Die Krickmeere im Upjeverschern Forst – Wiedervernässung für Natur und Mensch

 In Forstamt Neuenburg, Regionale Presseregion West

Niedersächsisches Forstamt Neuenburg feiert Internationale Tage des Waldes und des Wassers

 

(Upjever/Neuenburg) Ohne Wasser kein Wald, ohne Wald kein sauberes Trinkwasser oder Wasserrückhalt. Jahrhundertelang haben Menschen das Wasser im Wald zurückgedrängt, umgeleitet, abgeleitet – zur Urbarmachung von Flächen. Spätestens mit dem Klimawandel kommt ein Umdenken. Wald braucht Wasser. Wir Menschen brauchen Wasser. Dabei helfen uns Projekte wie die Wiedervernässung der Krickmeere im Upjeverschen Forst der Niedersächsischen Landesforsten.

Dorothea Gawlyta, Landschaftsökologin und zuständig für Kompensationsdienstleistungen im Forstamt Neuenburg, begleitet die Entwicklung der Krickmeere im Upjeverschen Forst fachlich. Die Fläche hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten von einem dichten Nadelwaldbestand zu einem strukturreichen Mosaik aus Wasserflächen, Freiflächen und Gehölzinseln entwickelt. Gawlyta ist aktuell für die weitere Umsetzung der Renaturierungsmaßnahmen in diesem ehemaligen Waldmoor verantwortlich. „Die Krickmeere zeigen eindrucksvoll, wie sich ehemals entwässerte Waldflächen wieder zu wertvollen Lebensräumen entwickeln können. Unser Ziel ist es, die natürlichen Wasserverhältnisse dauerhaft zu stabilisieren und so die ökologische Vielfalt langfristig zu stärken“, betont Gawlyta.

Ein alter Niederungsbereich

Die Krickmeere bilden einen feuchten Niederungsbereich am Rande der Geest, an welchem sich an besonders nassen Stellen sogenannte „Meere“ befanden. Hierbei handelt es sich um dauerhafte überflutete Nassbereiche mit Übergangszonen in natürliche Gehölzgürtel. Der angepflanzte Nadelwald, der hier standortmäßig nicht hingehört, wächst schlecht. Trotz Entwässerung bleiben die Flächen nass. Die Holzernte ist schwierig, der Baumbestand anfällig für Stürme.

2006 begannen die Renaturierungsarbeiten. Landschaftsökologische Untersuchungen zeigen: Es gibt noch Reste von intakten Torfmoospartien, rudimentär finden sich die typischen Arten einer Moorlandschaft wie der Sonnentau. Der Nadelwald wird gerodet, Grüppen gekammert und mit einem Bagger flache Senken für Stillgewässer geformt. Sträucher und Bäume werden gepflanzt. Der Forstschloot, ein Gewässer 2. Ordnung, erhält ein Stauwehr. Ziel ist es, den Grundwasserstand anzuheben, ohne dass die Oberlieger fürchten müssen, dass ihre Grundstücke vernässen.

Renaturierung auf knapp 50 Hektar

„2010 erfolgte eine Erweiterung der Renaturierungsfläche nach Norden hin. Jetzt wollen wir in einem weiteren Schritt sowohl im Nordwesten als auch im Südosten den Komplex auf die gesamte Niederung erweitern. Am Ende entwickeln wir dann auf etwa 48 Hektar eine naturnahe Waldmoorlandschaft mit feuchten Birken-Eichenwäldern, Bruchwaldstrukturen, Feuchtheiden, Sumpfgebüschen, Nasswiesen und Stillgewässern. Alle Biotoptypen möglichst nah am Vorbild der potenziell natürlichen Vegetation“, erläutert Dorothea Gawlyta.

Die Arbeit ist komplex, aber vielversprechend. Abstimmungen und Genehmigungen mit der Unteren Naturschutzbehörde, der Unteren Wasserbehörde und dem Wasser- und Bodenverband sind erforderlich. Naturschutzverbände und Anwohnende werden am Vorhaben beteiligt. „Wir bewegen uns im Naturschutzgebiet, im Fauna-Flora-Habitatgebiet und im Wasser- und Trinkwasserschutzgebiet. Hier ist eine gute Zusammenarbeit mit den Behörden wichtig. Aber letztlich ähneln sich die Ziele immer: Wir wollen einen gesunden, naturnahen und funktionsfähigen Naturhaushalt“, so Gawlyta weiter.

