Trotz Inventur geöffnet

 In Forstamt Ankum, Regionale Presseregion West

Forsteinrichtung im Niedersächsischen Forstamt Ankum

(Emsland/Freren/Ankum) Alle zehn Jahre kommen die Forsteinrichterinnen und Forsteinrichter in jedes Forstamt der Niedersächsischen Landesforsten zurück und führen eine Inventur des Waldes durch. Sie bewerten die Messergebnisse und geben Planungsempfehlungen für die nächste Dekade vor. Jetzt ist das Forstamt Ankum mit seinen Wäldern im Emsland und im Osnabrücker Land wieder an der Reihe. Im Gegensatz zu manch anderer Inventur bleibt der Wald aber für alle geöffnet.

Förster und Forsteinrichter Uwe Albers ist gerade im Baccumer Wald, östlich von Lingen, unterwegs. Er schaut sich den Wald genau an, der in bestimmte Waldflächen, sogenannte Abteilungen, eingeteilt ist. „Die Abteilungen bilden Bereiche mit verschiedenen Baumarten oder Baumalter bzw. Bewirtschaftungseinheiten ab, die ich zusammenhängend einzeln betrachte. Dabei bewerte ich nicht nur die Waldbestände aus waldbaulicher Sicht, sondern schaue mir auch Aspekte wie zum Beispiel die Umsetzung des Waldnaturschutzes, den Wasserschutzwert oder die Bedeutung für die Erholung an“, beschreibt Albers seine Arbeit.

Forstbetriebsplanung mit Evaluation

Die Forsteinrichtung, auch als Forstbetriebsplanung bekannt, besteht aus drei Teilen: Zum einen die eigentliche Inventur, also eine Aufnahme des Ist-Zustandes des Waldes. Der zweite Teil besteht aus der Evaluation der Umsetzung der Planung von vor 10 Jahren, die sich in den jetzigen Waldbildern widerspiegelt. Teil drei umfasst die Planung für die kommenden zehn Jahre basierend auf den Ergebnissen der Aufnahmen sowie den Erfahrungen der Einrichtenden und den der örtlich zuständigen Revierförsterinnen und Revierförster. Im Fokus stehen dabei immer die betrieblich gesetzten Ziele in Kombination mit den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen (z.B. Einfluss Klimawandel auf den Wald) sowie naturschutzfachliche Vorgaben.

Der Forsteinrichter läuft bei seiner Arbeit weite Strecken im Wald. Das macht ihm Spaß und hält ihn fit: „Für die Bestandsaufnahmen und Planungen messe ich einige Werte, unter anderem die Höhen der Bäume und ihre Durchmesser. Daraus berechne ich den sogenannten Bestockungsgrad, den Dichtstand der Bäume, wenn man so will. Später ermitteln EDV-Programme das Volumen an Holz auf der Fläche, den Vorrat. Und ich kann eine Aussage darüber treffen, wie wuchskräftig die Bäume einer Waldfläche sind.“

Ziel: Nachhaltige Pflege und Nutzung des Waldes

Die gemessenen Werte bilden die Grundlage für die Einschätzung des Waldes und helfen eine Aussage darüber zu treffen, wie die Revierleitenden den Wald in Zukunft pflegen sollten. Ein zu hoher Bestockungsgrad, also zu viele Bäume, beispielsweise kann dazu führen, dass die Bäume nicht mehr optimal wachsen und anfälliger gegenüber Schädlingen oder Windwurf werden oder Mischbaumarten verloren gehen. Viele starke Bäume im Wald zeigen, dass die Bäume genutzt werden können. „Wir nutzen und pflegen den Wald gleichermaßen, damit er sich zum einen möglichst naturnah entwickeln kann. Zum anderen wollen wir den wertvollen Rohstoff Holz ernten und das nachhaltig in einer guten Qualität. Die Informationen der Forsteinrichtung helfen uns dabei“, schildert Mareike Gels, Leiterin der Försterei Freren im Forstamt Ankum.

Im Emsland prägt die Kiefer auf den zumeist sandigen Böden das Waldbild. „Vor dem Hintergrund des Klimawandels sollen die Wälder vielfältiger werden. Das bedeutet mehr Baumarten und mehr Struktur im Wald. Große, monotone Wälder werden künftig in ein Mosaik verschiedener Baumarten und Mischwäldern überführt. Das soll ihm die nötige Resilienz geben in Zeiten von Dürre oder Schadinsektenvermehrungen“, erklärt Albers. Aber: „Die Kiefer wird nicht verschwinden. Sie kommt mit den nährstoffarmen und oft trockenen Standorten gut zurecht. Wir schöpfen aus dem reichen Topf der Baumarten, die bei uns von Natur aus wachsen können und ergänzen Eichen, Buchen, Linden, aber auch Lärchen, Weißtannen und Douglasien. Der ökologische Fingerabdruck wird größer“, so Gels.

Im Dialog für den Wald von morgen

Die Ergebnisse diskutiert Uwe Albers dann mit der Revierleitung und der Forstamtsleitung. „Der Austausch und die Ergebnisse sind auf Forstamts- bzw. Revierebene wichtig, denn sie dienen uns als Leitlinien für unsere Planung. Damit können wir besser einschätzen, mit welchen Aufgaben, welchem Arbeitsvolumen, welchem Arbeitskräftebedarf und welchen Erträgen wir in den kommenden Jahren rechnen müssen“, lobt Försterin Gels die Zusammenarbeit und den Erfahrungsschatz des Forsteinrichters.

 

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