Pflegende Hände für die Ochsenweide
Bergwaldprojekt e.V. zu Gast im Forstamt Neuenburg der Niedersächsischen Landesforsten
(Esens/Neuenburg) Auch in diesem Jahr ist das Bergwaldprojekt e.V. wieder mit einer Gruppe ehrenamtlicher Naturschützerinnen und Naturschützer in der Ochsenweide der Niedersächsischen Landesforsten bei Esens zu Gast. Viele Hände sind zwei Tage damit beschäftigt, Bäume zu ringeln, damit das Moor sich naturnah entwickeln kann. Die Teilnehmenden sollen mit dem Einsatz auch über die Projektwoche hinaus für die akuten Bedrohungen unserer natürlichen Lebensgrundlagen sensibilisiert und zu einem achtsamen Umgang mit den Ressourcen angeregt werden.
Sanfte Pflege für die Ochsenweide
Die Gruppe von Menschen, die dem Moor helfen will, ist bunt gemischt. „17 engagierte Menschen im Alter von 20 bis 70 Jahre sind dieses Mal mit dabei. Gemeinsam arbeiten wir auf rund einem Hektar der Ochsenweide. Für viele ist das eine Herausforderung, denn der Untergrund ist uneben und weich bis nass. Der ein oder andere ist im Torf steckengeblieben und durfte die „Moortaufe“ über sich ergehen lassen“, schildert Nana Schleißing, Försterin und Projektleiterin beim Bergwaldprojekt e.V., mit einem Augenzwinkern.
„Die Ochsenweide ist Teil eines einst größeren Hochmoorgebietes und wird seit 1978 renaturiert. Seit 1984 ist das Gebiet ein Naturschutzgebiet. Wir arbeiten hier regelmäßig, damit aufkeimende Bäume und Sträucher durch ihren Wasserverbrauch die Moorentwicklung nicht bremsen“, erläutert Tido Bent, Förster beim Forstamt Neuenburg. Die störenden Gehölze werden geringelt. Das bedeutet, dass ein ringförmiger Streifen Rinde von den Bäumchen entfernt wird, um den Wasser- und Nährstofftransport zu unterbrechen. Der Baum bleibt stehen, stirbt aber ab. „Der Vorteil dieses Verfahrens ist, dass wir vielfaches Begehen auf dem sensiblen Moor vermeiden können“, so Bent.
Naturschutz als Urlaubsmodell
Den Rest der Woche arbeiten die Ehrenamtlichen, wie schon im letzten Jahr, auf Heideflächen. „Die Projektwochen in Küstennähe sind immer etwas Besonderes. Von Moor über Heide bis Wald finden sich hier zahlreiche Landschaftstypen, in denen gearbeitet werden kann. Und zum Feierabend belohnen wir uns mit einem Blick über den Deich“, schwärmt Schleißing.
Die Teilnehmenden sind engagiert bei der Sache. Sie wollen die Natur aktiv unterstützen. Für manche ist der Einsatz aber auch eine abwechslungsreiche Art den Urlaub zu verbringen. „Für mich ist die Woche hier eine gute Gelegenheit relativ günstig eine neue Ecke von Deutschland kennenzulernen“, sagt eine Teilnehmerin. Denn Kost und Logis wird vom Bergwaldprojekt gestellt. Lediglich die An- und Abreise müssen die Teilnehmenden selbst finanzieren.
Nachhaltigkeit als ganzheitlicher Ansatz
„Die Woche steht unter dem Zeichen der Nachhaltigkeit. Jede Gruppe wird von einem Koch begleitet, der regionale, saisonale und vegetarische Speisen zubereitet. „Wir leben meist in einfachen Gruppenunterkünften oder im Sommer in Zelten und gestalten unseren Aufenthalt ressourcenschonend und gemeinschaftlich. Die Teilnehmenden lernen bei ihrer Arbeit nicht nur die enorme Bedeutung der Ökosysteme unter anderem für Klima und Biodiversität kennen, sondern entwickeln auch eine neue Beziehung zur Natur. Die Erfahrungen der Selbstwirksamkeit während der Woche motiviert die Teilnehmenden oftmals auch dazu, den eigenen Alltag naturverträglicher und damit zukunftsfähiger zu gestalten“, erklärt Nana Schleißing das Konzept des Vereins.
