33 Jahre in der Teichwirtschaft Ahlhorn den Traumberuf gelebt
Friedrich von Heydebrand wechselt in den Ruhestand
(Ahlhorn/Emstek) Den Traumjob hängt man nicht so schnell an den Nagel. Nach 33 Jahren aber kann Friedrich von Heydebrand sagen, dass es gut gewesen ist. Der Ruhestand steht bevor und er hinterlässt einen gut aufgestellten Betrieb, die Teichwirtschaft Ahlhorn der Niedersächsischen Landesforsten, seinem Nachfolger Fischwirtschaftsmeister André Albers.
Von Förstersohn zu Fischwirt
Obwohl er in eine Försterfamilie geboren wurde, war dem jungen Friedrich von Heydebrand früh klar, dass er kein Förster werden wollte. „Meine Passion fürs Fischen wurde sehr früh geweckt. Als ich neun Jahre alt war, wurde mein Vater nach Munster versetzt, wo es in einem Forstrevier zahlreiche Teiche und Bäche gab. Der zuständige Revierförster nahm mich oft mit, und mit 12 Jahren hatte ich schon meinen eigenen Fischteich“, schildert er begeistert.
Nach der Schule folgte 1978 also die Ausbildung zum Fischwirt in der Nähe von Celle. Nach zweieinhalbjähriger Bundeswehrzeit als Reserveoffiziersanwärter und einem Jahr Landbau an der Fachoberschule in Ebstorf trat von Heydebrand in einem Forellenbetrieb in Amelinghausen seine erste Stelle als Geselle an. Es folgten zwei weitere Jahre in einer Forellenzucht bei Göttingen und 1988 eine Anstellung in Wildeshausen bei einer Firma, die weltweit Indooranlagen für Fischzuchten baute, bewirtschaftete und verkaufte. „In dieser Zeit war ich auch auf Montage, unter anderem in der Schweiz. Auch meinen Meister machte ich in dieser Zeit“, schildert der 66-Jährige.
Bebtriebsleitung ist größter Wunsch
Was sich Fritz von Heydebrand wirklich wünschte war es, eine eigene Fischzucht zu leiten. Diese Gelegenheit sollte sich 1993 ergeben. „Die Teichwirtschaft Ahlhorn suchte einen neuen Betriebsleiter, weil der alte Leiter in Rente gegangen war. Ich bewarb mich, die Wahl fiel aber zunächst auf einen anderen Bewerber“, erzählt der Fischwirtschaftsmeister. Nachdem dieses Arbeitsverhältnis aufgelöst wurde, trat das Niedersächsische Forstamt Ahlhorn, welchem die Teichwirtschaft bis heute zugeordnet ist, an von Heydebrand heran, der sofort zusagte.
„Es war ein Traum. Die ganze Teichwirtschaft war in die Jahre gekommen. Vom Forstamt bekam ich einen großen Gestaltungsspielraum, und Geld stand nach einer Umstellung der Finanzmittelzuweisung zur Verfügung“, berichtet der angehende Ruheständler. So wurden damals über 20 Hektar Teiche saniert, gut zwei Kilometer Dämme neu aufgesetzt und annähernd über 100 Betonmönche neu eingebaut.
Zeit der Sanierung und Modernisierung
Mit der Gründung der Niedersächsischen Landesforsten als Anstalt öffentlichen Rechts im Jahr 2005 erhielt die Sanierung der Teichwirtschaft noch einmal Vortrieb. „2007 konnten wir den Hofladen samt Büro- und Sozialraum, Fischverarbeitung und Räucherei eröffnen. Damit haben wir, neben dem Verkauf von Besatzfischen, uns neue Absatzwege für unsere veredelten Produkte erschlossen“, berichtet von Heydebrand. Dazu gehört mittlerweile auch ein umfangreiches Angebot an Wildprodukten.
