Vom Nienburger Forst in die Käferkatastrophe des Harzes

 In Forstamt Nienburg, Regionale Presseregion West

Das Nienburger Tor erinnert an den außergewöhnlichen Einsatz der Forstleute im Harz

(Nienburg/Osterode) „Wenn man monatelang Seite an Seite arbeitet, gemeinsam Rückschläge erlebt und abends zusammensitzt, dann entstehen Verbindungen, die bleiben.“ So beschreibt Dirk Barkemeyer, Maschinenführer am Maschinenstützpunkt Nienburg, die Zeit im Harz. Zwischen 2020 und 2023 unterstützten er und seine Kollegen vom Forstamt Nienburg das Forstamt Riefensbeek bei der Bewältigung der historischen Borkenkäferkalamität. Was als Unterstützung in einer der größten Waldkrisen der vergangenen Jahrzehnte begann, wurde zu einer besonderen Zusammenarbeit, die bis heute Bestand hat.

Was die Nienburger Forstleute im Harz erwartete, war eine Aufgabe von außergewöhnlichem Ausmaß. Die 2018 beginnende Borkenkäferkatastrophe hatte große Teile der Fichtenbestände geschädigt. Ganze Berghänge waren von abgestorbenen Bäumen geprägt. Für die Forstleute bedeutete das jahrelange Aufarbeitung von Schadholz unter großem Zeitdruck. Gleichzeitig ging es darum, die Voraussetzungen für einen neuen, zukunftsfähigen Wald zu schaffen.

Aus dem Nienburger Maschinenstützpunkt machten sich im April 2020 zunächst Markus Busse, Dirk Barkemeyer, Martin Blome und Sascha von der Weth auf den Weg in den Harz. Gemeinsam mit dem Revierleiter Uwe Alms, dem Team des Reviers Freiheit sowie weiteren Kolleginnen und Kollegen aus dem Forstamt Riefensbeek arbeiteten sie dort über einen langen Zeitraum zusammen. Zum Einsatz kamen unter anderem Harvester und Rückezug.

„Man fährt nicht jeden Morgen gern in einen Wald, von dem man weiß, dass wieder tausende abgestorbene Bäume auf einen warten. Aber wir wussten, warum wir dort waren. Unsere Kolleginnen und Kollegen brauchten Unterstützung“, erinnert sich Markus Busse, der eine der Maschinen aus Nienburg im Harz fuhr.

Arbeiten unter besonderen Bedingungen

Die Dimension der Aufgabe war historisch: Durch die Borkenkäferkalamität gingen in den betroffenen Bereichen nicht nur einzelne Bestände verloren. Vielmehr führte der massive Befall in weiten Teilen des Harzes zu großflächigen Waldverlusten. Gleichzeitig verloren die Forstbetriebe durch die ungeplante Aufarbeitung große Teile ihrer Holzvorräte und damit einen wesentlichen Teil ihrer wirtschaftlichen Grundlage.

Für die Forstleute bedeutete dies: arbeiten, solange die Witterung und die Rahmenbedingungen es zuließen, Schadholz möglichst schnell aufarbeiten und dabei gleichzeitig den Blick auf die Zukunft des Waldes richten.

Doch aus dem zunächst als Unterstützung gedachten Einsatz entwickelte sich im Laufe der Monate eine besondere Zusammenarbeit.

„Wir wurden im Harz vom ersten Tag an mit offenen Armen empfangen. Schnell waren wir nicht mehr nur Unterstützung aus Nienburg, sondern Teil des Teams. Dieses Miteinander hat die anstrengende Arbeit leichter gemacht und dafür gesorgt, dass wir in den folgenden Jahren immer wieder gern ins Forstamt Riefensbeek zurückgekehrt sind“, berichtet Busse.

Aus Kollegen wurden Freunde

Die gemeinsame Arbeit beschränkte sich bald nicht mehr auf die Maschinen und die Arbeitsflächen. Das Team aus Nienburg und die Kolleginnen und Kollegen aus Riefensbeek verbrachten auch ihre Freizeit miteinander. Gemeinsam wurden schwierige Situationen bewältigt, Rückschläge verarbeitet und Erfolge gefeiert.

Ein sichtbares Zeichen dieser Verbundenheit entstand bereits im November 2020. Die Kolleginnen und Kollegen aus Riefensbeek errichteten damals als Überraschung für die Nienburger das Nienburger Tor. An der Entstehung war unter anderem das Team des Reviers Freiheit und Jörg Müller beteiligt. Die Landmarke sollte an den außergewöhnlichen Einsatz und die besondere Zusammenarbeit während der Borkenkäferkalamität erinnern.

„Damit hat damals wirklich niemand gerechnet. Das Nienburger Tor war für uns eine riesige Überraschung“, erinnert sich Barkemeyer.

Ein Erinnerungsort für Wandernde

Das Nienburger Tor steht inzwischen nicht mehr nur für die Zusammenarbeit der Forstleute. Im Mai 2026 hat der-Zweigverein Osterode des Harzklubs eine neue Schutzhütte am Nienburger Tor aufgestellt und mit einem temporären Sonderstempel als „Bonbon“ für Freunde der Harzer Wandernadel eröffnet. Mit der neuen Schutzhütte erhält der Erinnerungsort eine zusätzliche Funktion. Wandernde und Radfahrende können hier künftig Rast machen und die Geschichte des Ortes kennenlernen.

Wer im Harz unterwegs ist, kann das Nienburger Tor beispielsweise bei einer Wanderung aus Richtung Osterode oder Bad Grund erreichen. Der Ort bietet sich für eine Pause und natürlich auch für ein Erinnerungsfoto an.

Auch für die Nienburger Forstleute ist die Wegmarke inzwischen zu einem Stück eigener Geschichte geworden. Der ursprüngliche Firstbalken des Tores musste mittlerweile erneuert werden. Das Original wurde von Markus Busse und Jan-Lorenz Woitas zurück nach Nienburg gebracht. Dort soll es künftig an der neuen Betriebsstätte des Maschinenstützpunktes an der neuen Halle hängen und an den außergewöhnlichen Einsatz im Harz erinnern.

Die Verbindung besteht bis heute

Auch nach dem eigentlichen Unterstützungseinsatz riss der Kontakt zwischen den Forstleuten nicht ab. Im Herbst 2023 unterstützte das Team des Reviers Freiheit beispielsweise noch einmal bei einer großen Verkehrssicherungsmaßnahme an der B6. Eine Woche lang wurde dort gemeinsam motormanuell gearbeitet, um angesichts des laufenden Straßenverkehrs den Arbeitsfortschritt zu erhöhen.

Der Einsatz im Harz begann als Hilfe unter außergewöhnlichen Bedingungen. Er wurde zu einer jahrelangen Zusammenarbeit und schließlich zu einer Freundschaft zwischen Forstleuten aus zwei unterschiedlichen Regionen Niedersachsens.

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