Waldbrandbekämpfung aus der Luft: Akteure aus Forst, Feuerwehr und Bundespolizei tauschen sich aus

 In Forstamt Unterlüß, Regionale Presseregion Nordost

(Gifhorn) Wie funktioniert die Bekämpfung von Wald- und Vegetationsbränden aus der Luft? Welche technischen Möglichkeiten stehen den Einsatzkräften zur Verfügung und wie gelingt die Zusammenarbeit zwischen Forst, Feuerwehr und Bundespolizei im Ernstfall? Mit diesen Fragen beschäftigten sich kürzlich Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Organisationen bei einem gemeinsamen Informationstag der Bundespolizei-Fliegerstaffel in Gifhorn.

Eingeladen hatte die zuständige Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Gifhorn, Fachbereich 9.1 Waldbehörde. Zu den Teilnehmenden gehörten Mitarbeitende der Waldbehörde, Vertreter der Kreisfeuerwehr Gifhorn sowie die Waldbrandbeauftragten (WBB) und der Kreiswaldbrandbeauftragte (KWBB) mit ihren Vertretungen.

Begrüßt wurden die Gäste von Jürgen Errerd, Leiter der Bundespolizei-Fliegerstaffel Gifhorn. Im Anschluss führte Pilot Julian Bartels die Gruppe durch den Standort und stellte die verschiedenen Hubschraubertypen sowie deren Ausrüstung zur Wasseraufnahme und Wasserabgabe vor.

Dabei wurde deutlich, welche wichtige Rolle die Luftunterstützung bei der Bekämpfung von Wald- und Vegetationsbränden spielt. Allein im extrem trockenen Jahr 2022 wurden durch die Bundespolizei rund fünf Millionen Liter Wasser aus der Luft bei Brandeinsätzen abgeworfen. Im Jahr 2025 lag die eingesetzte Wassermenge aufgrund deutlich geringerer Einsatzzahlen bei rund 210.000 Litern.

Neben der Vorstellung der Technik standen vor allem der fachliche Austausch und die Abstimmung zwischen den beteiligten Organisationen im Mittelpunkt. Diskutiert wurden Einsatzvoraussetzungen, vorhandene Ausrüstung sowie Erfahrungen aus gemeinsamen Übungen. Dazu gehörte auch eine Waldbrandübung auf dem Truppenübungsplatz Ehra-Lessien, bei der Hubschrauber Wasser aus dem Elbe-Seitenkanal aufnahmen und zur Brandbekämpfung einsetzten.

„Wald- und Vegetationsbrände lassen sich nur erfolgreich bekämpfen, wenn alle Beteiligten eng zusammenarbeiten. Solche Treffen sind wichtig, um Abläufe abzustimmen, Erfahrungen auszutauschen und persönliche Kontakte aufzubauen. Im Einsatzfall zahlt sich das unmittelbar aus“, sagt Ingo Delion, Waldbrandbeauftragter im Landkreis Gifhorn und Revierleiter der Försterei Malloh der Niedersächsischen Landesforsten.

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf den neu aufgestellten Strukturen der Waldbrandbeauftragten im Landkreis Gifhorn. Das Team wurde im Jahr 2025 nach altersbedingten Veränderungen und Pensionierungen neu organisiert. Im Landkreis Gifhorn gibt es sieben Waldbrandgefahrenbezirke, die jeweils von einem Waldbrandbeauftragten und einer Vertretung betreut werden. Ergänzt wird das System durch einen Kreiswaldbrandbeauftragten mit zwei Stellvertretungen. Die Funktionen werden von Försterinnen und Förstern unterschiedlicher Waldbesitzarten wahrgenommen, darunter der Bundesforst, die Niedersächsischen Landesforsten sowie die Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

„Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Gefahr von Wald- und Vegetationsbränden auch in Norddeutschland jederzeit vorhanden ist. Neben einer leistungsfähigen Brandbekämpfung brauchen wir deshalb eine starke Prävention – von der Früherkennung über die Aufklärung der Bevölkerung bis hin zu regelmäßigen Übungen aller beteiligten Organisationen“, erläutert Delion.

Waldbrandprävention – das Feuer sehen, bevor es richtig brennt

Ein wichtiger Baustein der Prävention ist das Automatisierte Waldbrand-Früherkennungs-System (AWFS), das von den Niedersächsischen Landesforsten im Auftrag des Landes betrieben wird. Ziel ist es, Waldbrände so früh wie möglich zu erkennen und Einsatzkräfte schnell zu alarmieren, um größere Schadensereignisse zu verhindern. Die Kamerastandorte erstrecken sich über die Landkreise Lüneburg, Heidekreis, Uelzen, Gifhorn, Lüchow-Dannenberg und Celle. Die modernen Kamerasysteme und die Waldbrandzentrale in Lüneburg haben die früheren Feuerwachtürme abgelöst.

Ergänzt wird das System durch den Feuerwehrflugdienst Niedersachsen mit seinen Standorten in Lüneburg und Hildesheim, der die Einsatzkräfte bei der Waldbrandüberwachung und Lageerkundung aus der Luft unterstützt.

Der Informationstag machte deutlich, dass moderne Technik, eingespielte Zusammenarbeit und kontinuierliche Prävention entscheidende Voraussetzungen sind, um Wald- und Vegetationsbrände frühzeitig zu erkennen und wirksam zu bekämpfen. Gerade in einer Region wie der Südheide, die seit Jahrzehnten als besonders waldbrandgefährdet gilt, bleibt die enge Zusammenarbeit aller beteiligten Organisationen ein wesentlicher Erfolgsfaktor.

Hintergrund:

Mit einer Fläche von rund 1.600 Quadratkilometern und hohen Anteilen an Heide-, Wald- und Offenlandflächen zählt der Landkreis Gifhorn nach der europäischen Risikobewertung zu den Hochrisikogebieten für Wald- und Vegetationsbrände der Kategorie IV. Entsprechend groß ist die Bedeutung der Waldbrandprävention in der Region. Die Erfahrungen aus den verheerenden Heidebränden der Jahre 1975 und 1976 haben die Entwicklung moderner Vorsorge- und Bekämpfungssysteme maßgeblich geprägt.

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