Moorrenaturierung im Naturschutzgebiet „Tal der kleinen Örtze“ bei Oerrel
(Oerrel/Munster) Mitte September beginnen die Niedersächsischen Landesforsten mit der Renaturierung der Moorflächen im Naturschutzgebiet (NSG) „Tal der kleinen Örtze“ und des Fauna-Flora-Habitats (FFH) 081 „Örtze mit Nebenbächen“ in der Revierförsterei Lintzel bei Oerrel. Hier werden Waldflächen von ungefähr 14 Hektar Größe umgestaltet. Diese Arbeiten werden voraussichtlich vier Wochen andauern. Neben der Sperrung des „Zapfenweges“ wird die anliegende Brücke über die Örtze in diesem Zuge gesperrt und erneuert.
Ende des 1900 Jahrhundert wurden weite Teile der Lüneburger Heide urbar gemacht. So auch mehrere tausend Hektar um den Ort Oerrel – auch Moore wurden entwässert. Damals wurde das Oerreler Moor und die anliegenden Heideflächen aufgeforstet. Welf Einhorn, Revierleiter in Lintzel, liest in alten Unterlagen: „146 Jahre alter Bestand, Wald aus 1. Generation von 1879 – wenn ich das lese, lässt es mich natürlich ehrfürchtig werden.“
Geplant hat er hier die Nadelbäume – vor allem Fichten – zu entnehmen, und die Moorflächen in dem Gebiet wieder zu vernässen. Die auf der Fläche stehenden Nadelbäumen nutzen das Wasser und lassen es verdunsten – sodass es dem Moorkörper nicht mehr zur Verfügung steht. Werden die alten Gräben nun verschlossen und die Fichten entfernt, bleibt das Wasser in der Fläche. „Durch die Nässe bleibt der Torf erhalten und wächst sogar wieder. Davon profitiert nicht nur das Klima, sondern auch die Biodiversität, da wir einen wichtigen Lebensraum wiederherstellen“, erklärt Einhorn.
Das Forstamt Oerrel hat in enger Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) Heidekreis diesen nächsten Schritt im Bewirtschaftungsplan Moorrenaturierung des FFH-Gebietes 081 geplant und abgestimmt. Die Umsetzung wird bodenschonend mit einer Spezialmaschine erfolgen. Teilweise kann die Fläche nicht befahren werden. Hier werden die Bäume manuell durch Forstwirte gefällt und aus der Fläche geseilt.
„Ich bin sehr gespannt, ich kenne diese Fläche seit Kindheitstagen und dieser Eingriff ist eine große landschaftliche Veränderung“, berichtet Einhorn mit Demut. „Auf der Fläche stehen alte Moorbirken, die wir erhalten. Später sollen diese als Saatbäume für die Waldmoorübergangsbereiche dienen. Langfristig werden wir in der Kernfläche wieder baumfreie Bereiche mit Torfmoosen, sowie Moos- und Krähenbeere haben. Die Randbereiche entwickeln wir in einen standorttypischen Birken-Kiefern-Moorwald“, so Einhorn abschließend.
Zum Hintergrund
1,8 Millionen Hektar natürliche Moore gab es einst in Deutschland. Ein Großteil davon ist zerstört. 70 Prozent aller Moorpflanzen stehen vor dem Aussterben.Weltweit bedecken Moore 3 % der Landflache, in ihnen ist aber so viel Kohlenstoff gebunden, wie in der Biomasse aller Wälder der Erde zusammen. Im Jahr 2020 wurden aus Moorböden in Niedersachsen 15.8 Millionen Tonnen CO2 freigesetzt, rund 18 % der gesamten Treibhausgaseimissionen in Niedersachsen. Das Land Niedersachsen strebt bis 2030 eine Minderung der Treibhausgaseimissionen aus Moorböden um jährlich 1,65 Millionen Tonnen CO² an. Deutschland setzte sich als Ziel, die Treibhausgaseimission um jährlich 5 Millionen Tonnen CO² bis 2030 zu reduzieren. Ein wichtiger Baustein im Kampf gegen die Klimakrise ist die Wiedervernässung trockener Moore.
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