Arnika-Pflege am Hühnerfeld

 In Forstamt Münden, Forstamt Reinhausen, Regionale Presseregion Süd, WPZ Göttingen Haus Steinberg

Im Waldpädagogikzentrum Haus Steinberg lernen Schulklassen praktischen Artenschutz

(Staufenberg) Das letzte Arnika-Vorkommen im Altkreis Göttingen wächst auf dem Hühnerfeld – einem Naturschutzgebiet im Kaufunger Wald. Das Moorgebiet mit seinen Borstgrasrasen bietet offene Bodenstellen, auf denen Arnika noch wachsen kann. Doch dichte Moospolster und Gräser überwuchern die Pflanzen. Zu ihrem Schutz arbeiten die Niedersächsischen Landesforsten (NLF) und der Landschaftspflegeverband Landkreis Göttingen e. V. (LPV) seit fünf Jahren auf dem Hühnerfeld zusammen. Hilfe beim Artenschutz erhielten sie von der 7. Klasse der Freien Waldorfschule Prenzlau. Die Schulklasse wohnte für im Rahmen ihres Jugendwaldeinsatzes im nahegelegenen Haus Steinberg.  Die Jugendlichen lernten im Waldpädagogikzentrum, wie sie durch praktische Pflege zum Erhalt der seltenen Arnika beitragen können.

Arnika braucht offene Bodenstellen – Schüler entfernen Moos mit bloßen Händen

Die auffällige und besonders geschützte Arnika (Arnica montana) ist heute vielerorts selten geworden. Die Heilpflanze mit ihren leuchtend gelben Blüten benötigt zum Keimen und Wachsen offene, lichtreiche Bereiche mit wenig Konkurrenzvegetation. Dichte Moospolster erschweren jungen Pflanzen das Anwachsen oder machen die Keimung nahezu unmöglich. Mit bloßen Händen entfernten die Schülerinnen und Schüler unter fachlicher Anleitung behutsam das Moos um kleine Arnikapflanzen. So förderten sie die Entwicklung der vorhandenen Arnikabestände. Gleichzeitig schufen sie günstige Voraussetzungen für eine natürliche Ausbreitung auf der Fläche.

„Naturschutz bedeutet oft Handarbeit. Und genau die stand im Mittelpunkt beim diesjährigen Jugendwaldeinsatz im Haus Steinberg, das zum Waldpädagogikzentrum Göttingen gehört. Gemeinsam mit Mitarbeitenden des LPV Göttingen und den NLF engagierten sich Schülerinnen und Schüler für den Erhalt eines besonders wertvollen Lebensraumes – eines artenreichen Borstgrasrasens im Forstamt Münden“, beschreibt Jennifer Sechtling den zurückliegenden Arbeitseinsatz. Die Försterin leitet das Haus Steinberg, das nur wenige Gehminuten vom Naturschutzgebiet Hühnerfeld entfernt liegt. Sie motivierte gemeinsam mit Ihrem Kollegen und Forst-Trainee Jan Dohrmann die Jugendlichen beim Moos-Zupfen.

Relikt einer Kulturlandschaft im Kaufunger Wald

Als Forstleute für Naturschutz und Waldökologie begleiteten Svenja Kremling und Martin Nitsche die waldpädagogische Arbeit ihrer Kollegin. „Borstgrasrasen stellen einen besonders schützenswerten Lebensraum dar. Von Natur aus kommt er fast nur im Hochgebirge oberhalb der Baumgrenze vor. In den Mittelgebirgen entsteht er meist durch menschliche, lang andauernde extensive Nutzung auf nährstoffarmen, sauren Standorten“, weiß Försterin Svenja Kremling. Ihr Kollege, Martin Nitsche, erläutert die Bedeutung dieses Lebensraums für den Natur- und Artenschutz: „Borstgrasrasen beherbergen zahlreiche spezialisierte Tier- und Pflanzenarten. Ohne regelmäßige Pflege und Nutzung verlieren diese Flächen jedoch ihren charakteristischen Artenreichtum. Moose, aufkommende Gräser und Gehölze können konkurrenzschwache Pflanzenarten dann verdrängen“. So erklärt der für den Waldnaturschutz verantwortliche Forstmann, warum Arnika und andere auf diesen Lebensraum spezialisierte Arten heute so selten sind. Der Borstgrasrasen auf dem Hühnerfeld gilt als Relikt der historischen Kulturlandschaft im Kaufunger Wald.

Naturschutz zum Anfassen

Neben der praktischen Arbeit erhielten die Jugendlichen spannende Einblicke in die Bedeutung der Biotoppflege. Sie erfuhren durch ihren Einsatz, warum seltene Lebensräume ohne regelmäßige menschliche Unterstützung vielerorts nicht mehr vorzufinden wären und welche Rolle solche Pflegemaßnahmen für den Erhalt der biologischen Artenvielfalt spielen.

Der Jugendwaldeinsatz mache deutlich, dass Naturschutz weit mehr sei, als das Ausweisen geschützter Flächen. Erst durch kontinuierliche Pflege könnten wertvolle Lebensräume wie Borstgrasrasen langfristig erhalten werden. Gleichzeitig erlebten die Schülerinnen und Schüler unmittelbar, wie ihr eigener Einsatz zum Schutz gefährdeter Arten beitragen könne, ergänzt Jennifer Sechtling.

Hintergrund:

Das Hühnerfeld liegt im Naturschutzgebiet Bachtäler im Kaufunger Wald und ist Teil eines europäischen Schutzgebietsnetzes. Auf einer Fläche von 50 Hektar finden sich zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten – von Moorflächen mit rundblättrigem Sonnentau bis hin zu Borstgrasrasen mit Arnika. Die für den Naturschutz wichtigen und pflegebedürftigen Flächen lagen zu Teilen brach und wurden in den 50er Jahren größtenteils vom Landkreis Göttingen angekauft, um die Pflege wieder aufzunehmen. Seit 2022 ist die Ökologische Station des Landschaftspflegeverbandes Göttingen vom Landkreis mit der Gebietsbetreuung beauftragt. Zur Pflege der Offenlandgesellschaften werden Teile des Hühnerfelds seit 1993 beweidet. Heute wird das Hühnerfeld von den Familien Althans und Kaufmann aus Nienhagen und Kaufungen bewirtschaftet. Die Beweidung durch Islandpferde und Rinder sichert den seltenen Lebensraum für künftige Generationen. Für ihre kooperative gemeinsame Bewirtschaftung, die auf die Ziele des Naturschutzes abgestimmt ist, haben sie kürzlich den Deutschen Landschaftspflegepreis erhalten. Der LPV berät und unterstützt sie zudem bei Pflegemaßnahmen. In Kooperation mit den NLF werden außerdem Maßnahmen zum Schutz der Arnikapopulation durchgeführt.

Beispielsfoto Landesforsten: Arnika im Solling:

https://nlf.pixxio.media/share/1787045958Wggu9oRDyR5tlI

 

 

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