Forsteinrichtung schafft die Grundlage für die nächsten zehn Jahre
Forst-Interessenten-Gemeinschaft Rotenburg wird im Auftrag der Mitglieder durch die Niedersächsischen Landesforsten betreut
(Rotenburg) Wie entwickelt sich der Wald? Welche Baumarten wachsen nach? Wo sind Pflegemaßnahmen notwendig und welche Bestände können in den kommenden Jahren genutzt werden? Antworten auf diese Fragen liefert die sogenannte Forsteinrichtung – die regelmäßige Inventur und Planung eines Waldes. Derzeit wird die rund 290 Hektar große Forst-Interessenten-Gemeinschaft Rotenburg (Forst-IG) neu eingerichtet. Betreut wird die Forst-IG seit Jahrzehnten durch das Forstamt Rotenburg der Niedersächsischen Landesforsten, das die Arbeiten begleitet und die Waldbesitzenden fachlich berät.
Die Forsteinrichtung erfolgt turnusmäßig etwa alle zehn Jahre und bildet die Grundlage für die nachhaltige Bewirtschaftung eines Waldes. Dabei werden sämtliche Waldbestände aufgenommen, beurteilt und daraus Empfehlungen für die kommenden Jahre entwickelt. Diese dienen den Waldbesitzenden, in diesem Fall dem Vorstand der Forst-IG, als fachliche Entscheidungsgrundlage für die zukünftige Bewirtschaftung.
Mit der aktuellen Forsteinrichtung wurde der selbstständige Forsteinrichter und Forstwissenschaftler Andreas Langer beauftragt. Seit Herbst 1992 arbeitet er als freiberuflicher Einrichter und begleitet seit mehr als drei Jahrzehnten Waldbesitzende und Forstbetriebe bei der langfristigen Planung ihrer Wälder.
„Es freut uns, dass Andreas Langer die neue Forsteinrichtung übernimmt. Seine langjährige Erfahrung und seine sorgfältige Arbeitsweise schaffen eine verlässliche Grundlage für die nächsten zehn Jahre der Waldbewirtschaftung“, sagt Forstamtsleiter Georg Bosselmann vom Forstamt Rotenburg.
Während einer Forsteinrichtung verbringt Langer den größten Teil seines Arbeitstages im Wald. Etwa sechs Stunden ist er täglich draußen unterwegs und nimmt die Waldbestände auf. Anschließend werden die erhobenen Daten im Büro ausgewertet und in rund zwei Stunden in die Reinschrift übertragen. So entsteht nach und nach ein umfassendes Bild des Waldes.
„Jeder Bestand wird einzeln betrachtet. Ich erfasse Baumarten, Alter, Höhenentwicklung, Vorräte, Stabilität, Verjüngung und Besonderheiten. Daraus leite ich Empfehlungen für die nächsten zehn Jahre ab – entscheiden muss am Ende aber immer der Waldbesitzer beziehungsweise der Vorstand der Forst-Interessenten-Gemeinschaft“, erläutert Andreas Langer.
Unterstützt wird die Arbeit heute durch moderne Technik, dennoch spielen klassische Hilfsmittel weiterhin eine wichtige Rolle. Digitale und analoge Karten, Luftbilder sowie die fortgeschriebenen Unterlagen der letzten Forsteinrichtung vor zehn Jahren ermöglichen den Vergleich der Waldentwicklung über lange Zeiträume.
„Die alten Einrichtungsunterlagen sind für mich ein wichtiger Schatz. Sie zeigen, wie sich die Bestände entwickelt haben und helfen dabei, Veränderungen richtig einzuordnen“, erklärt Langer.
Für die Vermessung der Bestände nutzt der Forsteinrichter unter anderem ein Vertex-Messgerät, mit dem Baumhöhen sowie Entfernungen präzise bestimmt werden können. Ergänzend kommt ein Entfernungsmesser zum Einsatz, um Bestandesgrenzen oder Messpunkte exakt zu erfassen.
Ein weiteres wichtiges Werkzeug ist das Spiegelrelaskop. Mit diesem Instrument wird die sogenannte Grundfläche eines Bestandes ermittelt – also die Summe der Stammquerschnitte aller Bäume auf einer Fläche. Sie ist eine wesentliche Kenngröße, um Holzvorräte, Bestandesdichte und das weitere Wachstum beurteilen zu können. Ergänzt werden diese Daten durch Ertragstafeln, die auf langjährigen wissenschaftlichen Untersuchungen beruhen und Aussagen über Wachstum, Holzertrag und die zukünftige Entwicklung der Bestände ermöglichen.
„Kein Messgerät ersetzt den geschulten Blick. Die Technik liefert Zahlen, die Erfahrung ordnet sie ein. Erst beides zusammen ergibt eine fundierte Empfehlung für die Waldbewirtschaftung“, beschreibt Langer seine Arbeit.
Die Forst-IG Rotenburg besteht bereits seit dem Jahr 1840 und umfasst heute rund 290 Hektar Wald in mehreren Forstorten rund um die Stadt Rotenburg. Eigentümer sind 149 Mitglieder, die jeweils ideelle Anteile an der Gemeinschaft besitzen. Mitglied kann nur werden, wer in Rotenburg ein Wohnhaus besitzt und wenn ein Anteil frei ist.
Die überwiegend sandigen und lehmigen Feinsandstandorte sind vor allem mit Kiefern und anderen Nadelbaumarten bestockt. Rund ein Viertel der Fläche wird jedoch von Eichen- und Buchenbeständen geprägt. Der Schwerpunkt der Wälder ist heute zwischen 80 und 100 Jahre alt, während rund 60 Hektar bereits älter als 100 Jahre sind.
Die Forst-IG ist PEFC-zertifiziert und nimmt seit 2022 am Bundesförderprogramm „Klimaangepasstes Waldmanagement“ teil. Dazu gehören unter anderem dauerhaft ausgewiesene Habitatbäume sowie Flächen, die sich ohne forstliche Eingriffe natürlich entwickeln dürfen. Die Bewirtschaftung orientiert sich darüber hinaus an den Grundsätzen des LÖWE-Programms der Niedersächsischen Landesforsten.
Für die kommenden Jahre steht insbesondere der Waldumbau im Mittelpunkt. Reife Nadelholzbestände werden schrittweise genutzt und durch natürliche Verjüngung sowie die Pflanzung verschiedener Mischbaumarten ergänzt. Ziel ist ein strukturreicher, klimastabiler Mischwald, der auch künftigen Generationen als Lebensraum, Rohstoffquelle sowie Schutz- und Erholungswald erhalten bleibt.
Mit der Forsteinrichtung werden dafür heute die fachlichen Weichen gestellt – nicht nur für die nächsten zehn Jahre, sondern für die Entwicklung des Waldes weit darüber hinaus.
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