Moore und Wälder als Kohlenstoffdioxidspeicher

Was bedeutet das konkret und wie profitieren wir Menschen davon? Mit der Wiedervernässung alter Waldmoore bringen wir Torfmoose wieder zum Wachsen. Diese können Unmengen von Kohlenstoffdioxid speichern, welcher den Klimawandel antreibt. Dies gilt auch für gesunde Waldböden mit einer naturnahen Baumbestockung.

Ein gesunder Wald kann außerdem Niederschläge filtern und speichern. Damit dient er der hochwertigen Trinkwasserbildung. Durch seine Verdunstung kühlt er die Luft. Waldmoore und Wälder sind wichtige Landschaftsbestandteile, die große Wassermengen, beispielsweise bei Starkregenereignissen, aufnehmen und nur langsam wieder abgeben. Als Retentionsräume schützen sie vor Überflutungen. Und, nicht zuletzt, bewahren naturnahe Moore und Wälder seltene Tier- und Pflanzenarten vor dem Aussterben und erhalten die Biodiversität.

Dorothea Gawlyta blickt mit Zuversicht auf die Projektfortsetzung: „Wir können hier auf großer Fläche Landschaft gestalten. Ein naturnahes Refugium in einer Kulturlandschaft. Die Renaturierung schafft Resilienz gegen die möglichen Klimawandelfolgen. Das hilft dem Wald, dem Wasser und am Ende uns Menschen.“

 

 

Hintergrund

 

Die Krickmeere im Upjeverschen Forst

Noch vor 150 Jahren waren große Teile der Landschaft von Meeren und Mooren bedeckt. Weit verbreitet waren die sogenannten Hochmoore. Dieser spezielle Lebensraum ist besonders von ständiger Nässe und Nährstoffarmut geprägt. Verschiedene Tier- und Pflanzenarten haben sich auf diese kargen Lebensbedingungen spezialisiert. Torfmoose, Sonnentau, Gagelstrauch, Königsfarn oder Moorfrösche, Mooreidechsen und zahlreiche Libellenarten bewohnen diese Landschaft. Sie zeichnen sich durch ihre Genügsamkeit aus und sind hier Arten gegenüber dadurch im Vorteil.

Intakte Meere und Moore finden sich oft nur noch auf Restflächen. Durch Entwässerung, Abtorfung und Kultivierung wurde ein Großteil dieser Lebensräume für ihre Bewohner zerstört. Viele Arten sind mittlerweile stark gefährdet. Renaturierungsprojekte wie die Krickmeere wirken der weiteren Zerstörung und dem Artenrückgang entgegen.

 

Internationale Tage des Waldes und des Wassers

Seit 1971 erinnert der Internationale Tag des Waldes am 21. März – dem kalendarischen Frühlingsanfang – an die globale Bedrohung der Wälder. Initiiert von der FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN), sollte er ursprünglich auf die damals eskalierende Abholzung aufmerksam machen. 2012 erhob die UN-Generalversammlung den Tag offiziell zu einem festen Termin im Kalender der Internationalen Tage.

Nur einen Tag später, am 22. März, steht seit 1993 der Weltwassertag im Fokus. Angeregt durch die Agenda 21 der UN-Umweltkonferenz in Rio (1992) und beschlossen von der Generalversammlung, wird er seit 2003 von UN-Water koordiniert. Was als symbolische Initiative begann, hat sich zu einer zentralen Plattform für globale Wasserfragen entwickelt.

 

Langfristige, Ökologische Waldentwicklung bei den Niedersächsischen Landesforsten

Wälder spielen eine entscheidende Rolle im Wasserhaushalt. Die vorhandenen Baumarten, ihr Alter, die vertikalen Strukturen und die Bewirtschaftung haben einen entscheidenden Einfluss auf die Verdunstung und die Grundwasserneubildung. Eine nachhaltige Forstwirtschaft trägt dazu bei, Wasserressourcen zu schützen und den Wasserhaushalt zu unterstützen. Das Programm zur Langfristigen, Ökologischen Waldentwicklung der Niedersächsischen Landesforsten berücksichtigt den Erhalt und die Förderung eines gesunden Wasserhaushaltes unter anderem durch standortgerechte Baumartenwahl, Mischwaldmehrung und Bodenschutz, durch zum Beispiel bodenschonende Arbeitsverfahren.

 

Umweltbildung

Informationen und Veranstaltungen zum Thema „Wald und Wasser“ bieten das Waldpädagogikzentrum Weser-Ems und das Wasser-Wald-Zentrum des OOWV in Schortens an.

Waldpädagogikzentrum Weser-Ems – Niedersächsische Landesforsten

OOWV | Umweltbildung

 

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