Lernen von Grund auf

 In Forstamt Ahlhorn, Regionale Presseregion West

Standortkartierung im Baumweg der Niedersächsischen Landesforsten

(Emstek/Ahlhorn) Försterinnen und Förster arbeiten mit und in der Natur. Um den Wald verstehen und ihn später gut pflegen sowie entwickeln zu können, ist ein umfangreiches Wissen nötig. Im diesjährigen Referendariat erforschen die jungen Forstleute bei der Standortkartierung den Waldboden im Baumweg des Forstamtes Ahlhorn der Niedersächsischen Landesforsten. Sie lernen das Ökosystem Wald mit dessen Stoffkreisläufen im wahrsten Sinne des Wortes von Grund auf kennen.

Seit vielen Jahrzehnten untersuchen und kartieren die Niedersächsischen Landesforsten (NLF) die Böden der Landeswälder in Niedersachsen. Das Verständnis der Abläufe im Boden, das Wissen um die Nährstoffversorgung, den Wasserhaushalt und das Bodensubstrat, die Körnung, helfen den Forstleuten zu verstehen, welche Baumarten auf welchen Böden gut wachsen können. Ziel ist die Schaffung eines standort- und klimagerechten Waldes.

Alte Kartierung ist über 50 Jahre alt

„Die Kartierung im Waldgebiet Baumweg des Niedersächsischen Forstamtes Ahlhorn ist von 1974 und damit über 50 Jahre alt. In den letzten Jahrzehnten hat sich der Grundwasserstand hier stark verändert. Das hat Einfluss auf den Wasserhaushalt des Bodens und damit auch auf die Leistungsfähigkeit der Wälder. Eine Aktualisierung der Bodenaufnahme ist deshalb nötig und dient auch den Kolleginnen und Kollegen, die hier die Modellregion Ahlhorner Fischteiche entwickeln“, schildert Thomas Jensen, Förster und Leiter der forstlichen Standortkunde bei den NLF.

Dieses Jahr übernehmen die jungen Forstreferendarinnen und Forstreferendare die Kartierung. Sie ist der erste Teil ihrer Ausbildung und schafft die Grundlage für das Verständnis der Stoffkreisläufe im Wald. „Eine gute Standortkartierung ist die Basis für den Waldbau der Niedersächsischen Landesforsten. Wir orientieren uns an den natürlichen Waldgesellschaften. Der Boden gibt uns Hinweise, wie diese Waldtypen aussehen können, denn jede Baumart hat individuelle Ansprüche, was ihren Wasser- und Nährstoffbedarf angeht“, erklärt Rene Römermann, Forstreferendar des diesjährigen Jahrgangs. Baumarten mit ähnlichen Ansprüchen bilden Waldgemeinschaften.

Dem Boden Schritt für Schritt seine Geheimnisse entlocken

Die Kartierung folgt einem festgelegten Schema. Im ersten Schritt, der Grobkartierung, hebt ein Bagger alle 200 mal 200 Meter ein eckiges Loch aus. In diesem untersuchen die Forstleute die Bodenstrukturen an einer Seitenwand, das „Profil“. Von oben nach unten ergeben sich sogenannte Bodenhorizonte, also horizontale Schichten, die sich, je nach Lage und äußeren Einflüssen, verändern.

„Die oberen Bodenhorizonte sind durch Humus, eine intensive Durchwurzelung und bodenbildende Prozesse wie die Podsolierung (Auswaschung von Eisen) geprägt. Niederschlagswasser wird hier gespeichert und von den Pflanzen aufgenommen. Wo Lehm im Untergrund liegen, kann sich Stauwasser bilden. Es hält Wasser länger im Boden fest, kann bei starkem oder lang anhaltendem Wasserstau jedoch auch das Wurzelwachstum beeinträchtigen. Mit zunehmender Tiefe nehmen diese bodenbildenden Prozesse ab. Gleichzeitig bestimmt das Ausgangsmaterial, im Baumweg vor allem Sande, die Wasserspeicherfähigkeit und den Nährstoffhaushalt des Bodens. Im tieferen Unterboden gewinnt schließlich das Grundwasser an Bedeutung. Gerade auf den sandigen Böden der Region ist es ein wichtiger Standortfaktor, weil es den Bäumen über lange Zeiträume konstant Wasser und in begrenztem Umfang auch gelöste Nährstoffe zur Verfügung stellt“, erläutert Jan-Niklas Janßen, Förster für Standortskunde bei den Niedersächsischen Landesforsten.

