Ausbildung nun in weiblicher Hand
Neue Ausbildungsmeisterin im Forstamt Göhrde
(Göhrde/Röthen) Ein kurzer Blick auf den Wochenplan, ein paar Zahlen, ein paar Absprachen – dann geht es raus in den Wald. Im Meisterbüro des Forstamtes Göhrde der Niedersächsischen Landesforsten bespricht der Revierförster am frühen Morgen mit seiner Kollegin die anstehenden Arbeiten. Wie viele Pflanzen sollen in dieser Woche in den Boden? Welche Pflegearbeiten stehen an? Und wo werden die Auszubildenden eingesetzt?
Die Kollegin ist Ida Klaus. Seit Anfang 2026 ist die 29-Jährige Ausbildungsmeisterin im Forstamt Göhrde – und damit eine Besonderheit: Sie ist erst die zweite Meisterin in den gesamten Niedersächsischen Landesforsten und für die Ausbildung der angehenden Forstwirtinnen und Forstwirte verantwortlich.
Dass ihr Weg einmal hierhin führen würde, hätte sie früher selbst kaum gedacht. „Damals hätte ich nicht erwartet, wohin mich die Zukunft einmal bringt“, sagt sie heute und lächelt.
Aufgewachsen ist Ida Klaus im nahen Bleckede. Dort ging sie auch zur Schule und machte 2012 ihren Realschulabschluss. Eigentlich hatte sie damals einen ganz anderen Plan: Als leidenschaftliche Reiterin wollte sie unbedingt draußen arbeiten – am liebsten mit Pferden. Der Beruf der Pferdewirtin lag deshalb nahe.
Doch dann fiel ihr eher zufällig ein Zeitungsartikel über die Ausbildung zur Forstwirtin in die Hände. Die Arbeit im Wald, draußen in der Natur, körperlich fordernd und zugleich vielseitig – das weckte ihre Neugier. 2013 entschied sie sich schließlich für den „grünen“ Beruf und begann ihre Ausbildung zur Forstwirtin.
Den praktischen Teil absolvierte sie damals ausgerechnet in Röthen – genau in dem Revier also, in dem sie heute für die Ausbildung verantwortlich ist.
Nach dem Abschluss sammelte sie zunächst praktische Erfahrung. Von 2016 bis 2018 arbeitete sie im benachbarten Forstamt Unterlüß. Dort lernte sie die Arbeit in einer teilautonomen Arbeitsgruppe kennen und vertiefte ihr handwerkliches Können im Wald.
2018 zurück in die Göhrde.
Mit der Zeit merkte sie jedoch, dass ihr nicht nur die Arbeit im Wald selbst lag, sondern auch die Zusammenarbeit mit jungen Menschen. Immer wieder betreute sie Praktikanten, erklärte Arbeitsschritte oder zeigte, worauf es bei der Waldarbeit ankommt. „Es macht mir einfach Spaß, Wissen weiterzugeben“, sagt sie.
Als sich 2025 im Forstamt Göhrde die Möglichkeit ergab, die Ausbildungsstelle zu übernehmen, zögerte sie nicht lange. Sie bewarb sich auf die Stelle der Ausbildungsmeisterin, besuchte die Meisterschule und legte Ende 2025 erfolgreich ihre Meisterprüfung ab. Einen Schwerpunkt setzte sie dabei auf die Pferderückung in der Eichendurchforstung – eine traditionelle und zugleich waldschonende Form der Holzernte. So kam sie auch wieder näher an die Arbeit mit Pferden.
Seit Beginn des Jahres 2026 trägt sie nun die Verantwortung für die Ausbildung im Forstamt Göhrde.
Derzeit betreut sie sechs Auszubildende in allen drei Ausbildungsjahren. Ihre Aufgaben sind dabei vielfältig: Neben der Kontrolle der Berichtshefte und der Vorbereitung auf Prüfungen gehören vor allem die praktischen Arbeiten im Wald zur Ausbildung. Holzernte, Pflanzung, Jungbestandspflege oder auch die Vorbereitung von Jagden – all das lernen die angehenden Forstwirte direkt draußen im Revier.
An diesem Vormittag geht es um die Pflanzung.
Ein paar Kilometer weiter, mitten im Wald, arbeiten zwei der Auszubildenden bereits auf einer Kulturfläche. Junge Buchen sollen hier einen neuen Bestand begründen. Ruhig und konzentriert setzen sie mit dem Hohlspaten Pflanze für Pflanze in den Boden.
Ida Klaus tritt zu ihnen, begrüßt die beiden und fragt nach dem Stand der Arbeit. Läuft alles gut? Kommen sie mit dem Boden zurecht? Haben sie genügend Pflanzen?
Nebenbei zieht sie eine junge Buche aus dem Bündel und zeigt auf das feine Geflecht der Wurzeln. Sie erklärt, woran man gesunde Feinwurzeln erkennt und welche Veränderungen auf Pilzerkrankungen oder Trockenstress hindeuten können. Kleine Details, die später im Berufsalltag entscheidend sein können.
Nach dem kurzen Austausch geht die Arbeit weiter.
Während die Auszubildenden Reihe für Reihe bepflanzen, greift auch Ida Klaus selbst zum Hohlspaten. Zwei Bündel mit jeweils 25 jungen Buchen wandern in ihre Pflanztasche. Dann setzt sie Pflanze für Pflanze in den Waldboden – genau wie ihre Auszubildenden.
Denn eines ist ihr wichtig: Trotz ihrer neuen Rolle möchte sie weiterhin Teil der praktischen Arbeit bleiben.
„Ich genieße es, mein Wissen weiterzugeben – aber genauso gern arbeite ich noch selbst draußen im Wald“, sagt sie abschließend.
Ausbildung bei den Niedersächsischen Landesforsten:
Die Niedersächsischen Landesforsten bilden jedes Jahr rund 30 junge Menschen zum Forstwirt aus. Die Ausbildung findet an insgesamt 14 landeseigenen Ausbildungsstätten sowie zusätzlich im Stadtforst Wolfsburg statt. Acht dieser Ausbildungsstellen liegen im Norden Niedersachsens – darunter unter anderem die Forstämter Göhrde, Oerrel, Harsefeld und Rotenburg – sechs weitere im Süden des Landes.
Aktuell absolvieren insgesamt 93 Auszubildende ihre Ausbildung zum Forstwirt bei den Niedersächsischen Landesforsten.
Nach dem erfolgreichen Abschluss bleibt ein großer Teil der Nachwuchskräfte im Unternehmen: Im Durchschnitt entscheiden sich etwa zwei Drittel der ausgelernten Forstwirte dafür, weiterhin bei den Niedersächsischen Landesforsten zu arbeiten. Rund 20 Übernahmen pro Jahr gelten dabei als guter Wert – auch wenn sich die Landesforsten grundsätzlich über noch mehr Nachwuchskräfte freuen würden. Denn der Arbeitsmarkt für qualifizierte Fachkräfte ist stark umkämpft, und gut ausgebildete Forstwirte werden vielerorts dringend gesucht.
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