Hamburger Schüler pflanzen Baumhasel im Genossenschaftswald bei Herzberg

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Waldorfschule im Jugendwaldeinsatz zu Gast bei den Landesforsten

 (Reinhausen / Pöhlde) Eine Schulklasse aus Hamburg-Altona bereichert den Pöhlder Genossenschaftswald mit Baumhasel. Die auch als Türkische Haselnüsse bekannten Bäume pflanzten 32 Schülerinnen und Schüler der Rudolf Steiner Schule vergangene Woche. Die Siebtklässler der Waldorfschule unternehmen derzeit einen zweiwöchigen Jugendwaldeinsatz im Rotenberg nahe Herzberg. An zwei dieser Tage pflanzte die Klasse, unter Anleitung der Niedersächsischen Landesforsten, insgesamt 175 Baumhasel-Bäume. Ziel der Waldeigentümer ist es, neue Baumarten zu begründen, die längere Trockenphasen infolge des Klimawandels überstehen.

Die Landesforsten beherbergen die Jugendlichen noch bis kommenden Freitag in ihrer Waldpädagogikeinrichtung Haus Rotenberg. Förster Jérôme Milch vom Forstamt Reinhausen berät und betreut die angrenzende Forstgenossenschaft Pöhlde. Der Revierleiter hatte empfohlen, die noch seltene Nussart versuchsweise aufzuforsten. Die älteren Fichten in diesem Waldstück waren nach Trockenschäden eingegangen.

Geeignet für den Klimawandel: Baumhasel aus der Türkei für Wälder in Südniedersachsen

Ursprünglich im Balkan und Kaukasus beheimatet, wurde die Baumhasel als große Schwester des Haselstrauchs ab dem 17. Jahrhundert als Garten- und Parkbaum in Mitteleuropa eingeführt. Die Baumhasel ist sehr widerstandsfähig, auch längere Trockenperioden oder Spätfröste können ihr nur wenig anhaben. Uwe Kumm kennt die sogenannte Türkische Hasel schon länger. „Wir haben bislang die neue Baumart nur vereinzelt im Genossenschaftsforst gepflanzt. Sie wächst dort gemischt mit heimischen Bäumen heran. Unser Forst wird ja künftig noch mehr Mischwälder enthalten. Und der neue Baumhaselwald hier am Petersberg ist als Versuch angelegt“, beschreibt der zweite Vorsitzende der Forstgenossenschaft Pöhlde. Uwe Kumm ist zufrieden mit der Arbeit der jungen Großstädterinnen und Großstädter. Er blickt gespannt auf das Ergebnis des Anbauversuchs. Nachfolgende Schulklassen werden die Jungbäume neben der Jagdhütte weiterpflegen. „Die Arbeit im Wald hört nicht auf, da die kleinen Haselbäume regelmäßig von Brombeerranken befreit werden müssen. Und Jugendwaldeinsätze gibt es hoffentlich noch viele Jahre“, hofft der Forstgenosse.

Waldeinsatz passt zum pädagogischen Konzept der Rudolf Steiner Schule Altona

„Mit der Arbeit an und mit Pflanzen kennen sich meine Schülerinnen und Schüler aus“, betont Johann Wulfes und ergänzt: „Gartenbau steht als Unterrichtsfach mit zwei Stunden auf dem Wochenplan. Dann pflegen wir unseren Schulgarten und arbeiten in anderen Projekte wie dem Tiny Forest. Einen solchen Miniwald hat die Klasse im Hamburger Stadtgebiet gepflanzt“, zählt der Klassenlehrer praktische Lernbeispiele an der Waldorfschule auf. Schüler Navid ist vom Waldeinsatz angetan: „Die Aufgabe ist cool und macht Spaß. Ich war einen Tag im Küchendienst eingeteilt und dann haben wir noch alten Drahtzaun abgebaut, der junge Bäume vor Wildverbiss geschützt hat“, nennt der 13-Jährige typische Tätigkeiten während seines Waldeinsatzes.

Die Waldpädagogikeinrichtung der Landesforsten ist ein versteckt im Wald gelegenes kleines Hüttendorf. Zum zweiten Mal kommt eine 7. Klasse der Hamburger Waldorfschule hierher. Das Forstamt Reinhausen vermittelt an seinem außerschulischen Lernstandort Umweltbildung und praktische Fertigkeiten wie beispielsweise den Zaun- oder Hochsitzbau aus Holz. Dazu gehört der Umgang mit einfachen Werkzeugen wie Akkuschrauber, Pflanzhacke, Astschere oder Bügelsäge. So haben die Jugendlichen ihre Pflanzen sorgfältig mit Papphüllen ummantelt. Das Material sei nachhaltig, kompostierbar und schütze Rinde und Knospen vor Hase und Reh, zählt Jérôme Milch den Nutzen auf, den der Schutz vor Wildverbiss biete. Neben der handwerklichen Waldarbeit vermittele der Jugendwaldeinsatz Wissen über den Wald und ökologische Zusammenhänge, ergänzt der Forstmann. Das langjährige Konzept habe sich bewährt. „Vormittags arbeiten Schülerinnen und Schüler unter Anleitung erfahrener Forstwirte an praktischen Waldprojekten. Nachmittags erkunden sie den Lebensraum Wald, machen ökologische Untersuchungen, Survival Touren oder lernen Bogenschießen“, beschreibt der Revierförster den ein- oder zweiwöchigen Aufenthalt.

Die Niedersächsischen Landesforsten betreiben zehn weitere Waldpädagogikzentren in ganz Niedersachsen.

Hintergrund Baumhasel-Verwendung:

Das Holz der Baumhasel ist wertvoll für den Bau von Möbeln, als Furnier- oder Vollholz. Es ist auch geeignet für Außen- und Innenausbauten, als Drechsel- und Schnitzholz. Die Baumhasel erreicht, im Gegensatz zum heimischen Haselstrauch, Baumhöhen von 20 bis 30 Metern. Ihre kleinen Nüsse sind essbar.

Bildunterschrift: Pappkarton schützt Baumhasel vor Wild im Pöhlder Forst

Forstwirt Thomas Klaproth und Revierförster Jérôme Milch (links) zeigen Jugendlichen, wie sie Baumhasel mit Papphüllen vor Wildverbiss schützen

©Landesforsten

Kostenloser Fotodownload frei mit dieser PI:

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