Große Bauteile für kleine Bachbewohner

 In Forstamt Riefensbeek, Forstamt Seesen, Harz, Regionale Presseregion Süd, Wegebau

Landesforsten und NLWKN beseitigen “Stolpersteine“ im Fließgewässer der Großen Bremke

(Osterode / Göttingen) Die Große Bremke ist ökologisch aufgewertet und für Lebewesen wieder durchgängig passierbar. Das Fließgewässer ist auf seiner gesamten Länge von der Quelle bis zur Mündung in die Söse von künstlichen Hindernissen befreit. Brückenbauteile und Durchlässe erschwerten Fischen und anderen Gewässerorganismen bislang die Wanderung in Richtung Oberlauf. Die Niedersächsischen Landesforsten haben nun alle Barrieren entfernt und zugleich Lebensräume für Reptilien und Amphibien geschaffen. Der Wegebaustützpunkt der Landesforsten und das Forstamt Riefensbeek haben drei alte Brücken, Verrohrungen und Ufermauern zurückgebaut.

Die Bauarbeiten am Fließgewässer dauerten vom vergangenen Dezember bis zum Juli 2026. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten– und Naturschutz (NLWKN) beriet, plante und unterstützte die Revitalisierung der Großen Bremke. Das Projekt wurde vom Land Niedersachsen aus Mitteln für Naturnahe Entwicklung der Oberflächengewässer (NEOG) gefördert.

Große Bauteile verbreitern die Bachsohle

Der Austausch von Brückenbauteilen und Durchlässen war notwendig, um die Bachsohle zu verbreitern und Stufen oder Absätze zu entfernen. „Diese Barrieren im Gewässer beeinträchtigen die ökologische Durchgängigkeit“, erläutert Kathrin Moggert. Die Kasseler Umweltingenieurin mit Schwerpunkt Wasserbau arbeitet beim NLWKN in der Betriebsstelle Süd am Standort Göttingen. Sie hat gemeinsam mit den Forst- und Wegebauspezialisten die Umbaumaßnahmen am und um das Gewässer entwickelt. „Wir haben einen 230 Meter langen und parallel zum Gewässer verlaufenden Forstweg zurückgebaut. Stattdessen ist der neue Forstweg nur noch 100 Meter lang und weit genug vom Gewässer entfernt. Jetzt kann sich die Auenvegetation naturnah entfalten und der Fahrweg beeinträchtigt die Gewässerökologie nicht mehr“, ergänzt Kathrin Moggert. Die neuen Fließquerschnitte seien jetzt größer als bei den älteren, kleineren Brücken zuvor.  Außerdem haben die neuen Bauteile keine Betonsohle mehr. Das Wasser fließt wieder über natürliches Material, so die Planungsingenieurin vom NLWKN.

Bewohner im Gebirgsbach profitieren von der Gewässeraufwertung

Die Große Bremke entspringt im Oberharz und fließt bei Petershütte in die Söse. Sie gilt als Ersatzgewässer der Söse, da diese infolge der Talsperre nicht durchgängig ist. Der Gewässerabschnitt innerhalb der Ortslage Petershütte wurde bereits vor einigen Jahren durch den Unterhaltungsverband Rhume und die Stadt Osterode renaturiert. Die Arbeiten zur Revitalisierung des Oberlaufs erfolgten nun auf rund vier Kilometer Länge im Große Bremke Tal, das durch die Förstereien Freiheit und Lerbach verläuft. Förster Daniel Zimmermann hatte während seiner Leitungstätigkeit im Forstamt Riefensbeek das Projekt übernommen und aus seiner neuen Funktion am NFBz weiter betreut. Auf das Ergebnis der Kooperation blickt er mit Freude und gewissem Stolz: „Wir schaffen mehr Diversität, lenken die Strömung, haben Totholz und Wurzelstubben eingebaut und sogenannte Bermen geschaffen. Das sind Ausbuchtung mit Flachwasserzonen, die als Laichgewässer dienen“.

Auch sein Kollege Robert Stein zieht eine positive Bilanz: „Die Arbeiten sind im Zeitplan und gut vorangekommen, ohne die Gewässerbiologie zu stören. Der trockene Sommer hat uns dabei sehr geholfen, die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten hat reibungslos geklappt“, fasst der Leiter des Wegebaustützpunktes im Forstamt Seesen zusammen. Beim Rückbau einer älteren Gewölbebrücke seien Natursteine aus der Mauer wieder eingebaut oder Bodenmaterial wiederverwendet worden, sieht der Stützpunktleiter Robert Stein Vorteile, wenn Beteiligte aus Waldbewirtschaftung, Naturschutz, Wegebau und Gewässerökologie gemeinsam planen und bauen würden.

Die eigentlichen Profiteuer der barrierefreien Bremke sind die typischen Bewohner im und am Gebirgsgewässer: Fische wie die Groppe (FFH-Leitart) und Harzer Bachforelle oder Vögel wie der Schwarzstorch oder die Wasseramsel. Letztere sind regelmäßige Bewohner in den Wäldern und naturnahen Bachläufen, die das Forstamt Riefensbeek kennzeichnen. „Bachbewohner, die nicht durch die Sösetalsperre gelangen, können nun die Große Bremke als Aufstiegshilfe in den Oberharz benutzen“, freut sich Kathrin Moggert über die erfolgreiche Revitalisierung eines unverbauten Fließgewässers.

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Nach Abschluss der Arbeiten stehen Robert Stein, Kathrin Moggert, Daniel Zimmermann und Lars Neumeyer in der Revierförsterei Freiheit des Forstamtes Riefensbeek vor der neu gebauten Brücke und dem verlegten Waldweg im Oberlauf der Großen Bremke.

Quellen: Landesforsten / NLWKN

 

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