Renaturierung im Limker Bruch beginnt
Renaturierung im Limker Bruch beginnt
Ende September starten die Niedersächsischen Landesforsten mit der Renaturierung des Limker Bruchs im Wildnisgebiet Solling. Fichten werden mit einer Seilkrananlage bodenschonend aus den nassen Bereichen entnommen, anschließend sollen alte Entwässerungsgräben verschlossen werden. So soll wieder mehr Wasser in den Moor-, Quell- und Feuchtwaldbereichen bleiben. Die Arbeiten dauern voraussichtlich bis Ende Februar und führen zeitweise zu Sperrungen von Waldwegen.
Der Limker Bruch soll wieder zu einem richtigen „Bruch“ werden. Denn das „Bruch“ im Namen beschreibt, dass es sich bei dieser Gegend um sumpfiges Land oder ein von Bäumen bewachsenes Moor handelte.
Davon ist bis heute einiges zu entdecken. An zahlreichen Stellen treten Quellen aus dem Waldboden, kleine Rinnsale durchziehen den Wald und an besonders nassen Stellen wachsen Torfmoose. Hier entspringt auch der Riepenbach, der das Wasser des Limker Bruchs nach Norden trägt und später in die Ilme mündet.
Doch wer heute an der Grasborner Bruchstraße entlang des Limker Bruchs läuft, sieht vor allem Fichtenwald. Wie viele nasse Standorte im Solling wurde auch der Limker Bruch in der Vergangenheit durch Gräben entwässert und mit Fichten aufgeforstet. Bis heute leiten alte Gräben Wasser aus den Moor-, Quell- und Feuchtwaldbereichen ab.
Das soll sich nun ändern.
Bodenschonende Holzernte mit dem Seilkran
Der erste sichtbare Schritt der Renaturierung beginnt Ende September. Die Fichten auf den empfindlichen Nassstandorten werden entnommen. Dabei geht es nicht nur darum, nicht standortgerechte Baumarten zurückzunehmen. Auch für die Entwicklung des Moores spielt die Fichtenentnahme eine wichtige Rolle.
Die dichten Kronen fangen einen großen Teil des Niederschlags auf, bevor er den Boden erreicht. Ein Teil dieses Wassers verdunstet direkt aus den Kronen. Werden die Fichten entnommen, erreicht wieder mehr Niederschlag den Moorboden. Gleichzeitig gelangt mehr Licht auf die Fläche. Davon profitieren lichtbedürftige Pflanzen der Moorstandorte wie Torfmoose und Wollgräser.
Gerade Moor- und Quellböden reagieren jedoch besonders empfindlich auf Befahrung. Deshalb kommt im Limker Bruch eine mobile Seilkrananlage zum Einsatz. Sie zieht die gefällten Fichten über Seillinien aus dem Bestand. Dabei wird ein Großteil des Baumgewichts vom Seil getragen. Die Stämme können so bodenschonend aus den nassen Flächen gezogen werden, ohne dass diese mit Forstmaschinen befahren werden müssen.
Diese Technik wird sonst vor allem im Gebirge oder auf besonders empfindlichen Standorten eingesetzt. Bei der Moorrenaturierung im Heidelbeerbruch haben die Landesforsten bereits Erfahrungen mit dem Verfahren gesammelt.
Die Arbeiten beginnen voraussichtlich Ende September und werden bis Ende Februar andauern.
Wasser halten statt Wasser ableiten
Mit der Fichtenentnahme allein ist es nicht getan. Untersuchungen und gemeinsame Begänge mit Moorfachleuten haben im Limker Bruch stark vernässte Quellbereiche, Torfmoosmatten und vermoorte Böden bestätigt. Gleichzeitig führen alte Gräben bis heute Wasser aus dem Gebiet ab.
Nach der Fichtenentnahme sollen deshalb die Entwässerungsgräben verschlossen werden. Im Solling haben die Landesforsten dafür bereits verschiedene Verfahren erprobt. Im Heidelbeerbruch wurden alte Gräben mit Sägespänen oder Mineralboden verfüllt. Sägespäne besitzen eine ähnliche Kapillarwirkung wie ein intakter Torfkörper. Das Wasser wird nicht mehr über offene Gräben abgeführt, sondern kann sich wieder flächiger über die Moorbereiche verteilen.
Aus einem System, das Wasser möglichst schnell abführte, wird so wieder eines, das Wasser hält und langsam weitergibt.
Davon profitiert auch die Umgebung. Im Limker Bruch liegen die Quellen des Riepenbaches. Wird Wasser länger in den Moor-, Quell- und Feuchtwaldbereichen gespeichert, kommt das auch der gleichmäßigeren Wasserversorgung des anschließenden Baches zugute. Gleichzeitig werden wertvolle Lebensräume geschützt, der weitere Abbau des im Torf gespeicherten Kohlenstoffs gebremst und der Wasserrückhalt in der Landschaft verbessert.