2012 schloss der Betrieb die Gestaltung des Hofgeländes ab. Alle sanierten, zum Teil unter Denkmalschutz stehenden Gebäude und die neu errichteten Betriebsanlagen wurden damit in einem ansprechenden Rahmen räumlich zusammengeführt.
„Ein I-Tüpfelchen ist das sanierte Alte Hälterhaus. Es zeigt in einer Ausstellung die Arbeit in der Teichwirtschaft aus vergangener Zeit. Sehr sehenswert aus meiner Sicht“, schwärmt der Fischwirtmeister.
Modellregion Ahlhorner Fischteiche
Mit der Ausrufung der „Modellregion Ahlhorner Fischteiche“ 2025 bekommt der Schutzgedanke in der Teichwirtschaft mehr Raum. „Wir wollen das Teichsystem zukünftig so nutzen, dass es mehr dem Wasserrückhalt und damit der Grundwassermehrung und Trinkwassergewinnung dient. Das Staurecht, welches wir innehaben, ist dabei von großem Vorteil. Schützen durch Nutzen. Die Bewirtschaftung, das Befüllen und Ablassen der Teiche dient gleichzeitig dem Naturschutz und der Bewahrung der kostbaren Ressource Wasser“, so von Heydebrand.
Wichtig ist es dem Fischwirtmeister die stets gute Teamarbeit zu betonen. Von Heydebrand: „So ein Betrieb ist immer ein Gemeinschaftsprojekt. Das hat all die Jahre hindurch immer gut funktioniert. Auch die 15 Auszubildenden während meiner Zeit haben hier viel gelernt, denke ich.“ Seine zahlreichen Ehrenämter seien am Rande erwähnt: Vorstandsmitglied des Niedersächsischen Landesfischereiverbandes, Mitglied im Fischereiausschuss der Niedersächsischen Landwirtschaftskammer und Mitglied im Ausschuss für Ausbildung.
„Ich hab’s supergerne gemacht!“
Zusammen mit Friedrich von Heydebrand verlässt auch seine Frau Silvia den Betrieb. Sie hat den Hofladen geführt. „Meine Frau ist eigentlich Berufsimkerin. Dieser Leidenschaft will sie wieder mehr nachgehen und eine Honigproduktion und -vermarktung in Ahlhorn aufbauen. Ich habe jetzt mehr Zeit und unterstütze sie dabei“, blickt der Fischwirtmeister in die Zukunft. Und rückblickend: „Ich hab’s super gerne gemacht!“, sagt er und wünscht seinem Nachfolger mit dessen Team viel Erfolg.
Stefan Grußdorf, Leiter des Forstamtes Ahlhorn, und das gesamte Forstamtsteam wünschen Friedrich von Heydebrand für den Ruhestand alles Gute und vor allem Gesundheit.
Hintergrund
- Jahresproduktion: 10 t Forellen (etwa 60.000 Forellen), 30 t Karpfen (etwa 50.000 bis 100.000 kleine Karpfen) werden jährlich aufgezogen bis zur fang- und küchenfertigen Größe
- Weitere Produkte: Schleien, Rotaugen und Hechte
- Besatzfische für Anglersportvereine, Privatteiche und andere Betriebe
- Im Verkauf: Überwiegend Forellen und Lachsforellen, zur gegebenen Saison Karpfen, sowohl geräuchert, als auch frisch geschlachtet
- Wildangebot: Rehwild gefroren als Braten oder Bratwurst, gelegentlich auch Dam- und Schwarzwild im Angebot
- Die Teichwirtschaft als Ausbildungsbetrieb: In 30 Jahren wurden 15 Auszubildende zum/zur Fischwirt*in ausgebildet. Davon 2 mit der Bestnote 1. Auch aktuell sucht der Betrieb interessierte und fähige junge Menschen, die den Beruf erlernen wollen.
- Weiterführende Informationen unter: Teichwirtschaft Ahlhorn – Niedersächsische Landesforsten
Bilder (Landesforsten/Schmidt) zum kostenlosen Download finden Sie hier.
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