Forsteinrichtung im Niedersächsischen Forstamt Ankum

 In Allgemein, Forstamt Ankum, Regionale Presseregion West

Trotz Inventur geöffnet

(Osnabrücker Land/Bad Essen/Ankum) Alle zehn Jahre kommen die Forsteinrichter und Forsteinrichterinnen in jedes Forstamt der Niedersächsischen Landesforsten zurück und führen eine Inventur des Waldes durch. Sie bewerten die Messergebnisse und geben Planungsempfehlungen für die nächste Dekade vor. Jetzt ist das Forstamt Ankum mit seinen Wäldern im Osnabrücker Land und Emsland wieder an der Reihe. Trotz Inventur ist der Wald aber für alle geöffnet.

Im Wiehengebirge unterwegs

Förster und Forsteinrichter Max Göhrs ist am Linnerberg bei Bad Essen in der Försterei Nolle unterwegs. Er läuft heute durch die Abteilung 527, eine Waldfläche oder auch Bewirtschaftungseinheit am Nordhang des Wiehengebirges. Fichte und Lärche wachsen hier, aber auch Douglasien, Buchen und Bergahorn. „Die Fichten sind erntereif. Die sollten in den nächsten Jahren geerntet werden. Dann kann sich der Nachwuchs aus Buche und Bergahorn gut entwickeln und die nächste Waldgeneration einläuten“, lautet sein erster Eindruck.

Förster Göhrs ist seit drei Jahren Forsteinrichter bei den Niedersächsischen Landesforsten. Im Forstamt Ankum übernimmt er die Federführung der Forsteinrichtung und führt alle Ergebnisse aus den einzelnen Revieren für das Forstamt zusammen. Das ist am Ende recht viel Schreibtischarbeit. Die Außenaufnahmen sind daher für ihn sehr wichtig: „Vor Ort bekomme ich einen Eindruck von den Waldbeständen, wenn ich selbst unterwegs bin, aber auch, wenn wir die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen im Gelände besprechen und reflektieren.“

Forstbetriebsplanung mit Evaluation

Die Forsteinrichtung, auch als Forstbetriebsplanung bezeichnet, besteht aus drei Teilen: Zum einen die eigentliche Inventur, also eine Aufnahme des Ist-Zustandes des Waldes. Der zweite Teil besteht aus der kritischen Würdigung der Umsetzung der Planung von vor zehn Jahren, die sich in den jetzigen Waldbildern widerspiegelt. Teil drei umfasst die Planung für die kommenden zehn Jahre basierend auf den Ergebnissen der Aufnahmen sowie den Erfahrungen der Einrichtenden und denen der örtlich zuständigen Revierförsterinnen und Revierförster. Im Fokus stehen dabei immer die betrieblich gesetzten Ziele in Kombination mit den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen (z.B. Einfluss Klimawandel auf den Wald) sowie naturschutzfachliche Vorgaben.

Göhrs ist hangaufwärts gelaufen und steht jetzt am Oberhang, der vor allem mit Lärche bewachsen ist. Er nimmt das Dendrometer zur Hand und führt eine Winkelzählprobe durch. Die Messungen helfen ihm dabei, die Dichte des Waldes und die Entwicklung der einzelnen Baumarten einzuschätzen. „Wir vergleichen die Messergebnisse mit den Empfehlungen für einzelne Baumarten und können objektiv beurteilen, ob Handlungsbedarf in einem Waldbestand besteht“, so der Förster. Die Lärche hier braucht im Kronenraum etwas Platz, um ihren höheren Lichtbedarf zu decken. Damit kann sie vitaler und widerständiger gegenüber Schadinsekten wie dem Borkenkäfer oder gegenüber Stürmen wachsen. Im Zuge einer Durchforstung müssen daher in den nächsten Jahren einzelne Individuen weichen. Insgesamt darf die Lärche noch etwas wachsen, ehe sie für den lokalen Holzmarkt geerntet wird.

Wie soll der Wald von morgen aussehen?

Die eher nadelholzgeprägte Abteilung soll in den nächsten Jahren zu einem Laubmischbestand entwickelt werden. Dabei orientieren sich die Forstleute an sogenannten Waldentwicklungstypen (WET). „Hier, am Nordhang des Wiehengebirges passt ein WET 25. Das ist ein Buchenwald gemischt mit Fichte und weiteren Begleitbaumarten wie zum Beispiel Lärche, Weißtanne, Douglasie und Bergahorn. Das Gute hier ist, dass wir in den Nachbarabteilungen bereits Buchen stehen haben, sodass wir nicht pflanzen müssen. Das regelt der Wald über Naturverjüngung, also natürliche Aussaat“, erklärt Max Göhrs.

Auch in anderen Bereichen überlässt Göhrs die Waldentwicklung der Natur. Kleinere Lücken im Bestand, die zum Beispiel durch Windwurf entstanden sind, dürfen sich auf natürliche Weise entwickeln. Am Ende sollen die Handlungsempfehlungen für die Revierleiterinnen und Revierleiter vor Ort praxistauglich sein.  „Eine gute Forsteinrichtung ist wie ein gut sortiertes Warenlager. Übersichtlich und in sinnvolle Blöcke eingeteilt“, beschreibt Göhrs. Denn er und seine forstlichen Kolleginnen und Kollegen haben dasselbe Ziel: Den stabilen, vitalen und reichstrukturierten Wald von morgen zu gestalten. Artenreich und resilient in Zeiten des Klimawandels.

 

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