Friederikeneiche erhält besondere Anerkennung

 In Forstamt Neuenburg, Regionale Presseregion West

Uralter Baum im Hasbruch wird Nationalerbe-Baum

(Hasbruch/Neuenburg/Tharandt) Die Friederikeneiche im Hasbruch der Niedersächsischen Landesforsten ist als einer der ältesten Bäume Norddeutschlands überregional bekannt. Der gut 800 Jahre alte Waldweidebaum erhält jetzt vom Kuratorium Nationalerbe-Bäume der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft eine besondere Anerkennung sowie langfristige Perspektiven für Pflege und Erhalt, damit er in Würde altern kann.

800 Jahre frei wachsen können

Mit einem Festakt im Wald verlieh das Kuratorium Nationalerbe-Bäume jetzt die Auszeichnung „Nationalerbe-Baum“ für die etwa 800 Jahre alte Friederikeneiche im Hasbruch. Ausgezeichnet wurde das Forstamt Neuenburg der Niedersächsischen Landesforsten als Eigentümer des besonderen Baumes. Das Kuratorium hat die alte Huteeiche nicht nur wegen ihres hohen Alters und ihres enormen Stammumfangs ausgewählt. Die Eiche sticht auch hervor, weil sie über die Jahrzehnte und Jahrhunderte, im Vergleich zum umliegenden Naturwald, immer wieder freigestellt wurde und damit ihre große Krone erhalten konnte.

„Die Friederikeneiche im Hasbruch ist etwas Besonderes. In einem Natur- und Prozessschutzgebiet gelegen, hätte sie sich nach dem Ende der Hutewaldnutzung eigentlich wie ihre umliegenden Nachbarn entwickelt: Aufgrund des dichten Bestandes hätte sich ihre Krone langsam zurückentwickelt und der Baum wäre abgestorben. Weil sie aber schon seit dem 19. Jahrhundert durch ihre Benennung nach einer der großherzöglichen Töchter auch eine kulturelle Bedeutung hat, genoss sie bereits früh eine besondere Pflege“, schildert Prof. Dr. Andreas Roloff, Leiter des Kuratoriums Nationalerbe-Bäume.

Die Friederikeneiche erzählt Geschichte

Uwe Mestemacher, Leiter des Forstamtes Neuenburg, freut sich über die Auszeichnung: „Die Friederikeneiche ist im Nordwesten weithin bekannt und für viele Menschen ein wichtiger Bezugspunkt. Sie steht dabei sinnbildlich für die Waldgeschichte des Hasbruchs und den Erhalt der Eichenwälder insgesamt. Es freut uns sehr, dass die Friederikeneiche und damit auch die Arbeit unserer Vorgänger mit der Auszeichnung nun auch überregional die verdiente Wertschätzung erhält.“

„Die Friederikeneiche zeigt auf eindrucksvolle Weise, welche Bedeutung alte Bäume für unsere Wälder und für die Menschen haben. Als Landesforsten verbinden wir nachhaltige Waldbewirtschaftung mit dem Schutz besonderer Lebensräume und Naturwerte. Dass dieser außergewöhnliche Baum nun als Nationalerbe-Baum ausgezeichnet wird, freut uns sehr“, sagt Dr. Klaus Merker, Präsident der Niedersächsischen Landesforsten, und dankt dem Kuratorium für die Auszeichnung.

Besondere Bedeutung als Habitatbaum

Landrat Dr. Pundt und Frau Inka Gelker als Leiterin der Unteren Naturschutz- und Waldbehörde vom Landkreis Oldenburg sind sich einig: „Wir freuen uns über die Anerkennung eines Nationalerbe-Baumes im Landkreis. Die Friederikeneiche, als eine der ältesten noch lebenden Zeugen einer jahrhundertealten historischen Nutzungsform im Hasbruch, ist überregional bekannt und hat heute als Habitatbaum für zahlreiche Arten wie Fledermäuse, Spechte oder den Eremiten eine besondere Funktion.“

Alle Beteiligten wünschen der Friederikeneiche ein langes Leben, damit auch die Enkel- und Urenkelkinder diesen besonderen Baum noch bewundern können.

 

Hintergrund

Uraltbäume

Langlebige Baumarten wie Eiche, Linde oder Esskastanie können ein Alter von 400 bis über1.000Jahre erreichen, die Grannenkiefer sogar ca. 5.000 Jahre. Uraltbäume tolerieren Klimaveränderungen, entwickeln urwüchsige, skulpturale Formen und sind als Habitatbäume, Denkmäler und Erholungsorte besonders wertvoll. Als häufigste Baum-Naturdenkmäler benötigen sie spezielle Pflege, um erhalten zu bleiben. Wo die Verkehrssicherheit im Vordergrund steht, sind ebenfalls pflegende Maßnahmen erforderlich. Im günstigsten Fall bleiben sie sich selbst überlassen, da sie ihre Lebensprozesse selbst optimieren. Ihre Pflanzung ist ein Akt des Zukunftsglaubens.

Man unterscheidet drei Gruppen von Bäumen: kurzlebige (80 bis 100 Jahre, z.B. Birke, Weide), mittelalte (150 bis 300 Jahre, z.B. Buche, Esche) und langlebige (400+ Jahre, z.B. Eiche, Linde). Letztere durchlaufen 10 Alterungsstadien. Ab 200 bis 400 Jahren gehören Absterbeprozesse zur Überlebensstrategie: Kronen schrumpfen, Transportwege verkürzen sich. Totäste sind nicht zwingend ein Todeszeichen. Durch Reiterationen (Wiederholung) und Sekundärkronen kann ein Neuaufbau erfolgen. Klonbäume wie der Pando-Klon (40.000 Zitterpappeln) sind quasi unsterblich.