Vom Fichtenwald zurück zur Wildnis
Die Renaturierung des Limker Bruchs steht in einer längeren Geschichte. Ursprünglich gab es im Solling mehr als 1.000 Hektar Moorfläche. Neben wenigen Hochmooren waren dies vor allem Niedermoore, die häufig von den Quellen des Mittelgebirges gespeist wurden.
Seit dem 18. Jahrhundert wurden fast alle Niedermoore im Solling durch Grabensysteme entwässert. So ließen sich die nassen Flächen forstlich nutzen und vielfach mit Fichten aufforsten. Seit mehr als 15 Jahren kehren die Landesforsten diese Entwicklung an vielen Stellen wieder um. Mehr als 200 Hektar Moore im Solling wurden bereits renaturiert, unter anderem in den Teichwiesen, im Friedrichshäuser Bruch, im Wildenkiel und zuletzt im Heidelbeerbruch.
Nun folgen weitere Flächen im Limker Bruch. Auf insgesamt 18,4 Hektar soll der Fichtenwald zurückgenommen und die Entwicklung von Moor- und Bruchwaldbereichen gefördert werden. 10,9 Hektar der Projektfläche liegen im Wildnisgebiet, weitere 7,5 Hektar außerhalb.
Im Wildnisgebiet verfolgen die Landesforsten das Ziel, Fichtenflächen zurückzunehmen und eine natürliche Waldentwicklung zu ermöglichen. Im Limker Bruch kommt die Wiederherstellung des natürlichen Wasserhaushalts hinzu.
Warum ein Moor Wasser braucht
Moore entstehen dort, wo Böden dauerhaft nass sind. Unter sauerstoffarmen Bedingungen werden abgestorbene Pflanzenreste nicht vollständig zersetzt. Über sehr lange Zeit lagern sie sich als Torf ab.
Eine besondere Rolle spielen Torfmoose. Sie können große Mengen Wasser speichern. Während sie an der Oberfläche weiterwachsen, sterben ältere Pflanzenteile darunter ab und tragen zur Bildung des Torfkörpers bei.
Dieser Prozess verläuft extrem langsam. Im Solling wächst eine Torfschicht durchschnittlich nur etwa einen halben bis einen Millimeter pro Jahr. Einige Torfe können deshalb mehrere Tausend Jahre alt sein.
Wird ein Moor entwässert, gelangt dagegen Sauerstoff in den Torf. Das organische Material wird zersetzt, der Torfkörper schwindet und gespeicherter Kohlenstoff wird freigesetzt. Ein entwässertes Moor einfach sich selbst zu überlassen, reicht deshalb nicht aus. Erst wenn der künstliche Wasserabfluss gestoppt wird, sind die Voraussetzungen geschaffen, dass sich das Moor wieder eigenständig entwickeln kann.
Wie sich der Limker Bruch entwickeln kann
Nach der Fichtenentnahme wird sich das Gebiet zunächst deutlich verändert zeigen. Wo heute dichter Fichtenwald steht, entstehen offene Flächen. Dieser Anblick kann auf den ersten Blick drastisch wirken, ist aber nur eine Momentaufnahme.
Mit dem zurückkehrenden Wasser verändert sich der Lebensraum. Torfmoose können sich ausbreiten, nasse und vermoorte Bereiche weiterentwickeln und neue Feuchtwälder entstehen. An die Stelle der Fichten treten nach und nach Baumarten, die zu diesen Standorten gehören, darunter Moorbirken, Ebereschen und Erlen. Vorhandene standortgerechte Laubbäume bleiben erhalten; teilweise sollen gepflanzte Moorbirken die Entwicklung begünstigen.
Danach übernimmt zunehmend die Natur. Über die Jahre kann ein vielfältiges Mosaik aus nassen offenen Bereichen, Torfmoosflächen, lichten Moorbirkenbeständen, Erlen, Quellen, kleinen Wasserläufen und Totholz entstehen.
Wie der Limker Bruch in einigen Jahrzehnten tatsächlich aussehen wird, wissen wir nicht. Genau diese Offenheit gehört zur Idee des Wildnisgebietes. Wir geben dem Limker Bruch die Möglichkeit zurück, sich wieder selbst zu entwickeln.
Vorübergehende Sperrungen während der Arbeiten
Mit Beginn der Arbeiten sind aus Sicherheitsgründen und für die Holzbringung zeitweise Sperrungen notwendig. Voraussichtlich ab dem 23. September wird zunächst der Grasborner Bruchweg zwischen der Pieskreuzung und dem Riepen gesperrt. Der Weg wird für die Fichtenentnahme und den Abtransport des Holzes benötigt.
Nach Abschluss dieses Arbeitsabschnitts soll der Grasborner Bruchweg wieder freigegeben werden. Anschließend verlagern sich die Arbeiten in den südlichen Bereich. Dann wird voraussichtlich die Uslarer Heerstraße ab der Pieskreuzung in Richtung Steinberg gesperrt sein.
Die Niedersächsischen Landesforsten bitten Waldbesucherinnen und Waldbesucher, die Sperrungen zu beachten und die betroffenen Bereiche während der Arbeiten nicht zu betreten.
