Saatgut für den Waldumbau im Fokus
(Munster/Oerrel) Fachleute aus ganz Deutschland trafen sich an der Forstsaatgutberatungsstelle (fsb) Oerrel zum jährlichen Erfahrungsaustausch rund um die Gewinnung und Aufbereitung von Waldsaatgut. An der zweitägigen Tagung nahmen Expertinnen und Experten aus neun Bundesländern teil. Im Mittelpunkt standen die Erntemengen des vergangenen Jahres sowie die Aussichten für die kommende Saison.
Die Versorgung mit hochwertigem Saatgut spielt eine entscheidende Rolle für den Umbau der Wälder hin zu klimaresilienten und artenreichen Beständen. Sie ist Voraussetzung für Waldbegründung, Mischwaldmehrung und Wiederbewaldung von durch Sturm, Trockenheit oder Borkenkäfer zerstörter Waldflächen.
„Die Anforderungen an die Saatgutgewinnung und -aufbereitung steigen mit den Herausforderungen des Klimawandels kontinuierlich. Umso wichtiger ist der fachliche Austausch zwischen den Saatgutbetrieben und Forschungseinrichtungen, um gemeinsam zukunftsfähige Lösungen für den Waldumbau zu entwickeln“, erklärt Andreas Preuß, Leitung der fsb Oerrel.
„Die große Beteiligung aus neun Bundesländern zeigt, wie wichtig die Zusammenarbeit bei der Versorgung unserer Wälder mit hochwertigem Saatgut geworden ist. Von diesem Austausch profitieren letztlich alle, die am Waldumbau beteiligt sind“, fügt Preuß hinzu.
Viele Saatgutbetriebe investieren derzeit in ihre Anlagen, die Technik wird modernisiert und Verfahren werden optimiert, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden.
Die fsb Oerrel ist eine Einrichtung der Niedersächsischen Landesforsten und zählt bundesweit und auch im europäischen Vergleich zu den innovativsten Einrichtungen ihrer Art. Im Rahmen der Veranstaltung wurden die technische Ausstattung und das fachliche Know-how vorgestellt. Darüber hinaus erweitert die fsb ihre Kapazitäten derzeit durch den Neubau einer zweiten Aufarbeitungshalle, um dem steigenden Bedarf an Saatgut infolge der Waldschäden Rechnung zu tragen.
Ein Großteil des gewonnenen Saatguts dient der Anzucht von Forstpflanzen in Baumschulen. Nach einer Kulturdauer von ein bis vier Jahren werden die Jungpflanzen zur Wiederbewaldung und Waldentwicklung gepflanzt. Vor diesem Hintergrund informierte ein Vertreter der Baumschulbranche über die Anforderungen an die Saatgutqualität für eine optimalen Pflanzenproduktion. Insbesondere für die Produktion von Containerpflanzen werden höhere Ansprüche an Reinheit und Keimfähigkeit gestellt als bei der traditionellen Erzeugung wurzelnackter Pflanzen. Diese Qualitätsstandards können nur durch gezielte Aufbereitungsverfahren erreicht werden.
Abgerundet wurde die Tagung durch eine Exkursion in den Oerreler Wald. Dort wurden verschiedene Containersortimente und geeignete Pflanzverfahren praxisnah vorgestellt und demonstriert.
Die vielfältigen Herausforderungen des Waldumbaus und durch die Folgen des Klimawandels konnten im Rahmen der Veranstaltung intensiv diskutiert werden. Die gebündelte Expertise der Saatgutproduzenten trägt dazu bei, auch künftig die Versorgung mit hochwertigem, standortangepasstem und genetisch vielfältigem Saatgut sicherzustellen und damit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt zukunftsfähiger Wälder zu leisten.
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