Hand gebraucht wird.

„Ich habe in meinem Beruf immer eine innere und äußere Freiheit verspürt. Ich habe die Arbeit gern gemacht und gestehe, dass ich mit einer gewissen Wehmut gehe“, schildert der Pensionär. Für seinen kommenden Lebensabschnitt hat er allerdings vorgesorgt: Als Waldpädagoge bleibt er dem Wald verbunden. Und, auch seine politischen Ehrenämter, er ist langjähriger Bürgermeister der Gemeinde Hesel, führt er weiter: „Ich habe noch eine Message, ich möchte mich noch sinnstiftend engagieren. Trotzdem freue ich mich darauf, jetzt zeitlich etwas ungebundener zu sein.“

Auf diesem Weg wünscht ihm das Forstamt Neuenburg mit allen Kolleginnen und Kollegen alles Gute und stets Gesundheit. Forstamtsleiter Uwe Mestemacher: „Das Forstamt verliert einen sehr engagierten und kundigen Förster und Kollegen, der seinen Beruf als Berufung gelebt hat. Es freut mich, dass mit Jan Fiddy Winkelhake ein von Gerd Dählmann ausgebildeter Förster das Revier übernimmt.“

 

Bilder (Landesforsten/Schmidt) zum kostenlosen Download finden Sie hier.

Für die Presse bieten wir zu aktuellen Ereignissen und Meldungen Bilder und Texte zum Download an. Die zum Download angebotenen Fotos dürfen nur gemeinsam mit der Pressemitteilung oder dem Thema veröffentlicht werden, mit dem sie in Verbindung stehen und müssen mit einem ungekürzten Urheberrechtsnachweis versehen sein, wie er jeweils an den Abbildungen angeben ist.

Recommended Posts