Das Mansholt bei Wiefelstede wird naturnäher
Niedersächsische Landesforsten ersetzen Nadelwälder durch Laubwälder
(Bokel/Neuenburg) Die Harvester und Rückeschlepper, die im Herbst Nadelholz entnommen und kleine Lichtungen im Mansholt der Niedersächsischen Landesforsten geschaffen haben, sind fürs Erste wieder weg. Auch die Forstwirtinnen und Forstwirte mit ihren Hohlspaten und Minibaggern haben den Wald wieder verlassen. Zurückgelassen haben sie eine Vielzahl von Flächen, auf denen jetzt junge Eichen, Hainbuchen, Flatterulmen, Winterlinden, Schwarzerlen und Schwarzpappeln stehen. Diese sollen zum Wald von morgen heranwachsen.
Bachtallandschaft prägt das Mansholt
Das Mansholt bei Wiefelstede gehört zum Forstamt Neuenburg und ist auch wegen seiner ausgeprägten Bachtallandschaft als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet und Naturschutzgebiet geschützt. Im Rahmen der Ausweisung eines Kompensationspools stellt das Forstamt Neuenburg hier in enger Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Ammerland die ursprünglichen Ökosysteme wieder her.
„Wir wollen im Laufe der nächsten zehn Jahre das Mansholt Schritt für Schritt naturnah gestalten. Die Voraussetzungen sind hier optimal. Wir haben eine ca. 25,5 Hektar große Naturwaldfläche, die sich seit diesem Jahr selbst entwickeln darf. Außerhalb des Naturwaldes entnehmen wir in einem ersten Schritt das Nadelholz. Bis auf die Kiefer, die wir größtenteils belassen, sind Fichte, Lärche und Douglasie hier gebietsfremd. Das geschieht schrittweise und kleinflächig, angefangen auf ehemaligen Schadflächen durch Sturm oder Borkenkäfer. Der Waldcharakter soll jederzeit erhalten bleiben“, erklärt Dorothea Gawlyta, Landschaftsökologin im Forstamt und zuständig für den Kompensationspool Mansholt.
Kleine und große Eichen für den Wald für morgen
Dort, wo Eiche gepflanzt wird, gestalten die Forstleute die Lichtungen etwas größer. „Eiche braucht als Lichtbaumart sehr viel Sonne. Beschattung durch Nachbarbäume hemmt ihr Wachstum. Wer also größere Freiflächen sieht, weiß, dass dort kleine und mittelgroße Eichensetzlinge stehen“, so Gawlyta weiter. Die kleinen Eichen haben die Forstleute per Hand mit dem Hohlspaten gepflanzt und werden zum Schutz vor Wildverbiss noch eingezäunt. Die mittelgroßen Eichen wurden mit einem bodenschonenden Bagger mit breiten Laufwerken gesetzt und können ohne Zaun wachsen.
Auf den sogenannten NWE-10-Flächen (Natürliche Waldentwicklung auf zehn Prozent der Landeswaldfläche), die seit 2026 als Naturwald unter Prozessschutz stehen, ließ Gawlyta eine Erstinstandsetzung durchführen. Das bedeutet, dass die Forstwirtinnen und Forstwirte die Waldfläche so vorbereitet haben, dass gute Rahmenbedingungen für eine natürliche Entwicklung geschaffen werden. „Auf den NWE-10-Flächen haben wir den sehr wüchsigen und beschattenden, aber leider standortfremden Bergahorn entnommen und ihn als Totholz liegen gelassen. Außerdem haben wir die Entwässerungsgräben gekammert, also verschlossen. Damit wollen wir den natürlichen Wasserhaushalt in diesem Gebiet wiederherstellen“, erklärt die Landschaftsökologin.
Wege- und Anleingebot beachten
Fast 14.000 junge Bäume haben die Forstleute bis zum späten Frühjahr gepflanzt. Bei den Durchforstungsarbeiten zuvor haben sie insbesondere auch auf den Erhalt und die Förderung von Habitatbäumen geachtet. Dazu zählen Höhlen- und Horstbäume, aber auch stehendes Totholz. Diese bringen Strukturvielfalt in den Wald und damit Nahrungs- und Habitatnischen für zahlreiche waldbewohnende Tier- und Pflanzenarten. „Wir bitten die Waldbesuchenden, achtsam unterwegs zu sein, um den Waldbewohnern ein störungsfreies Dasein zu ermöglichen. Das bedeutet vor allem, das Wegegebot und das Anleingebot für Hunde zu beachten“, appelliert Gawlyta. Ein neues Wegekonzept, vor allem, um den Naturwaldbereich zu entlasten, ist in Planung.
Hintergrund
Die Niedersächsischen Landesforsten bieten Kompensationsdienstleistungen an, um Eingriffe in den Naturhaushalt und die Landschaft nach Naturschutz- und Artenschutzrecht, Waldrecht sowie Baurecht auszugleichen.
Seit 2007 haben die Niedersächsischen Landesforsten in nahezu allen Naturräumen Niedersachsens über 50 größere Kompensationsflächenpools mit einer Gesamtfläche von ca. 2.800 ha in Zusammenarbeit mit den zuständigen Naturschutzbehörden eingerichtet. Die Flächenpools befinden sich im Grundeigentum der Landesforsten und haben eine arrondierte Flächengröße von bis zu 250 Hektar.
Der Kompensationspool Mansholt bei Wiefelstede hat eine Größe von etwa 139 Hektar und liegt zwischen dem Dingsfelder Weg und der Mansholter Straße auf den Flächen des Forstamtes Neuenburg. Ein Teil der Fläche weist bereits die gewünschten Zielbiotope auf. Die Renaturierung des Gebietes erfolgt abschnittweise und wird sich über einen Zeitraum von voraussichtlich zehn Jahren erstrecken.
Der Flächenpool bildet den Querschnitt einer für das Ammerland typischen Bachtallandschaft ab. Bachbegleitende Auwälder aus Erle, Esche und Weidengehölzen prägen das Bild. Auf den nassen Böden abseits der Aue finden sich Eichen-Hainbuchenwälder. Dort, wo der Grundwasserstand mehr als 80 Zentimeter unter Geländeoberkante steht und kein Lehm mehr vorkommt, entwickeln sich Buchenwälder.
Bilder (Landesforsten/Schmidt) zum kostenlosen Download finden Sie hier.
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