Arbeitsalltag erproben

Nach der Grobkartierung folgt die Feinkartierung. Alle 100 mal 100 Meter entnehmen die Referendarinnen und Referendare eine Bodenprobe mit einem Erdbohrstock. Es gilt, Übergänge in der Bodenbeschaffenheit genau zu erfassen und kartografisch festzuhalten. Darüber hinaus erfassen sie auch die Humusauflage und die Vegetation. Zur Digitalisierung und Erstellung von Karten werden die Daten verschlüsselt. „Neben dem fachlichen Lernen erproben die jungen Kolleginnen und Kollegen die Selbstorganisation im Berufsalltag. Jede Referendarin und jeder Referendar ist für circa 200 Hektar Wald, das entspricht etwa 300 Fußballfeldern, zuständig. Wer das gemeistert hat, hat nicht nur etwas über den Boden gelernt“, so Jensen, der auch Exkursionen ins Bergland für die jungen Forstleute plant.

Mit der Standortkartierung geben die Bodenkundlerinnen und Bodenkundlern den Försterinnen und Förstern in der Fläche einen Handlungsrahmen an die Hand. Zusammen mit der Biotopkartierung und der Forstbetriebsplanung treffen die Forstleute Entscheidungen zur standort- und klimagerechten Baumartenwahl und zielgerichteten Pflege. Dazu gehört zum Beispiel auch, ob ein Nadelwald wegen Versauerung gekalkt werden sollte. „Im Zuge des Klimawandels haben wir unsere Standortkartierung zweistufig weiterentwickelt. Neben dem Beschreiben der Bodenprofile nehmen wir jetzt auch die Klimadaten und die Grundwasserveränderungen mit in den Blick“, erläutert Jensen.

Der Boden ist das Fundament des Waldes

Rene Römermann nimmt viel mit bei diesem ersten Ausbildungsabschnitt: „Die Kombination aus fachlichem Lernen und Selbstorganisation ist sehr gut. Durch das ständige Wiederholen der Arbeitsabläufe beim Beschreiben der Profile festigt sich das Wissen und die Arbeit geht von Mal zum Mal flüssiger von der Hand. Eine konzentrierte Routine stellt sich ein. Die wichtigste Erkenntnis ist aber, dass der Boden das Fundament unseres Waldes und damit unserer Forstwirtschaft ist.“

 

Hintergrund

Der Standort der Bäume ist vor allem gekennzeichnet durch den Boden, das Klima und die Höhenlage. Im Rahmen der forstlichen Standortskartierung werden diese für das Waldwachstum wichtigen ökologischen Bedingungen erfasst. Die Standortskartierung stellt sowohl für die forstliche Praxis als auch für die Forschung eine wichtige Grundlage dar. Sie hat wesentlichen Einfluss auf die Baumartenwahl und die weitere Bestandesbehandlung.

Der Boden bildet die Grundlage für gesunde und stabile Wälder. In den Waldböden laufen permanent biologische, chemische und physikalische Prozesse ab. Diese haben einerseits natürliche Ursachen, andererseits gehen sie mittelbar und unmittelbar auf menschliche Einflüsse zurück. Ein Beispiel ist die Bodenversauerung durch Stickstoff.

Neben den natürlichen und durch Stoffeinträge mittelbar verursachten Prozessen im Boden wirkt sich die Art und Weise der Waldbewirtschaftung auf Humushaushalt und Zustand der Böden aus. Beispiele für aktuelle Forschungsansätze sind hier: Der Nährstoffentzug durch Biomassenutzung (Holzernte), Befahrung von Waldböden mit schweren Maschinen und die Bearbeitung der Waldböden bei Neuanpflanzungen.

(Quelle: www.nw-fva.de)

 

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