Renaturierung des Holzurburger Moores bei Bad Bederkesa geht weiter
Niedersächsisches Forstamt Harsefeld entwickelt Moorbirken-Bruchwald
(Bad Bederkesa/Harsefeld) Seit 2011 renaturiert das Forstamt Harsefeld der Niedersächsischen Landesforsten das Holzurburger Moor bei Bad Bederkesa. Aus vor allem Nadelwäldern sollen in den kommenden Jahren Moorbirken-Bruchwälder und Waldmoore entstehen. Das Forstamt informiert über den nächsten Umsetzungsabschnitt, der jetzt beginnt.
„Der jetzige Abschnitt hat eine Größe von rund acht Hektar. Hier wollen wir vor allem die standortfremde Weymouthskiefer entfernen. Vorhandene Laubbäume wie Birken oder Erlen, zum Teil auch heimische Kiefern, bleiben stehen, um als Mutterbäume zu dienen und Struktur zu schaffen für die kommende, naturnahe Waldgeneration. Totholz verbleibt liegend und stehend als Habitat“, erklärt Förster und Projektleiter Frank Zweers vom Forstamt Harsefeld.
Neue Erntetechnik zum Schutz des Bodens
Dieses Jahr setzen die Forstleute jedoch eine andere Erntetechnik ein. „Während in der Vergangenheit die Flächen vor der Renaturierung vielfach durch die – ebenfalls standortfremde – Sitkafichte geprägt waren, wird der diesjährige Umsetzungsabschnitt von der Weymouthskiefer dominiert. Die Sitkafichte bildet ein starkes, oberflächiges Feinwurzelsystem aus, welches wie eine Matte die Holzerntemaschinen trotz des hier vorhandenen Moorbodens „getragen“ hat. Diese Tragfähigkeit bietet der Boden in einem Weymouthskiefernbestand nicht. Um den empfindlichen Moorboden bestmöglich zu schonen, kommt daher ein spezieller Moorbagger mit Holzerntetechnik zum Einsatz, der sich bei Bedarf zusätzlich auf mobilen Baggermatten bewegt. Dadurch wird der Bodendruck deutlich minimiert.“, beschreibt Zweers.
Anders ist auch der Abtransport des Holzes bis zu einem LKW-fähigen Weg. Während bei den bisherigen Umsetzungsabschnitten die Maschinen hierfür größtenteils ein dafür geeignetes Wegenetz nutzen konnten, fehlt dieses beim jetzigen Umsetzungsabschnitt in weiten Teilen. Daher werden zunächst die geernteten Bäume mitsamt ihren Kronen an zentrale Plätze gebracht. Anschließend werden diese dann über eine spezielle und nur für den Zeitraum der Erntemaßnahmen installierte mobile Baustraße, die aus Stahlunterlegeplatten besteht, aus dem Wald transportiert.
Wasser zurückhalten und Flächen wiedervernässen
Nach Abschluss der Holzernte planen die Forstleute Wiedervernässungsmaßnahmen. Vor allem wollen sie Entwässerungsgräben verschließen. „Um die Veränderungen des Bodenwasserstandes dokumentieren zu können, haben wir schon vor vielen Jahren entsprechende Messstellen installiert. Diese betreiben wir zukünftig weiter, denn sie liefern wertvolle Informationen darüber, ob sich der Bodenwasserstand auf das gewünschte Niveau einstellt. Die Anfang 2026 im Gebiet installierte Niederschlagsmessstation liefert die für eine Interpretation der Bodenwasserstandsentwicklungen wichtigen lokalen Niederschlagswerte“, so Förster Zweers.
Die Renaturierung des Holzurburger Moores ist mit etwa 117 Hektar als großflächiges und langfristiges Projekt durch die Niedersächsischen Landesforsten angelegt und entwickelt worden. Expertinnen und Experten aus verschiedenen Fachrichtungen sowie die dafür zuständigen Genehmigungsbehörden des Landkreises Cuxhaven begleiten alle Maßnahmen. „In den nächsten Jahren und Jahrzehnten soll hier ein naturnaher und standorttypischer Moorbirken-Bruchwald entstehen. Dieser wird nach aktuellem Kenntnisstand auch dem künftigen Klima besser angepasst sein, als der derzeitige nadelholzgeprägte Wald. Er wird damit vielen heimischen und teilweise bedrohten Tier- und Pflanzenarten einen neuen Lebensraum bieten, seinen Beitrag zu Klima-, Luft- und Grundwasserschutz leisten und auch als Erholungsort zur Verfügung stehen“, schildert Zweers.
Torf als Kohlenstoffdioxidspeicher
Durch den gleichzeitigen Rückbau des Entwässerungssystems wird sich die bisherig fortlaufende Zersetzung des vorhandenen Torfkörpers und damit die Freisetzung großer Mengen CO2 deutlich verringern. Zudem erhält der Torfkörper seine Funktion als riesiger Wasserspeicher, in der er in niederschlagsreichen Zeiten viel Wasser aufnimmt und dieses in trockenen Zeiten nur sehr langsam in Form von Verdunstung wieder abgibt, wieder zurück.
Dass die Forstleute auf dem richtigen Weg sind, zeigt sich besonders eindrucksvoll auf den Flächen, die 2011 auf dieselbe Art umgewandelt wurden: Hier hat sich inzwischen ein junger Moorbirkenbruchwald entwickelt. Seltene Libellen haben sich wieder angesiedelt und typische Moorpflanzen wie Torfmoose und Sonnentau sind mittlerweile wieder zu finden.
Hintergrund
Im Holzurburger Moor werden seit 2011 umfangreiche Renaturierungsmaßnahmen durchgeführt. Die Umsetzung erfolgt zeitlich gestaffelt in sogenannten Umsetzungsabschnitten mit einer jeweiligen Flächengröße von bisher 15-25 ha.
Wie große Teile des norddeutschen Flachlandes, waren diese Flächen lange Zeit waldfreie Hochmoore. Im Gegensatz zu vielen anderen Flächen wurden sie jedoch erst sehr spät kultiviert. Dies begann Ende des 19. Jahrhunderts, erfolgte vor allem aber in großem Stil zur Zeit des ersten Weltkrieges mit Kriegsgefangenen.
Im Unterschied zu vielen anderen Mooren, wurde in diesem Gebiet jedoch kein Torf gewonnen. Die Flächen wurden vielmehr als Grünland zur Weideviehhaltung genutzt und dabei glücklicherweise nicht allzu tief entwässert, um dem Weidevieh noch eine Wasserversorgung zu gewährleisten. Nachdem die Weideviehhaltung auf diesen Flächen Anfang der 1950er-Jahren zunehmend unattraktiv wurde, wurden die Flächen mit Sitka-Fichten und Weymouthskiefern aufgeforstet und zunächst in regulärer und damals üblicher Forstwirtschaft behandelt. Seit über 20 Jahren finden hier jedoch keine forstwirtschaftlichen Maßnahmen mehr statt.
Durch diese Umstände sind bis heute noch recht große Torfauflagen vorhanden, die nun ein äußerst schützenswertes Gut darstellen und mit den beschriebenen Maßnahmen wieder renaturiert werden.
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