Die Einsatzwoche wurde von Bildungsangeboten begleitet, die unter anderem die durchgeführten Arbeiten in einen größeren Umwelt- und Nachhaltigkeitszusammenhang einordneten. In jeder Bergwaldprojekt-Woche ist zudem eine Exkursion vorgesehen, bei der die vielfältigen Aspekte des Ökosystems vor Ort näher beleuchtet und seine Bedeutung und Bedrohung anschaulich vermittelt werden. Tido Bent zeigt in dieser Woche die Besonderheiten des Neuenburger Holzes mit seinem geschichtsträchtigen Urwaldbereich.
Hintergrund
Bergwaldprojekt e.V.
Das Bergwaldprojekt organisiert seit über 35 Jahren Freiwilligeneinsätze im Wald, Moor und in Offenlandschaften. Dieses Jahr bringt der Verein im Rahmen seiner Einsatzwochen in Deutschland mehr als 5.000 Freiwillige in die Natur. Dazu finden mehr als 170 Projektwochen an gut 90 verschiedenen Standorten in allen Regionen Deutschlands statt. Ziele der Arbeitseinsätze sind, die vielfältigen Funktionen der Ökosysteme wiederherzustellen und zu stabilisieren, den beteiligten Freiwilligen die Bedeutung und Bedrohung der natürlichen Lebensgrundlagen bewusst zu machen und gemeinsam daran zu arbeiten, die Lebens- und Wirtschaftsweise nachhaltiger zu gestalten. Der Verein finanziert seine Arbeit größtenteils aus Spenden.
Weitere Informationen unter Bergwaldprojekt e.V. | Bergwaldprojekt e.V..
Naturschutz im Forstamt Neuenburg
Das Forstamt Neuenburg betreut eine Fläche von 12.600 ha. Die Bewirtschaftung erfolgt nach den Grundsätzen der Langfristigen Ökologischen Waldentwicklung (LÖWE). Durch die 13 Grundsätze werden Mindeststandards des Naturschutzes auf ganzer Fläche gewährleistet. Insgesamt betreut das Forstamt 14 Naturschutzgebiete mit einer Fläche von ca. 2.800 ha. Hinzu kommen 700 ha Ausgleichs- und Ersatzflächen, die im Sinne des Naturschutzes gepflegt werden. Für die Naturschutzflächen stellen die Landesforsten eigenständige Bewirtschaftungspläne auf, die als Grundlage für die Pflegearbeiten dienen.
Weitere Informationen unter Forstamt Neuenburg – Niedersächsische Landesforsten.
Ochsenweide
Die Entwicklung des Moores in der heutigen Ochsenweide begann nach der letzten Eiszeit vor ca. 12.000 Jahren. Die schmelzenden Eismassen ließen den Pegel der Nordsee stark ansteigen. Das führte dazu, dass die Wassermassen bald nicht mehr abfließen konnten und sich in den Niederungen sammelten. Hier bildete sich anfangs Niedermoor mit Schilf und Röhricht. Aber auch Bruchwälder aus Birke und Erle und Eichenwälder konnten sich entwickeln. Infolge der weiteren Entwicklung stellten sich Torfmoose ein, die die maßgebliche Pflanzenart für die Hochmoorentwicklung darstellt. Die Pflanze wächst ewig nach oben weiter. Die unteren Pflanzenteile sterben ab und bilden den Torf. Die Torfschichten erreichten teilweise eine Mächtigkeit von über fünf Metern, wobei das Moor jährlich nur etwa einen Millimeter wächst.
Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Abtorfung der Moore mit dem Ziel der Kultivierung intensiviert. Das Gebiet wurde entwässert. Der gewonnene Torf diente als Brennstoff oder Einstreu. Die Flächen sollten langfristig landwirtschaftlich nutzbar gemacht werden.
Der Wasserdruck im Bereich der jetzigen Ochsenweide war aber so groß, dass eine Kultivierung als landwirtschaftliche Fläche nicht möglich erschien. So wurde bereits im Jahr 1978 entschieden, die Flächen als Moorfläche zu renaturieren. Nach dem Verschluss der Entwässerungsgräben stellte sich schnell wieder ein üppiges Torfmooswachstum ein. Der überwältigende Erfolg der Maßnahmen führte dazu, dass die Fläche bereits 1984 als Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde.
Heute präsentiert sich das Moor als Schutzgebiet von europäischem Rang. Neben der typischen Hochmoorvegetation aus verschiedenen Torfmoosarten, Sonnentau, Wollgras, Moosbeere und Rosmarinheide finden sich auch Pflanzenarten der Übergangsmoore wie Moorlilie und Fieberklee. Die Bekassine findet in dem Moor genauso ihren Lebensraum wie das Schwarzkelchen, der Moorfrosch oder die Kreuzotter.
Bilder (Bergwaldprojekt e.V.) zum kostenlosen Download finden Sie hier.
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