Kuratorium Nationalerbe-Bäume

Zum Schutz und zur Pflege potenzieller Uralt-Bäume besteht Handlungsbedarf, um ihren langfristigen Erhalt zu sichern. In Deutschland gibt es wenige dieser Uraltbäume. Eine Ursache sind hohe Sicherheitsanforderungen, die zu Eingriffen vor allem in die Kronenbereiche oder zur Fällung führen, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Zusammen mit Stressfaktoren und Standortproblemen führt dies zu vorzeitiger Alterung bis hin zum Absterben. Alte Bäume sind wichtige Lebensräume und Naturdenkmäler, daher besteht eine Verantwortung für ihren Erhalt zugunsten zukünftiger Generationen.

Das Kuratorium Nationalerbe-Baum will 100 ausgewählte Bäume als „Nationalerbe-Baum“ mit stärkerer Förderung und sensibler Pflege schützen. In Frage kommen Exemplare mit mindestens 400 cm Stammumfang (gemessen in 1,3 m Höhe) und einem Alter von möglichst über 400 Jahren. Sie müssen zu Arten gehören, die in Deutschland 500 bis 1.000 Jahre alt werden können, wie Eibe, Eiche, Ginkgo, Esskastanie, Linde, Platane, Riesenmammutbaum oder Flatterulme (im Gebirge auch Bergahorn, Arve, Europäische Lärche). Diese Bäume sind auch wissenschaftlich hochinteressant. Das Kuratorium, welches der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft (DDG) entspringt, begleitet die Auswahl, die Öffentlichkeitsarbeit und die Programmgestaltung.

Die Initiative erfordert finanzielle Mittel für Pflegekonzepte, Sicherungsmaßnahmen und Öffentlichkeitsarbeit. Die Eva Mayr-Stihl-Stiftung übernimmt die Finanzierung, sodass in einigen Jahren bereits 100 Bäume ausgerufen und die notwendigen Pflegepläne entwickelt sein sollen.

Der Hasbruch

Der Hasbruch ist ein rund 630 Hektar großes, historisches Laubwaldgebiet zwischen Delmenhorst und Oldenburg und gehört zur Revierförsterei des Forstamtes Neuenburg. Seit über 150 Jahren zieht er Menschen an. Besonders der „Urwald“, ein Relikt des früheren Hutewaldes, faszinierte früh KünstlerInnen, Forschende und Erholungssuchende. Der Name Hasbruch könnte von einem indogermanischen Wort für Wasser und dem niederdeutschen „brook“ (Bruch) abstammen und verweist auf feuchtes, tief gelegenes Land.

Erste urkundliche Erwähnungen des Gebiets stammen aus dem 13. Jahrhundert, als der Forstort Kleiriede als Eigentum des Klosters Hude genannt wurde. Im 17. und 18. Jahrhundert führten ungeregelte Holz- und Streunutzung sowie Vieheintrieb zum Rückgang ganzer Waldteile, sodass eine offene Trift- und Hutelandschaft entstand. Ab 1800 begann die Wiederaufforstung, und die Ablösung der Weiderechte (1815–1882) leitete den Übergang zur Hochwaldbewirtschaftung ein.

Unter Großherzog Nikolaus Friedrich Peter wurden einige Bestände als „Ausschlussholzung“ geschützt. 1938 wurde ein Teil als „Urwald Hasbruch“ unter Naturschutz gestellt, doch nach dem Zweiten Weltkrieg ging fast die Hälfte durch Holzentnahme verloren. 1989 entstand ein 55,5 Hektar großes Naturschutzgebiet, davon 40 Hektar als „Naturwald“ ohne menschliches Eingreifen. Seit 1976 steht der Hasbruch unter Landschaftsschutz, seit 1997 ist er Naturschutzgebiet und FFH-Gebiet. Heute ist er ein europaweit bedeutendes Schutzgebiet und ein beliebtes Ausflugsziel.

Die Niedersächsischen Landesforsten als Eigentümerin pflegen und bewirtschaften den Hasbruch in Abstimmung mit den naturschutzfachlichen Regelungen. Seit 2023 gibt es wieder eine Waldweidewirtschaft im Hasbruch. Auf 36 Hektar, davon 24 Wald, weiden mittlerweile 18 Schottische Hochlandrinder und schaffen durch Tritt, Verbiss und Dung eine Vielfalt an ökologische Strukturen, die als gute Voraussetzung für die Erhöhung der Artenvielfalt dienen.

Die Friederikeneiche

Die Friederikeneiche ist ein Naturdenkmal in der niedersächsischen Gemeinde Hude im Landkreis Oldenburg. Sie steht im Hasbruch, einem unter Naturschutz stehenden Eichen- und Hainbuchenwald etwa 20 Kilometer östlich von Oldenburg. Ihr Stamm weist einen Umfang von etwa 7,81 Metern in Brusthöhe auf (Stand 2014).

Das Alter der Friederikeneiche wird unterschiedlich angegeben: Einige Quellen schätzen es auf bis zu 1200 Jahre, was sie zur ältesten lebenden Eiche im Hasbruch und einer der ältesten Deutschlands machen würde, andere gehen von 600–700 Jahren aus.

Ihr charakteristischer Wuchs geht auf die mittelalterliche Waldweide zurück, bei der das Laub der Bäume als Viehfutter diente. Der Name der Eiche geht vermutlich auf die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück und leitet sich von Friederike, einer Tochter des Großherzogs Paul Friedrich August, ab.

Im Rahmen eines Projekts der Umweltstiftung Weser-Ems werden aus ihren Eicheln junge Eichen gezüchtet, die als Botschafter für Umwelt- und Klimaschutz im ehemaligen Gebiet des Großherzogtums Oldenburg gepflanzt werden sollen.

 

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